Bahnsteig mit U-Boot – DB feiert Bahnhofsjubiläum in Fröndenberg mit Verspätung

dz150 Jahre Gleisanschluss

150 Jahre Gleisanschluss in Fröndenberg – eigentlich sollte zum Jubiläum ein großes Bahnhofsfest steigen. Die Bahn kommt jetzt mit Verspätung: Wegen der Corona-Pandemie heißt es 2021: „150 Jahre plus 1“.

Fröndenberg

, 08.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Bahnanschluss wurde aus dem Dorf eine Stadt: Vor 150 Jahren eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft den ersten Abschnitt der Oberen Ruhrtalbahn – mit Bahnhof in Fröndenberg.

Johannes Schmoll

Johannes Schmoll © Privat

»Wenn man einen großen Zug sehen wollte, musste man nach Fröndenberg gehen.«
Johannes Schmoll, Eisenbahnfreunde Hönnetal

Der Anschluss an die Eisenbahn bedeutete für Fröndenberg ein Sprung ins industrielle Zeitalter: Das Dorf wuchs allmählich zur Kleinstadt. Über viele Jahrzehnte war die Ruhrstadt später ein wichtiger Knotenpunkt.

Eigentlich sollte das Jubiläum auf dem Abschnitt zwischen Schwerte und Arnsberg groß gefeiert werden, in Fröndenberg ein Bahnhofsfest steigen – doch das Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung.

Fröndenberg erhält am 1. Juli 1870 seinen ersten Gleisanschluss

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Unna als Gastgeber kann alle Fans von Loks und Schienen aber trösten: Das Jubiläum soll im kommenden Jahr nachgeholt werden, wie Sprecher Uli Beele auf Nachfrage bestätigte.

Das erste Bahnhofsgebäude und die Gleisanlagen in Fröndenberg gingen ab dem 1. Juli 1870 in Betrieb. In den Folgejahren entstand die Bahnhofstraße mit einer einheitlichen Bebauung, abgeschlossen durch die Häuser der Amtsverwaltung und der Post, wie sie heute noch bestehen.

Eine der ältesten Aufnahmen vom Bahnhof Fröndenberg aus dem Stadtarchiv stammt vermutlich aus dem Jahr 1876: Die Belegschaft hat sich vor dem Bahnhofsgebäude und einer Dampflokomotive aufgestellt.

Eine der ältesten Aufnahmen vom Bahnhof Fröndenberg aus dem Stadtarchiv stammt vermutlich aus dem Jahr 1876: Die Belegschaft hat sich vor dem Bahnhofsgebäude und einer Dampflokomotive aufgestellt. © Stadtarchiv Fröndenberg

Die Hotelbetriebe „Wildschütz“ und „Heide“ eröffneten in mittelbarer Bahnhofsnähe und auch die Bahnhofswirtschaft erfreute sich großer Beliebtheit, wie Stadtarchivar Jochen von Nathusius recherchiert hat.

Die Eisenbahn brachte die Industrialisierung auch in Fröndenberg voran wie in den Jahrzehnten zuvor in vielen Teilen Deutschlands nach dem Startschuss 1835, als die erste Strecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet worden war.

FOTOSTRECKE
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150 Jahre Eisenbahn in Fröndenberg

Vor 150 Jahren, am 1. Juli 1870, erhielt Fröndenberg den ersten Bahnanschluss, als die Obere Ruhrtalbahn zwischen Schwerte und Arnsberg eröffnet wurde.
15.07.2020
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Aus dem Bahnhof Fröndenberg Richtung Wickede ausfahrender Personenzug, Datum nicht bekannt© Stadtarchiv Fröndenberg
Bahnhof Fröndenberg um 1902 von der Ardeyer Straße aus gesehen© Stadtarchiv Fröndenberg
Bahnhof Langschede auf der Strecke der Oberen Ruhrtalbahn zwischen Schwerte und Fröndenberg um 1900.© Stadtarchiv Fröndenberg
Zwei Jahre nach Eröffnung der Strecke Schwerte-Fröndenberg-Arnsberg wurde, 1872, schon die zweite Bahnverbindung eingerichtet, diesmal von Fröndenberg nach Menden.© Stadtarchiv Fröndenberg
Gliesbauarbeiten am Bahnhof Fröndenberg im Jahr 1962© Stadtarchiv Fröndenberg
Bahnsteig Fröndenberg um 1965© Eisenbahnfreunde Hönnetal
Der Fröndenberger Bahnhof mit dem legendären Kiosk, dem U-Boot, auf dem Bahnsteig um 1960© Eisenbahnfreunde Hönnetal
Das Foto zeigt das alte und das neue Stellwerk des Fröndenberger Bahnhofs© Eisenbahnfreunde Hönnetal
Der Fröndenberger Bahnhof auf einer Ansicht aus dem Jahr 1965© Eisenbahnfreunde Hönnetal
Blick aus dem Stellwerk am Bahnhof Fröndenberg Richtung Wickede noch ohne Brücke am 17. April 1988.© Johannes Schmoll
Eine Draufsicht auf die Gleisanlagen am Bahnhof Fröndenberg im Jahr 1986.© Johannes Schmoll
Einfahrt in den Bahnhof Fröndenberg auf Gleis 1 im Jahr 1992© Johannes Schmoll

So hatten zum Beispiel die Papierfabrik Himmelmann und das Kornhaus eigene Gleisanschlüsse, die erst 1989 beseitigt worden sind. In der Stadtmitte siedelte sich 1899 die Wilhelm Feuerhake & Co., die spätere Union, an, und auch am zum Industriegebiet Atlantik wurde ein Gleisabzweig verlegt.

Einmal Fröndenberg - Amsterdam, bitte

Fröndenberg wurde aber nicht nur eine kleine Industriestadt am Rande des östlichen Ruhrgebiets, sondern auch eine Eisenbahnerstadt. Hatte die Reichs- und danach die Bundesbahn doch eine große Dienststelle hier, von 1923 bis 1954 als Sitz eines eigenständigen Bahnbetriebswerks mit Lokschuppen und Drehscheibe.

Der Schienenbus sollte beim Bahnhofsfest zum 150. Jubiläum des Bahnanschlusses in Fröndenberg fröhliche Urständ feiern – wegen des Coronavirus will der NWL die Feierlichkeiten 2021 nachholen.

Der Schienenbus sollte beim Bahnhofsfest zum 150. Jubiläum des Bahnanschlusses in Fröndenberg fröhliche Urständ feiern – wegen des Coronavirus will der NWL die Feierlichkeiten 2021 nachholen. © Johannes Schmoll

Und wenn es um große Rösser auf der Schiene ging, blickte man auch aus der größeren Nachbarstadt Menden über die Ruhr, wie sich Johannes Schmoll noch gut erinnern kann.

„Wenn man einen großen Zug sehen wollte, musste man nach Fröndenberg gehen“, erzählt der langjährige frühere Vorsitzende und Mitbegründer des Vereins Eisenbahnfreunde Hönnetal.

Schließlich gab es einst, bis 1944/45, nicht nur eine Direktverbindung nach Berlin, sondern bis in die 1970er- und 1980er-Jahre auch Züge, die auf ihrem Weg nach Amsterdam oder Braunschweig Halt in Fröndenberg machten.

Das alte Stellwerk, hier im Jahr 1988, ist vielen Fröndenbergern noch bestens bekannt – es stand an der Kreuzung Ruhrstraße/Bahnhofstraße/Bismarckstraße. Im Hintergrund ist das Modegeschäft Rieckenbrauck zu erkennen.

Das alte Stellwerk, hier im Jahr 1988, ist vielen Fröndenbergern noch bestens bekannt – es stand an der Kreuzung Ruhrstraße/Bahnhofstraße/Bismarckstraße. Im Hintergrund ist das Modegeschäft Rieckenbrauck zu erkennen. © Johannes Schmoll

Jochen von Nathusius

Jochen von Nathusius © Marcus Land

»1942 passierten täglich mehr als 100 Güterzüge je Richtung den Bahnhof, um Waffen, Munition und Soldaten an die Ostfront zu transportieren. Wegen ihrer Streckenführung im Sauerland galt sie als weniger gefährdet durch Luftangriffe als andere West-Ost-Verbindungen.«
Stadtarchivar Jochen von Nathusius

In heutiger Zeit sei die vor einigen Jahren eingerichtete direkte Zugverbindung nach Dortmund „ein großer Sprung“ für Fröndenberg gewesen, so Johannes Schmoll. Umständliche Umstiege in Schwerte entfielen.

Schmoll erinnert sich auch noch gut an das „U-Boot“, den legendären Kiosk mit den „Bullaugen“ auf dem Bahnsteig in Fröndenberg. „Da ist manches Fläschlein geleert worden“, weiß Schmoll. Die Trinkhalle war Anlaufpunkt für Eisenbahner ebenso wie für Fahrgäste, die hier ihr Reiseproviant kauften.

Die ganz großen Eisenbahnzeiten sind in der Ruhrstadt vorbei; eine Besonderheit gibt es aber bis heute: Fröndenberg hat als eine der ganz wenigen Städte in Deutschland einen sogenannten Keilbahnhof. Die Streckenführung gabelt sich dabei vor dem Empfangsgebäude, das damit zwischen den Gleisen liegt.

Bahnstrecke Fröndenberg-Menden feiert 2022 Jubiläum

Man kann also anlässlich des 150. Jubiläums viele Geschichten erzählen. Daher freut sich Johannes Schmoll, dass sich die Eisenbahnfreunde mit einem Jahr Verspätung in das 2021 geplante Fest einbringen können.

Im Grunde könne man 2021 und selbst 2022 ebenso gut wie 2020 ein „150-Jähriges“ feiern, weiß der Kenner der regionalen Eisnebahngeschichte: 1871 ist ein zweiter Abschnitt der Oberen Ruhrtalbahn freigegeben worden – und am 7. August 1872 die heutige Hönnetalbahn von Fröndenberg nach Menden.

Info

Die Fröndenberger Eisenbahngeschichte

  • Die Standesamtsunterlagen und Kirchenbücher berichten schon bald nach Eröffnung des Bahnanschlusses am 1. Juli 1870 in Fröndenberg über viele Geburten, Heiraten und Todesfälle aus zahlreichen zugezogenen Eisenbahnerfamilien, die teilweise auch in Fröndenberg sesshaft wurden.
  • Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Gleisanlagen stark erweitert. Im November 1890 zerstörte die „Katharinenflut“ die Eisenbahnbrücke nach Menden, ebenso 1943 die Möhnekatastrophe.
  • Mit der Eröffnung der Strecke Fröndenberg – Unna 1899 durch die Preußische Staatsbahn wurde Fröndenberg zum Kreuzungsbahnhof und Umsteigebahnhof für viele Reisende.
  • Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstand die Personenunterführung auf der Menden-Unnaer Seite des Bahnhofs zwischen den Gleisen 11-13.
  • 1941 beschäftigt allein das Bahnbetriebswerk zur Unterhaltung der hier eingesetzten Dampflokomotiven 140 Mitarbeiter (Lokführer, Heizer, Kohlenlader etc.).
  • Im März 1945 wurden die Bahnanlagen durch einen Bombenangriff zerstört, viele Reisende eines angehaltenen Personenzuges und auch Reichsbahnbedienstete fanden hierbei den Tod.
  • 1957 wurde das neue Bahnhofsgebäudes eingeweiht, bis dahin waren durch die völlige Zerstörung der Gebäude im März 1945 Fahrkartenschalter, Gepäckschalter und Warteräume in provisorischen Holzbaracken untergebracht.
  • Ab Anfang der 1960er-Jahre wurden viele lokale Personenzugleistungen von Schienenbussen übernommen, deren Einsatz 1984 endete.
  • Bereits um 1900 wurde in Warmen ein Haltepunkt eingerichtet – hauptsächlich für Pendler zu den Joto-Kettenwerken – und 1979 geschlossen, ebenso existierte ab 1954 an der Strecke nach Unna ein Haltepunkt „Fröndenberg-West“ für die Pendler zum Drahtwerk und zur Ziegelei, der 1962 aufgehoben wurde. Dort gab es auch früher ein Anschlussgleis für das Drahtwerk und die Ziegelei.
  • 1991 endete der Einsatz eines durchgehenden D-Zuges auf der Ruhrtalbahn mit dem Laufweg Amsterdam – Bad Wildungen, wenig später der Zuglauf Düsseldorf – Willingen.
    (Quelle: „Eisenbahngeschichte“ von Stadtarchivar Jochen von Nathusius)

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