Bahnhof Langschede: Bürger wollen den Haltepunkt zurück

dzÖPNV in Fröndenberg

Seit den 80er-Jahren stoppte kein Zug mehr in Langschede. Der Fröndenberger Ratsherr Frank Lütkefent, der den alten Bahnhof saniert hat, würde sich immer wieder für einen Haltepunkt im Westen einsetzen.

Fröndenberg

, 02.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Zuge der Arbeit des Regionalverbands Ruhr an einem neuen Mobilitätskonzept für die Metropole Ruhr ist der Bahnhaltepunkt in Langschede wieder ins Gespräch gekommen. Die Stadtverwaltung hatte sich bereits dafür eingesetzt, dass er aus dem Regionalplan Ruhr nicht gestrichen wird. Nun regte auch die Politik an, dass der Haltepunkt unabhängig vom langfristigen Konzept für die Mobilitätsentwicklung im Ruhrgebiet wieder ins Auge gefasst wird.

Einen Fröndenberger freut das ganz besonders: Der Architekt und Ratsherr Frank Lütkefent hatte das alte Bahnhofsgebäude in Langschede neben dem heutigen Rewemarkt im Jahr 2001 gekauft, unter Denkmalschutzaspekten saniert und ist dort mit seinem Architekturbüro eingezogen. Seit mehr als zehn Jahren setzt er sich dafür ein, dass Langschede an anderer Stelle wieder einen Bahnhof bekommt.

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„Man fährt von Langschede nach Fröndenberg, um dann von Fröndenberg über Langschede zurück in Richtung Dortmund zu fahren“, beschreibt Frank Lütkefent die aktuelle Verkehrssituation.

So modern sieht das Bahnhofsgebäude in Langschede heute aus. Dass dahinter einst Züge hielten, kann man sich kaum noch vorstellen.

So modern sieht das Bahnhofsgebäude in Langschede heute aus. Dass dahinter einst Züge hielten, kann man sich kaum noch vorstellen. © Udo Hennes

Aus seiner Sicht sprechen heute mehr Gründe denn je dafür, dass der Westen wieder an den Schienenverkehr angeschlossen wird. So etwa auch die Wohnungsnot der Studierenden in Dortmund. Wenn er höre, dass Studenten mit Bus oder S-Bahn bis nach Eving oder Eichlinghoven aus der Stadt hinausfahren müssen, um bezahlbare Wohnungen zu finden, dann wären diese mindestens genauso schnell auch in Langschede.

Der Bahnhaltepunkt käme nicht nur Studierenden, sondern auch Radtouristen zugute. Das argumentiert auch die Stadtverwaltung im Rahmen des Mobilitätsentwicklungskonzepts für die Metropole Ruhr. Der Ruhrtalradweg zähle zu den beliebtesten Radwegen Deutschlands und in Langschede gibt es einen guten Einstieg, so Lütkefent.

Die Menschen werden umweltbewusster

Ohnehin hätten die Themen ÖPNV, Verzicht aufs Auto, Park and Ride sowie Bike and Ride im Zuge der Umweltdebatte an Stellenwert gewonnen. Das könnte dem Bahnhofs ebenfalls Aufwind bringen, hoffen Befürworter wie Frank Lütkefent. Nicht zuletzt brächte ein neuer Haltepunkt auch die Dörfer im Westen mit dem Zentrum und damit die Bürgerinnen und Bürger der Stadt näher zusammen. Auch Menschen in den nahegelegenen Ortsteilen von Menden würde ein Bahnhof im Westen entgegenkommen.

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Die Geschichte des alten Haltepunkts geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, wie Ardeys Ortsheimatpfleger Klaus Böning zu berichten weiß. Bereits 1849 wurden erste Planungen für eine Ruhr-Eisenbahn, die in Teilen identisch mit der Oberen Ruhrtalbahn war, aufgenommen. Doch dauerte es bis zum 1. Juni 1870, bis die 43,2 Kilometer lange Strecke von Schwerte nach Arnsberg dem Verkehr übergeben wurde, so Böning.

So sag es am Langscheder Bahnhof früher aus.

So sag es am Langscheder Bahnhof früher aus. © Stadtarchiv Fröndenberg

Der provisorische Bahnhof Langschede hatte zu diesem Zeitpunkt schon acht Mitarbeiter und ab 1872 auch einen Bahnhofsvorsteher. Das 1880 erstellte zweigeschossige Neurenaissance-Bahnhofsgebäude ist im Stil eines italienischen Palazzo erbaut worden.

Seit Mai 1983 halten in Langschede keine Reisezüge mehr

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1969 wurde der Bahnhof als selbstständige Dienststelle aufgelöst und dem Bahnhof Fröndenberg angegliedert. Seit dem 29. Mai 1983 halten in Langschede keine Reisezüge mehr und der Personaltunnel zum Mittelbahnsteig wurde 1984 verfüllt, blickt Ardeys Ortsheimatpfleger zurück.

So wie früher könnte ein Bahnhof in Langschede heute nicht mehr betrieben werden. Frank lütkefent schlägt einen anderen Standort vor.

So wie früher könnte ein Bahnhof in Langschede heute nicht mehr betrieben werden. Frank lütkefent schlägt einen anderen Standort vor. © Stadtarchiv Fröndenberg

Seitdem habe es immer wieder Bestrebungen gegeben, den Bahnhaltepunkt erneut aufzunehmen, berichten Klaus Böning und Frank Lütkefent. Im Jahr 1999, so Lütkefent, sei der Bahnhof bereits im Nahverkehrsplan erwähnt worden. 2007 wurde das Thema erneut in die Kommunalpolitik eingebracht. 2009 sprach Lütkefent mit Michael Makiolla über den Bahnhaltepunkt, zeigte mit einem Entwurf auch, wie sich der Bahnhof am Übergang vor dem alten Tyssen-Gebäude einfügen würde. Zu dieser Zeit waren im Kreis Unna zwei Standorte für den Bau eines neuen Bahnhofs im Rennen: Geisecke und Langschede.

Finanzen und Anschlüsse sprachen gegen den Bahnhof

Ein Argument, das damals gegen den Bahnhof sprach: Es wurde befürchtet, dass es durch den neuen Haltepunkt Anschlussprobleme gibt. So wollte man zunächst abwarten, bis neue Züge ein Tempo fahren können, das einen weiteren Stopp erlaubt, ohne, dass sich der Ankunftszeitpunkt der Bahn in Dortmund verändert. Auch an der finanziellen Situation der Ruhrstadt, die sich lange Zeit in der Haushaltssicherung befand, seien Bestrebungen gescheitert, so Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe.

Den Bahnhof wiederzubeleben ist nun nicht zum ersten Mal Thema. 2009 hat der Architekt Frank Lütkefent einen Entwurf für einen neuen Bahnhaltepunkt in Langschede vorgestellt.

Den Bahnhof wiederzubeleben ist nun nicht zum ersten Mal Thema. 2009 hat der Architekt Frank Lütkefent einen Entwurf für einen neuen Bahnhaltepunkt in Langschede vorgestellt. © Archiv

Frank Lütkefent rät nun, den Bahnhof etwa über gute Kontakte, auch überregional politisch ins Gespräch zu bringen.

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