Alter Bahnhof Frömern: Hier trifft Kreativität auf Denkmalschutz

dzGold- und Törtchenschmiede

Kreativität und Geschichtsbewusstsein, Traditionspflege und moderne Akzente – im Bahnhof Frömern verwirklichen sich gerade vier verschiedene Firmen, die aber alle Gemeinsamkeiten haben.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 25.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eins passt zum anderen, eins greift ins andere: Mittlerweile sind es vier Nutzer, die das Baudenkmal Alter Bahnhof Frömern nutzen – und alle haben Gemeinsamkeiten. Das Goldschmiedeatelier Juvenile ist spezialisiert unter anderem auf Eheringe, die Löwenherz-Fotografie von Lisa Mergelmeier macht unter anderem Hochzeitsfotos, die „Törtchenschmiede“ im alten Stellwerk backt auch Hochzeitstorten und das Keksatelier zaubert auch mal Fantasievolles fürs Hochzeitsbuffet.

Jetzt lesen

„Wir verstehen uns untereinander, haben uns gesucht und gefunden und harmonieren mit unseren Auffassungen von Qualität in unserer Arbeit“, sagt „Bahnhofsvorsteher“ Tobias Becker.

Mit seiner Frau, der inzwischen international bekannten Goldschmiedemeisterin Katrin Becker und seinen drei Kindern lebt Becker seit zehn Jahren im Bahnhofsgebäude. 2009 hat das Paar, das selbst aus Frömern stammt, das Denkmal gekauft und baut seitdem daran. Der alte Wartesaal ist jetzt das Wohnzimmer, von der Decke hängt eine Schaukel. Die Küche hat sozusagen Gleisanschluss – sie ist in der ehemaligen Fahrkartenausgabe.

Alter Bahnhof Frömern: Hier trifft Kreativität auf Denkmalschutz

Das Wohnzimmer im Wartesaal – große und kleine Bewohner des Hauses haben sich im Baudenkmal eingerichtet. © Martin Krehl

Das Thema Hochzeit zieht sich sehr erkennbar durch den gewerblich genutzten Teil des alten Bahnhofs – an dem übrigens immer noch halbstündig Züge halten. Aber der Bahnhof und seine Nutzer bieten noch viel, viel mehr. Beispiel: Das Café und das Fotoatelier sind mit Möbeln und Wohnaccessoires bestückt, die man kaufen kann. Die „Törtchenschmiede“ bietet sonntags Brunch und wundervolle Kuchen in reizvollem Ambiente.

Goldschmiedemeisterin Katrin Becker und ihr Mitarbeiter Alexander Grawer entwerfen und realisieren im ehemaligen Güterschuppen wundervolle Kunstwerke mit hohem Anspruch, denen man ansieht, dass es Spaß gemacht hat, sie zu fertigen.

Jetzt lesen

Auf das Keksatelier von Maria Sikon ist Tobias Becker selbst gespannt – das ist die neueste Geschäftsidee, die im Bahnhof Unterschlupf gefunden hat. In den Räumen der „Törtchenschmiede“ sollen ausgefallene Backkreationen wunderschön verziert werden – und zwar von denen, die sie anschließend vernaschen. Ihnen wird die Keksherstellung in Kursform nahegebracht.

Alter Bahnhof Frömern: Hier trifft Kreativität auf Denkmalschutz

Ein Ort der Kunst und der Kreativität - die Goldschmiede arbeiten in einem lichtdurchfluteten Atelier, in dem auch die Show-Räume und gemütliche Beratungsecken sind. © Martin Krehl

Kurse gibt es auch bei „Juvenile“, ein Paar kann seine Eheringe gestalten. „In Ausnahmefällen konnte auch im Atelier standesamtlich geheiratet werden“, erzählt Tobias Becker.

Mit dem Denkmalschutz haben die Beckers als Bauherren gute Erfahrungen gemacht. Das hat einen triftigen Grund: „Wir wollten ja außen das Gebäudeensemble optisch so herrichten wie es beim Bau 1898 auch gedacht war“, erklärt Tobias Becker. Also Holzfenster und Schieferverkleidung, Eichenholztore am Schuppen, restaurierte Vordächer, keinerlei Farb- und Bauexperimente – einzig ein stilgerechter Zaun grenzt Beckers Privatbesitz von der Bahnsteigkante ab. Nur die gehört noch der Bahn.

Alter Bahnhof Frömern: Hier trifft Kreativität auf Denkmalschutz

Der Denkmalschutz ist zufrieden - schließlich sieht der Bahnhof von außen so aus wie zur Einweihung 1898. © Tobias Becker

Jetzt lesen

Für das Innere des Bahnhofs gab es wenig denkmalschützerische Vorgaben, trotzdem wurde viel bewahrt: Das eichene Original-Treppenhaus wurde von unzählbaren Farb- und Lackschichten befreit, und die zum Teil freigelegte Kellerdecke gibt den Blick auf den Kiesbeton frei. Abflussrohre und Zuleitungen wurden mit Goldfarbe überstrichen und setzen tolle Akzente im Gewölbe.

Das Stellwerk – es gab schließlich früher mal drei Gleise am Bahnhof, der ein beliebter Güterumschlagsplatz für die Landwirtschaft war – ist jetzt das Café von Konditormeisterin Anna-Lena Schulz.

Laufkundschaft hat der alte Bahnhof wenig, wer kommt, weiß was ihn erwartet: Gastfreundschaft und Gemütlichkeit in historischem Ambiente.

Infos finden interessierte unter www.alter-bahnhof-froemern.de.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Einzelhandel in Fröndenberg
Letzter Tag bei Rafalcik am Markt: Schließung ist zum Stadtgespräch geworden
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus rückt näher an den Kreis Unna: „Wird uns schneller ereilen, als uns lieb ist“
Hellweger Anzeiger Marktplatz Fröndenberg
Kritik an Sitzmöbel-Auswahl der Stadt: „Warum ausgerechnet Tropenholz?“
Hellweger Anzeiger Innovatives Fröndenberg
Die Seifenschwestern aus Fröndenberg: Handgemachte Seifen mit Bier oder Filz
Meistgelesen