Alte Medikamente in den Abfall: Der unbekannte sichere Weg

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Um alte Medikamente zu entsorgen, gibt es in Fröndenberg viele Wege, die nicht bekannt sind. Jetzt gibt es einen Vorschlag, wie es noch einfacher gehen soll. Denn der kurze Weg ins Klo ist riskant.

Fröndenberg

, 25.11.2019, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alte Medikamente sammeln sich oft über Jahre in der Hausapotheke. Wer sich keinen anderen Rat weiß, entsorgt Pillen, Pasten und Säfte auf dem kürzesten Weg – und der birgt oft Risiken fürs Trinkwasser.

Bei der GWA fallen offiziell auch alte Arzneimittel unter die Schadstoffe, die an der Annahmestelle in Ostbüren abgegeben werden können. Schadstoffe, das sind übrigens auch Chemikalien, Quecksilber oder Bremsflüssigkeit – Stoffe, die nicht regelmäßig im Haushalt anfallen.

Frauen-Union fordert zentrale Medikamenten-Annahmestellen

Muss man dennoch auch für Medikamente den für viele Fröndenberger eher abseitigen GWA-Standort an der Ostbürener Straße an der Stadtgrenze zu Unna anfahren? Die Frauen-Union findet nein und verlangt daher zentralere Abgabestellen im Stadtgebiet, dies fordert sie in einem Bürgerantrag.

Dabei ist es grundsätzlich viel einfacher, Pillen und Hustensäfte oder Säuren und Spritzen richtig zu entsorgen.

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Zur Sache

Richtige Entsorgung flüssiger Medikamente

  • Apothekerin Anne-Katrin Burmester empfiehlt ihren Kunden, auch bei Medikamenten die Mülltrennung zu beherzigen.
  • So könne „ausgeblistert“ werden, also abgelaufene Tabletten aus dem Blister (Sichtverpackung) in den Restmüll gedrückt werden. Der Plastikblister landet dann im Wertstoffmüll, die Umverpackung im Papiermüll.
  • Reste von Arzneisäften gehören ebenfalls nicht in die Toilette. Burmester empfiehlt, die Flüssigkeit in Katzenstreu oder andere aufsaugfähige Materialien zu schütten und dann in den Restmüll zu werfen.
  • Geringe Reste Flüssigkeit können sogar mit in den Altglascontainer geworfen werden. „Beim Einschmelzen des Glases verdampft alles“, weiß Kai-Uwe Schneider von der GWA.

Das sagt der Abfallberater:

Die Schadstoffannahmestelle am Kompostwerk in Ostbüren nimmt zwar Medikamente zur Entsorgung an. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sämtliche Alt-Arzneien auch dort abgegeben werden müssen.

»Das dient auch dem eigenen Gewissen.«
Kai-Uwe Schneider, GWA-Abfallberater

„Grundsätzlich können die auch über die Restmülltonne entsorgt werden“, sagt Kai-Uwe Schneider von der GWA. Denn Restmüll wird heutzutage verbrannt. Das ist besonders in Fröndenberg eine Erleichterung, weil in der Stadt kein Umweltbrummi fährt, also ein Schadstoffmobil, wie in größeren Städten des Kreises.

Schneider gibt einige sehr wichtige Tipps: Reste von Medikamenten sollten in blickdichte Beutel verpackt und in den Restmüll gegeben werden. „Das dient auch dem eigenen Gewissen“, so Schneider. Denn es gibt nicht nur die „Mülltaucher“ nach Pfandflaschen, auch in der Hausmülltonne vermutet mancher noch Verwertbares – und bei alten Kopfschmerztabletten kann es im Zweifel gefährlich werden.

Alte Medikamente in den Abfall: Der unbekannte sichere Weg

Gebrauchte Spritzen und Kanülen sollten tunlichst nur in einer stichfesten Verpackung im Restmüll entsorgt werden. © Privat

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Das sagt die Apothekerin:

Früher haben Apotheken abgelaufene Arzneien meistens zurückgenommen. „Heute machen wir das nur noch als Serviceleistung“, sagt Apothekerin Anne-Katrin Burmester aus Langschede , die ihren Kunden daher auch grundsätzlich die Restmülltonne empfiehlt.

»Wenn man nicht weiß, wie man es entsorgt, immer zur Apotheke kommen.«
Apothekerin Anne-Kartin Burmester

Burmester verweist auf Ausnahmen. Wer Säuren, zum Beispiel, Essig-, Salz- oder Salpetersäure in seinem Haushalt findet und entsorgen will, sollte dies in jedem Fall an der Schadstoffannahmestelle tun. „In der Flasche lassen“, warnt Burmester vor Umfüllaktionen.

Alte Spritzen mit Kanülen sollten unbedingt in stichfeste Plastik- oder Metallgefäße verpackt und erst dann in die Restmülltonne gegeben werden.

„Wenn man nicht weiß, wie man es entsorgt, immer zur Apotheke kommen“, rät Anne-Katrin Burmester.

Info

Annahme von Schadstoffen ist kostenfrei

  • Die Schadstoffannahmestelle am Kompostwerk, Ostbürener Straße, ist montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
  • Die Abgabe von Schadstoffen ist kostenlos. Ausnahme ist die Abgabe von Altöl/Motorenöl, hierfür werden pro Liter 75 Cent erhoben.
  • Dies hat den Hintergrund, dass die Verkaufsstellen grundsätzlich zur Rücknahme verpflichtet sind; fehlt Kunden aber der Kaufbeleg, können sie das Öl bei der GWA gegen diese Gebühr entsorgen.
  • Welche Schadstoffe im Einzelnen bei der GWA direkt entsorgt werden können, findet sich auf www.gwa-online.de.

Das sagt der Wasserwerker:

Medikamente können vor allem für unser Trinkwasser sehr belastend sein. Auch wenn Michael Freitag sagt: „Das haben wir mittlerweile weitgehend im Griff.“

Das Wasserwerk Fröndenberg/Menden ist mit einem Aktivkohlefilter ausgestattet, der bis zu 80 Prozent, teilweise auch mehr, der Medikamentenreste im Abwasser herausfiltert, erläutert der Vertriebsleiter der Stadtwerke Fröndenberg.

»Das haben wir mittlerweile weitgehend im Griff.«
Michael Freitag, Vertriebsleiter Stadtwerke

Röntgenkontrastmittel oder der Rheuma- und Arthrose-Wirkstoff Diclofenac würden durchaus häufiger aufgespürt, allerdings vor allem deswegen, weil das Wasserwerk auch extrem feine Konzentrationen im Wasser messen kann.

Michael Freitag legt für die Qualität des Fröndenberger Trinkwassers seine Hand ins Feuer: Man müsse 75 Jahre lang jeden Tag zwei Liter Leitungswasser trinken um erst den Wirkstoff von zwei 400 Milligramm Tabletten Ibuprofen aufgenommen zu haben.

Dennoch dürften Medikamente keinesfalls über Waschbecken oder Toilette entsorgt werden. Was ein Mix aus Schmerzmitteln und Hormonen im Einzelfall bewirken können, sei nicht abzuschätzen.

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