Am Auschwitz-Gedenktag wird die Gesamtschule Fröndenberg „Schule ohne Rassismus“

dzGSF

Am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erhielt die Gesamtschule Fröndenberg das Siegel „Schule ohne Rassismus“. In der Aula der GSF wurde es am Montag einmal mucksmäuschenstill.

Fröndenberg

, 27.01.2020, 16:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ darf sich die Gesamtschule Fröndenberg seit Neuestem schmücken. Schülersprecher Fatih Asil beschrieb bei der Feierstunde, wozu sich von den Schülern bis zum Hausmeister nun alle Menschen an der GSF verpflichtet haben.

Am Auschwitz-Gedenktag wird die Gesamtschule Fröndenberg „Schule ohne Rassismus“

Fatih Asil, Schülersprecher an der GSF. © privat

»Wir haben dafür gesorgt und bewiesen, dass hier kein Platz für Diskriminierungen ist.«
Fatih Asil, Schülersprecher der GSF

Der Tag, an dem die Schülervertretung das Siegel in Empfang nehmen konnte, hätte symbolträchtiger nicht sein können: Am 27. Januar 2020 gedenkt die Welt der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor genau 75 Jahren sowie Millionen Ermordeter.

Aber auch die Zeiten sind wohl danach: Wo Überfälle auf Synagogen, das Schimpfwort „Jude“ und fremdenfeindliche Tiraden sogar von demokratisch gewählten Politikern bald an der Tagesordnung sind, setzt die Gesamtschule Fröndenberg ein deutliches Zeichen gegen jede Form von Rassismus.

Diskriminierung kann auch unbewusst erfolgen

Man sei nun quasi eine Selbstverpflichtung eingegangen, nicht zuletzt den alltäglichen und daher vielleicht unbewussten Diskriminierungen an der Schule entgegenzutreten und zu einem zentralen Thema an der Schule zu machen.

Fristen und Formalitäten musste die GSF einhalten, um das begehrte Emblem zu erhalten. Mehrere Anläufe hat es daher sogar gedauert, bis der Trägerverein Aktion Courage in Berlin auch dem Projekt in Fröndenberg grünes Licht gab.

Am Auschwitz-Gedenktag wird die Gesamtschule Fröndenberg „Schule ohne Rassismus“

Paul-Philipp Besong, mittlerweile Profifußballer beim 1. FC Nürnberg, schickte als Ehemaliger der Gesamtschule Fröndenberg und Pate des Anti-Rassimus-Projektes eine Video-Grußbotschaft aus Marbella. © Archiv

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Zur Sache

Eine Antwort auf Mölln und Hoyerswerda

  • Das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wird vom Verein Aktion Courage mit Sitz in Berlin verliehen.
  • Aktion Courage wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus, der sich in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock Bahn brach, gegründet. Aktion Courage ist seit 2001 bundesweit anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
  • Zweck des gemeinnützigen Vereins ist die Förderung der Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Angehörigen verschiedener Nationen in Deutschland und in Europa, die Beseitigung von Fluchtursachen, die Überwindung von Intoleranz und Hass und die Lösung sozialer Konflikte durch friedenspolitische Bildungsarbeit.
  • „Die GSF wird nun Teil eines bundesweiten Netzwerks“, beglückwünschte Landrat Michael Makiolla bei der Feierstunde in der Aula daher die Schule zu ihrer Auszeichnung.

Mit dem Erhalt des Siegels steht nun aber eines mindestens fest: Die strengen Aufnahmekriterien verbürgen gerade auch die Ernsthaftigkeit und Güte der Aktivitäten an der Fröndenberger Gesamtschule.

„Es ist unser großes Anliegen, dass es an der Schule gelebt wird“, sagt Fatih Asil, der als Schülersprecher eine der treibenden Kräfte hinter diesem Dauerprojekt war. Mehr als 70 Prozent aller Schüler und Mitarbeiter an der GSF haben sich mit ihrer Unterschrift zu diesem Ziel bekannt.

Entscheidend: Ein Bewusstsein für Rassismus schaffen

Entscheidend daher bei allem Engagement: Selbst die Fünftklässler müssen dafür sensibilisiert werden, was unbedacht Dahergesagtes bewirken kann und wie es ihr eigens Denken und das ihrer Mitschüler künftig vielleicht einmal prägen kann.

„Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, das solche Dinge auftreten können“, sagt daher auch sehr treffend Jana Prünte, die ebenfalls dem extra gebildeten Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus“ angehört.

Diesen Faden nahm später in seiner Rede auch Schulleiter Klaus de Vries auf. Aus frühem Schubladendenken entstünden schlimmstenfalls hassende Ideologien. Was dabei am meisten Sorge bereitet: Stereotype und Vorurteile, das hätten Studien ergeben, machen sich vor allem dadurch breit, weil sie schon in der Schule von Gleichaltrigen übernommen werden.

„Deswegen ist es so wichtig, dass wir an unserer Schule aktiv dagegen vorgehen“, schlussfolgerte Klaus de Vries. Alltagsrassismus muss sich dabei gar nicht offen äußern; dass Kinder mit Migrationshintergrund auch heute immer noch geringere Chancen haben, das Abitur zu erreichen, ist womöglich eine verdeckte Form.

Am Auschwitz-Gedenktag wird die Gesamtschule Fröndenberg „Schule ohne Rassismus“

Auch Elena Horn, hier bei einem Filmdreh für Arte, stellte sich als Absolventin der Gesamtschule Fröndenberg als Patin zur Verfügung. © fabian riediger

Am Auschwitz-Gedenktag wird die Gesamtschule Fröndenberg „Schule ohne Rassismus“

Klaus de Vries, Schulleiter der Gesamtschule Fröndenberg © Borys sarad

»Damit die rechtsextreme Minderheit nicht stärker wird, darf die Mehrheit nicht schweigen.«
Klaus de Vries, Schulleiter der GSF

Paul-Philipp Besong, dunkelhäutiger Fußballprofi beim 1. FC Nürnberg und ehemaliger Schüler der GSF, bestätigte in einer Video-Grußbotschaft aus Marbella, dass er solch versteckte Diskriminierung selbst erlebt habe.

Neben ihm konnte man auch die GSF-Ehemaligen Sophie Domres, Studentin für Internationale Politik in Berlin, und Elena Horn, Regisseurin beim TV-Sender Arte, als Paten des Projekts gewinnen.

Als Elena Horn einen Ausschnitt ihres Films präsentierte, in dem sie die Opferperspektive einnimmt und Kinder aus Syrien als Interviewer einsetzt, wurde es in der Aula mucksmäuschenstill.

Für Klaus de Vries ist nicht weniger wichtig, die Täterperspektive einzunehmen, um das Aufkeimen von Rassismus zu begreifen. „Wie konnten liebevolle Mütter und Väter zu Tätern werden“, fragte der Schulleiter rhetorisch.

Dass jedenfalls an der GSF kein Platz für Diskriminierung ist, habe man durch den Erhalt des Siegels nun bewiesen, meinte Fatih Asil stolz. „Es ist an uns, dass dies auch so bleibt.“

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