„Schlimmer geht es nicht“: Massenweise Altöl in Fröndenberger Landschaftsschutzgebiet

dzUmweltstraftat

Das hat auch die Umweltbehörde noch nicht oft erlebt: Unbekannte haben offenbar in einer Nacht-und-Nebel-Aktion massenhaft Altölkanister im Fröndenberger Ostholzbachtal entsorgt. Betroffen war auch die Ruhr.

Fröndenberg, Ardey

, 24.10.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am frühen Donnerstagmorgen waren die Umwelt- und Ordnungsbehörden in Fröndenberg alarmiert: Im Ostholzbachtal stapelten sich mit Altöl gefüllte Kanister direkt über dem Bachlauf.

»Schlimmer geht es nicht.«
Randolf, Gill, Untere Wasserbehörde beim Kreis Unna

Viel schlimmer: Einige schlecht verschlossene Behälter waren bereits auf das Erdreich ausgelaufen, ein Kanister lag im unmittelbar vorbeifließenden Ostholzbach.

Die massive Umweltsünde hatte ein Passant im Fröndenberger Rathaus gemeldet. Dort veranlassten Mitarbeiter sofort die ersten Maßnahmen, um ein weiteres Auslaufen des Öls und das Eindringen in den Boden und vor allem in den Bach zu verhindern.

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„Schlimmer geht es nicht“: Massenweise Altöl in Fröndenberger Landschaftsschutzgebiet

Feuerwehr und Behörden hatten die Kanister zunächst provisorisch in Wannen abgelegt, bevor die Entsorgungsfirma Lobbe sie abtransportierte. Der Vorfall im Fröndenberger Ostholzbachtal wird als Umweltstraftat eingeordnet. © Kreis Unna

Nicht weniger als 53 Kanister mit einer Gesamtmenge von rund 300 Litern Altöl, dazu ein Dutzend Altreifen müssen offenbar in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag an der von der Ardeyer Straße aus nicht einsehbaren Stelle abgelagert worden sein.

Zur Sache

Umweltstraftat und Haftung

  • Die Verunreinigung von Gewässern stuft der Gesetzgeber, über eine Ordnungswidrigkeit hinaus, auch als Umweltstraftat ein.
  • Das Starfgesetzbuch sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor; bei Fahrlässigkeit immerhin noch bis zu drei Jahre Haft.
  • Für die Kosten, die für die Entsorgung anfallen, muss der Verursacher des Schadens ebenfalls haften.
  • Sollte er nicht ermittelt werden, bleibt in diesem Fall die Stadt Fröndenberg auf den Kosten sitzen. Das Ostholzbachtal ist städtischer Grund.
„Schlimmer geht es nicht“: Massenweise Altöl in Fröndenberger Landschaftsschutzgebiet

Nachdem die Fröndenberger Feuerwehr bereits am Morgen das mit Altöl getränkte Erdreich abgestreut hatte, machte sich die Entsorgungsfirma Lobbe mittags daran, das Erdreich auszukoffern. © Marcus Land

Randolf Gill von der Unteren Wasserschutzbehörde stand noch am Mittag vor Ort die Bestürzung ins Gesicht geschrieben. Der Ostholzbach mündet in die Ruhr, führt an der Wasserschutzzone 1 vorbei. „Schlimmer geht es nicht“, so Gill.

Um die besonders für die Trinkwassergewinnung schädlichen Einflüsse so gering wie möglich zu halten, streute die Fröndenberger Feuerwehr das mit Öl getränkte Erdreich ab und setzte im Ostholzbach drei sowie in der Ruhr, unmittelbar vor dem Wasserwerk Halingen, eine weitere Ölsperre auf dem Wasser.

Noch am Mittag war der Entsorger Lobbe damit beschäftigt, die Kanister und Altreifen zu bergen sowie verunreinigtes Erdreich und auch Teile des Bachgrundes auszukoffern.

Für Randolf Gill steht fest, dass hier über eine Ordnungswidrigkeit hinaus auch eine Umweltstraftat nach dem Strafgesetzbuch vorliegt. Daher wird auch die Kriminalpolizei eingeschaltet.

„Schlimmer geht es nicht“: Massenweise Altöl in Fröndenberger Landschaftsschutzgebiet

Selbst Teile des Grundes im Ostholzbach musste die Entsorgungsfirma sicherheitshalber auskoffern. Einer der illegal entsorgten Ölkanister war auch im Wasser gelandet. © Marcus Land

Der Verursacher muss neben einem Strafverfahren mit erheblichen Kosten für seinen Umweltfrevel rechnen. Die Tat zeuge „von einer erheblichen kriminellen Energie“ war vor Ort zu vernehmen.

Das Bußgeld der Wasserbehörde, schätzt Randolf Gill, dürfte „deutlich im 1000er-Bereich“ liegen; hinzu kommt die Rechnung der Entsorgungsfirma, die im satten fünfstelligen Bereich liegen dürfte.

Ermittlungsansätze soll es einige geben. So müssen Betriebe, die Altöl annehmen, einen Entsorgungsnachweis führen. Randolf Gill schüttelt über den Umweltsünder den Kopf: „Über die Folgen, die er damit anrichtet, sollte sich der Verursacher einmal Gedanken machen.“

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