Angst vor Straßenbaubeiträgen: Anlieger fürchten Busse in ihrer Straße

dzAnliegerbeiträge

Busse durften jahrelang nicht über eine Straße rollen. Die Sorge: Die neu asphaltierte Oberfläche wird schnell wieder marode und deshalb eine Vollsanierung fällig. Plötzlich gibt es dort wieder Busverkehr.

Fröndenberg

, 07.01.2020, 15:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fahrplanwechsel bei Westfalenbus zum 7. Januar hat eine Änderung mit sich gebracht, die zuerst die Anwohner des Birkenwegs bemerkt haben: Nach Jahren rollen wieder Busse über die Straße in dem Wohngebiet.

Dabei waren Busse hier verboten, weil befürchtet wurde, die Straße könne zu schnell marode werden, erinnert sich einer der Anwohner.

»Der Bus hat die Straße platt gefahren.«
Uwe Richter, Anwohner

Uwe Richter wohnt seit 25 Jahren in der Schlesiersiedlung, die in den 1950er-Jahren errichtet wurde, als viele Aussiedler nach Fröndenberg kamen. Viele Jahre fuhr auch immer ein Bus durch das Wohngebiet.

„Bis 2012 ist stündlich ein Bus durch den Birkenweg gefahren“, erinnert sich Uwe Richter. Der Birkenweg stand seinerzeit auch auf einer Liste des Bauamtes mit Straßen, die wegen ihres schlechten Zustandes für einen kompletten Neubau in Betracht kamen.

„Der Bus hat die Straße platt gefahren“, ist Uwe Richter überzeugt. Als Anliegerbeiträge für einen Straßenausbau drohten, startete Richter daher schnell eine Unterschriftenaktion gegen die Vollsanierung.

Jetzt lesen
Angst vor Straßenbaubeiträgen: Anlieger fürchten Busse in ihrer Straße

Der Birkenweg vor der Sanierung. 2010 vermutete der damalige Fachbereichsleiter Wolfgang Geiseler zunächst, dass die Schäden auch den Unterbau betreffen. Wenn dem so gewesen wäre, hätten die Anwohner die Erneuerung der Straße anteilig mitbezahlen müssen. © Borys Sarad

Info

Gelenkbusse sollen zum Schulzentrum fahren

  • Auf Wunsch der Gesamtschule hat die Stadt bei Westfalenbus um den Einsatz von Gelenkbussen zu den Hauptzeiten des Schülerverkehrs gebeten.
  • Der Einsatz sei der GSF auch zugesagt worden, sagte am Dienstag Schulleiter Klaus de Vries. Allerdings kamen sie am Dienstag noch nicht zum Einsatz.
  • Einige der üblichen Linienbusse seien morgens und nachmittags „gut gefüllt“, zumal Tornister oder Rucksäcke der Schüler zusätzlichen Platz beanspruchen.
  • Westfalenbus meldete sich auf eine Anfrage der Redaktion am Dienstag nicht.

Man habe nicht eingesehen für etwas zu bezahlen, was man als Anlieger schließlich auch nicht verursacht habe, so Richter in der Rückschau. Tatsächlich habe die Prüfung mittels eines Bohrkerns dann ergeben, dass eine oberflächliche Sanierung des Birkenwegs ausreichend ist.

Neue Straßendecke war 2012 „zu dünn“ für schwere Busse

„Die Straße wurde abgeschliffen und eine drei Zentimeter dicke Teerschicht aufgetragen“, weiß der Anlieger noch. Den Bussen war es danach verboten, durch den Birkenweg zu fahren. Die Route war kurzerhand über den Lindenweg umgelegt worden, weil man Unheil für die eben asphaltierte Straße befürchtete.

Umso größer war für Uwe Richter nun die Überraschung, als er dem neuen Fahrplan von Westfalenbus den wiedergekehrten Haltepunkt der Linie C71 im Birkenweg entnahm.

2012 habe es noch geheißen, die Straßendecke sei zu dünn für den Bus. Allerdings fahren neuerdings Midi-Busse auf den Stadtbuslinien. Diese Fahrzeuge sind kleiner als die gewohnten Omnibusse, haben lediglich 14 Sitz- und 14 Stehplätze.

Die Stadt spricht bei der Linienführung des Busverkehrs ein Wörtchen mit. Die künftig kompakteren und geräuschärmeren Busse haben laut Stefan Betzinger die Verwaltung daher überzeugt, dass sie im Birkenweg keinen größeren Schaden anrichten können.

Jetzt lesen
Angst vor Straßenbaubeiträgen: Anlieger fürchten Busse in ihrer Straße

Seit 2013 machte die Linie C72 nicht mehr am Birkenweg halt, stattdessen wurde eine Bushaltestelle an der Nordstraße eingerichtet. © Roman Grzelak

Die Tiefbauer im Rathaus hätten keine Bedenken, dass der Birkenweg die leichteren Midi-Busse aushält, so der stellvertretende Fachbereichsleiter Bauen. Selbst wenn wenige Male am Tag ein größerer Bus über den Birkenweg fahre, sei das unproblematisch.

Ob tatsächlich zu den Zeiten des Schulverkehrs Gelenkbusse auf der Linie C71 und damit über den Birkenweg zum Schulzentrum fahren, bestätigte Westfalenbus am Dienstag nicht.

Kleinere Busse fahren jetzt doppelt so häufig

Es sei jedenfalls nicht die Aufgabe der Stadtverwaltung, sondern allenfalls von Westfalenbus, betroffene Anwohner über geänderte Linien oder Haltestellen im Vorfeld zu informieren, so Stefan Betzinger weiter.

Bliebe es bei den kleinen Midi-Bussen, könnte Uwe Richter mit der Haltestelle im Birkenweg leben. Auch wenn laut Fahrplan nun sogar halbstündlich sowie samstags und sonn- und feiertags gefahren werde.

Er fragt sich allerdings, warum die Anwohner nicht vorab doch auch von der Stadt informiert worden sind – schließlich sei die Sensibilität der Causa Birkenweg im Rathaus ja sicherlich noch bekannt.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen