Marktplatz zu – und trotzdem durch: So lief der erste Tag mit Sperrung in Fröndenberg

dzVerkehrsplanung

Von „endlich“ bis „so ein Quatsch“: Auch nachdem die Sperrung umgesetzt ist, bleiben Fröndenberger geteilter Meinung. Rangierprobleme vermeiden viele an Tag eins, indem sie die Durchfahrt trotz des Verbots weiter nutzen.

Fröndenberg

, 27.11.2019, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein jahrelanges Streitthema der Fröndenberger Bürgerinnen und Bürger ist seit Mittwoch wohl vorerst vom Tisch. Nachdem der Rat endgültig entschieden hat, dass der Marktplatz für Durchgangsverkehr gesperrt wird, hat die Verwaltung nun Nägel mit Köpfen machen lassen.

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Das Straßenbauunternehmen von Erich Potthoff setzte die ersten Maßnahmen am Mittwoch um. Gegen 8 Uhr begannen die Arbeiter damit, neue Schilder aufzustellen, die auf den gesperrten Markt, eingeschränkte Wendemöglichkeiten und Ausnahmen für die Durchfahrt hinweisen. Dabei starteten Potthoff und seine Mitarbeiter an der Allee-Straße.

Marktplatz zu – und trotzdem durch: So lief der erste Tag mit Sperrung in Fröndenberg

Dort geht's nicht mehr durch. Dass die Karl-Wildschütz-Straße zu Sackgasse wird, zeigen schon Schilder an der Alleestraße. © Hornung

Dort zeigen in beide Fahrtrichtungen nun Schilder an, dass sich Autofahrer, die in die Karl-Wildschütz-Straße abbiegen, in eine Sackgasse begeben. Ein Bürger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, wohnt schon seit Jahren im Eingangsbereich der Karl-Wildschütz-Straße. Er befürchtet, dass Pkw jetzt direkt vor seinem Fenster rangieren. Vor allem morgens, da sei besonders viel los, da wollen alle zu den Ärzten, sagt er.

Marktplatz zu – und trotzdem durch: So lief der erste Tag mit Sperrung in Fröndenberg

Nicht nur an der Fröndenberger Alleestraße – auch noch einmal im Eingangsbereich der Karl-Wildschütz-Straße werden Autofahrer an die neue Verkehrssituation herangeführt. © Hornung

„Ich weiß nicht, was das soll“, ärgert sich der aufgebrachte Anwohner. Jetzt, wo die Situation neu ist, würden die Schilder wohl häufig übersehen – und dann werde es drubbelig vor seinem Haus. Dass die Schilder übersehen werden, oder dass Alteingesessene sie übersehen wollen, wurde am Tag eins der Sperrung bereits deutlich. Viele Autofahrer mit UN- oder auch MK-Kennzeichen fuhren bis kurz vor den Marktplatz. Und dann – sofern ihnen die Luft rein erschien – auch nicht zurück, sondern wie üblich geradeaus. Einer Handvoll Verkehrshinweisen zum Trotz. Andere wiederum fragten das Bauunternehmen immerhin, ob sie noch ein letztes Mal dürfen – wirkten ganz überrascht, dass der Marktplatz nun so plötzlich geschlossen ist.

Über die kurzfristige Sperrung wurden Händler nicht informiert

Überrascht wirkten auch die Händler, die vom Termin am Mittwoch erst kurz vorher aus der Zeitung oder vom Hörensagen erfuhren. „Das ist für uns geschäftsschädigend, schon heute ist nicht viel los“, sagt Rafalcik-Mitarbeiterin Corinna Gloede. Ihr Chef Christian Rafalcik gehörte zu den Händlern, die sich darum bemüht hatten, die Sperrung des Platzes noch abzuwenden. Jetzt herrscht Enttäuschung darüber, dass das nicht geklappt hat. Corinna Gloede weiß, dass es auch Betriebe wie etwa das Café Melange gibt, die Befürworter der Sperrung sind. Doch sie sieht ihre Existenz bedroht. „Da spreche ich alleine für mich als Verkäuferin“, sagt sie.

Marktplatz zu – und trotzdem durch: So lief der erste Tag mit Sperrung in Fröndenberg

Auch 30 Meter bevor der Marktplatz dann tatsächlich geschlossen ist, weist ein weiteres Schild darauf hin. © Hornung

Damit Begegnungsverkehr in der Karl-Wildschütz-Straße möglich ist, hat das Straßenbauunternehmen auch mehrere Parkplätze zurückgebaut. In den so frei gewordenen Buchten können Autofahrer ihrem Gegenüber falls nötig ausweichen. Ein Parkplatz kurz vor dem Marktplatz ist für Arztbesucher reserviert.

Marktplatz zu – und trotzdem durch: So lief der erste Tag mit Sperrung in Fröndenberg

Dass die Fröndenberger Stadtverwaltung in Sachen Marktsperrung tatsächlich Nägel mit Köpfen macht, wurde auch am Rückbau einiger Parkplätze in der Karl-Wildschütz-Straße deutlich. Eine Firma hat hierzu die dunklen Markierungssteine entfernt. © Hornung

Von „endlich“ bis „so ein Quatsch“ reiche das Meinungsspektrum, beschreibt Erich Potthoff die Reaktionen von Bürgern im Verlauf des Vormittags. Viele befürchten vor allem, dass in der verhältnismäßig schmalen Straße Verkehrschaos entsteht. „Wenn man da nicht aufpasst, dann kracht es“, sagen Passanten. Zwei Herzen schlagen zum Beispiel in der Brust von Anwohnerin Karin Sandfort. Ohne Autos gefällt ihr der Platz persönlich besser. Kritik und Sorgen kann sie allerdings gut verstehen.

Unterm Strich verlief der erste Tag verhältnismäßig ruhig

Am Mittwoch blieb es dann verhältnismäßig ruhig in der Karl-Wildschütz-Straße. Vielleicht, weil am Nachmittag die Ärzte geschlossen hatten. Vielleicht, weil viele einfach weiter über den Marktplatz fuhren. Welche Auswirkungen die Verkehrsführung tatsächlich hat, wird sich wohl erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Spätestens, wenn im Frühjahr 2020 Poller eingelassen werden, kann auch keine mehr schummeln.

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