In Fröndenberg kaufen – in Menden böllern: Antrag auf Feuerwerksverbot sorgt für Knall

dzSilvesterfeuerwerk

Das Feuerwerksverbot, das der SPD-Ortsverein Fröndenberg-West beantragt hat, sorgt für ein großes Echo: Es gibt Zustimmung und klare Ablehnung. Und es kommt die Frage auf, ob die Stadt den Verkauf verbieten kann.

Fröndenberg

, 13.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klimaschutz, Vermeidung von Müll und mehr Sicherheit in der Silvesternacht sind die Hauptgründe für die SPD im Fröndenberger Westen, ein künftiges Verbot von pyrotechnischem Feuerwerk über den Jahreswechsel zu beantragen.

Ursula Lindstedt, Vorsitzende des Ortsvereins, hatte damit gerechnet, dass der Vorstoß nicht überall auf Gegenliebe stoßen werde. Tatsächlich sind die Reaktionen in den Sozialen Netzwerken nun recht ausgewogen. Das Echo ist in jedem Fall groß.

»Es ist echt traurig, dass das Glück einiger von einem Feuerwerk einmal im Jahr abhängt.«
Tanja Baurhenn

„Es ist echt traurig, dass das Glück einiger von einem Feuerwerk einmal im Jahr abhängt – Luxusprobleme“, schreibt Tanja Baurhenn und gibt zu verstehen, dass sie dem Vorschlag durchaus Positives abgewinnen kann.

Tierschutz als Argument gegen die Böllerei

Marion Moog schlägt sich ebenfalls auf die Seite derjenigen, die das Silvesterfeuerwerk wegen seiner Begleiterscheinungen nicht gutheißen, und nennt auch Gründe: Eine Vielzahl von entlaufenden, langfristig vermissten oder sogar getöteten Hunden infolge der Silvesternacht seien vielleicht „ein Argument, die Böllerei zu überdenken“, kommentiert Marion Moog bei Facebook die Berichterstattung dieser Redaktion.

Martin Wette hält ein Verbot von Feuerwerk dagegen für unverhältnismäßig. Die SPD West hatte ihren Antrag auch damit begründet, dass jedes Jahr große Mengen Feinstaub beim Abbrennen freigesetzt werden, die Umwelt und Gesundheit schaden.

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Man könne nicht beim privaten Silvesterfeuerwerk mit Verboten anfangen, „solange für Urlaub usw. Millionen Tonnen Kerosin und Schweröl verbrannt werden“, findet Martin Wette.

Verkaufsverbot ist Sache des Gesetzgebers in Berlin

Sein Kommentar, die Raketen und Böller künftig andernorts zu kaufen, wirft in der Diskussion die Frage auf, inwiefern eine Kommune überhaupt auch den Verkauf von Silvesterfeuerwerk verbieten könne.

Ein Verkaufsverbot wird in dem Antrag des SPD-Ortsvereins nicht gefordert, sondern lediglich ein Verbot des Abbrennens in Fröndenberg. Für ein Verbot, Sprengkörper herzustellen oder zu vertreiben, ist die Stadt auch nicht zuständig; hier müsste der Bundesgesetzgeber tätig werden.

»Lasst doch bitte die Gängelei der Bürger und kümmert Euch um tatsächliche Probleme!«
Sylvia Schneider

Es wäre also denkbar, selbst bei einem künftigen Abbrennverbot in Fröndenberg Böller und Raketen in den örtlichen Geschäften noch zu kaufen und hinter der Stadtgrenze, in Menden oder Unna, abzuschießen. „Ich würde dann einfach über die Stadtgrenze gehen und dort böllern“, überlegt etwa Jürgen Geßler, wie Feuerwerkfans aus Fröndenberg ein Verbot umgehen könnten.

Einige Händler führen Feuerwerk nicht mehr im Sortiment

Diesen würde es erst dann noch schwieriger gemacht, wenn Einzelhändler aus eigener Überzeugung ihren Verkauf von Feuerwerkskörpern künftig einstellten, wie es zum Beispiel ein Baumarkt in Neuenrade schon 2019 getan hat.

Während Sylvia Schneider dem Verbotsantrag rein gar nichts abgewinnen kann („Lasst doch bitte die Gängelei der Bürger und kümmert Euch um tatsächliche Probleme!“) fordert Jürgen Geßler eine abwägende Entscheidung.

„Konsequenz müsste im nächsten Schritt sein, dass Brauchtumsfeuer jeglicher Art untersagt werden. Kleinfeuerungsanlagen gehören ebenfalls verboten“, findet Jürgen Geßler.

Zweifel an Kontrolle und Ahndung von Verstößen

Er fragt sich indes, wer die Befolgung des Verbots überwachen und Verstöße ahnden würde. Ein Aspekt, auf den auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund hinweist, der seinen Mitgliedskommunen im Ergebnis kein generelles Verbot von Silvesterfeuerwerk empfiehlt.

Wie sehr man beim Thema Feuerwerksverbot hin- und hergerissen sein kann, bringt Jürgen Geßler zum Ausdruck: „Es ist sehr lobenswert, wenn Fröndenberg so etwas beschließen würde. Auf den Ausgang der gerichtlichen Überprüfung bin ich gespannt.“

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