Auch eine Jalousie hat Gefühle

dzGlosse

Mittlerweile muss mir keiner mehr mit der unbelegten Behauptung kommen, dass Sachen leblos sind und keine Empfindungen verspüren. Meine Sonnenblende beweist mir das Gegenteil – immer wenn die Sonne scheint.

Fröndenberg

, 15.05.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Herrlich war das nach den nasskalten Tagen, als jetzt endlich wieder die Abendsonne ihre warmen Strahlen auf Ostbüren richtete. Den Plausch über Dies und Das unter freiem Himmel wollten mein Gesprächspartner und ich da nur ungern beenden. Im Auto sitzend wurde es anschließend auch gleich wieder unangenehm. Alles aufgeheizt, Augen geblendet, durch verstaubte Scheiben so gut wie nichts zu erkennen. Sonne ist schön, aber bitte in Maßen und zu den richtigen Zeiten. Die Sonnenblende half da auch nur bedingt. Hatte aber einen riesigen Vorteil: Sie verharrte in der Position, in die ich sie bewegt hatte. Das ermöglichte eine halbwegs sichere Heimfahrt dem strahlenden Himmelskörper entgegen. Die Sonnenblende in meinem Auto ist empfindungslos, das ist sicher. Ganz anders die Jalousie vor dem Fenster meines Arbeitszimmers. Die soll mich eigentlich davor schützen, dass die gleißenden Sonnenstrahlen in den Raum scheinen. Sie wissen schon – alles aufgeheizt, Augen geblendet, auf dem verstaubten Monitor nichts zu erkennen. Diese Sonnenblende gehört jedoch zu einer empfindsamen Spezies: Strahlt die Sonne zu doll, wird es der Jalousie zu heiß, zieht sie sich automatisch in den schattigen Jalousiekasten zurück. Wie viel Platz da wohl ist?

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