Neuer Gehweg an L673: „15.000 Euro pro Anlieger? - Das ist eine Lüge!“

dzStraßensanierung

Von Setzrissen übersät ist das Haus von Siegfried Glasmeyer. Dass die holprige Landstraße saniert wird, findet er daher gut. Doch den geplanten Gehweg wollen er und seine Nachbarn nicht bezahlen.

Fröndenberg, Warmen

, 29.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwas ähnlich Desolates wie die schmale und holprige Landstraße zwischen Warmen und Bentrop hatte die Bochumer Niederlassung von Straßen NRW auch noch nicht gesehen.

„Da kommt es zu brenzligen Situationen.“
Siegfried Glasmeyer, Anlieger an der L 673

„So etwas kannten wir bislang nicht“, hieß es schon vor Monaten aus Bochum, nachdem man von den Hagener Kollegen vor einigen Jahren die Zuständigkeit übernahm und seither für die Unterhaltung der Landesstraßen im Kreis Unna und damit in Fröndenberg zu sorgen hat.

Die L 673, die zwischen Altendorf und Bentrop mitten durch Fröndenberg führt, glich und gleicht noch an vielen Abschnitten einem Flickenteppich. Mittlerweile sind in Ardey und Langschede schon einige Kilometer saniert worden.

Setzrisse am Haus durch polternde Lkw

Im Herbst soll es nun in Warmen so weit sein. Mit Anliegern ist bereits gesprochen worden. Eine neue glatte Oberfläche der Straße - das ist ein Wohlklang in den Ohren der Hausbesitzer, die direkt an der Landstraße wohnen.

Sie dürfte auch den Häusern gut tun. Siegfried Glasmeyer zeigt auf die verputzten Setzrisse in der Fassade seines Hauses. In der Diele sind schon wieder frische Risse aufgetaucht. „Das ist hier an allen Häusern so“, sagt der Warmener.

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Engstelle Landstraße: Diese Situation zeigt für Siegfried Glasmeyer deutlich, dass ein Gehweg neben der Böschung viel wichtiger ist als weiter oberhalb Richtung Bushaltestelle, wo die Landstraße breiter ist.

Engstelle Landstraße: Diese Situation zeigt für Siegfried Glasmeyer deutlich, dass ein Gehweg neben der Böschung viel wichtiger ist als weiter oberhalb Richtung Bushaltestelle, wo die Landstraße breiter ist. © privat

Kommt jemand für den Schaden auf? Glasmeyer winkt ab. Da werde er wohl auf taube Ohren stoßen, ahnt er. Er hofft, dass die Lkw künftig nicht mehr über eine Buckelpiste poltern werden.

Die Stadtverwaltung will die Baustelle für eine eigene Maßnahme nutzen und hat unter den Anliegern eine Umfrage gemacht: Wer stimmt dem Bau eines Gehweges zu? Den gibt es dort bisher nicht und den baut auch Straßen NRW nicht. Ergebnis: „Alle dagegen“, sagt Bauamtsleiter Martin Kramme.

„Alle dagegen.“
Bauamtsleiter Martin Kramme zur Abstimmung über den Gehweg

Das habe ihn nicht gewundert. Schließlich müsste diese erstmalige Erschließungsmaßnahme von den Anliegern bezahlt werden. Siegfried Glasmeyer stimmte auch dagegen. „Wir wollen hier keinen Gehweg.“

Jedenfalls nicht hier, wo es einen provisorischen Seitenstreifen gebe und Fußgänger recht sicher zur Bushaltestelle gelangen können, wie Glasmeyer findet.

Bei Begegnungsverkehr kaum Platz für Fußgänger

Aber etwas weiter Richtung Ortsmitte, in der Senke zwischen Bushaltepunkt „Vogt“ und Rammbachbrücke.

„Da kommt es zu brenzligen Situationen“, weiß Siegfried Glasmeyer, der sich in der Initiative „Wir - für die Palz“ engagiert.

Er zeigt ein Foto: Ein Lkw und ein Bus begegnen sich in der Engstelle und an der Böschung stehen knapp zwei junge Menschen.

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Enge Straße, keine Bankette: Auf der Landstraße in Warmen fuhr mal ein Transporter von Aldi in den Graben. Es soll nicht der einzige Unfall dieser Art gewesen sein, wie Anwohner berichten.

Enge Straße, keine Bankette: Auf der Landstraße in Warmen fuhr mal ein Transporter von Aldi in den Graben. Es soll nicht der einzige Unfall dieser Art gewesen sein, wie Anwohner berichten. © Land

Warum an dieser gefährlichen Stelle kein Gehweg angelegt werde, fragt sich Glasmeyer und gibt sich die Antwort selbst: Dort gibt es keine Anlieger, da müsse ja dann wohl die Stadt selbst die Kosten tragen.

Das lässt Martin Kramme nicht gelten. Die Stadt wolle einen Bürgersteig dort bauen, wo es sofort möglich wäre und wegen der Straßensanierung nun auch günstiger werden könnte.

Verwaltung schlägt Gehweg vor - Politik entscheidet

Dagegen sei an der Engstelle kein Platz für einen Gehweg, dafür müsse man erst sehr aufwändig über Grundstückserwerb sprechen. Das könne später auch irgendwann einmal passieren. „Aber das Ziel ist jetzt nicht, in den Ort zu kommen, sondern zur Haltestelle“, sagt der Bauamtschef.

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Die Meinungsabfrage habe man ganz bewusst und auch frühzeitig gemacht. Angelehnt habe man sich dabei an eine neue Vorschrift im Kommunalabgabengesetz - das Gesetz passt hier zwar nicht, aber man wollte eben „vorbildlich“ handeln, so Kramme.

Dadurch habe die Stadt nämlich Gutachterkosten gespart - denn die Anlieger wollten ja offenkundig gar keinen Gehweg, wie man jetzt weiß. Kommt er daher nun nicht? Die Stadtverwaltung halte einen Bürgersteig an dieser Stelle nach wie vor „zur Sicherheit der Anwohner für geboten“, so Kramme, und werde dies auch in ihre Vorlage schreiben. Entscheiden muss das nun der Rat.

Dass, wie von Anliegern behauptet, 15.000 Euro je Grundstück fällig würden, bringt Martin Kramme unterdessen aus der Fassung. „Das ist eine Lüge.“

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