Als in Ostbüren Schwein und Metzger durch die Straßen wetzten

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Heute vor 50 Jahren fand das erste und einzige Schweinerennen in Fröndenberg statt. Schwein und Metzger rannten in Ostbüren die Straße hinauf. Grund dafür war eine Wette.

Fröndenberg

, 21.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manchmal sind es kuriose Wetten, die im Gedächtnis bleiben. So wie die zwischen Metzgermeister Wilhelm Winkelkötter und Bauunternehmer Johann Peters in Ostbüren. Ihre Wette dreht sich um ein Schwein, der Wetteinsatz sind 100 Liter Bier. Ostbürens Ortsheimatpfleger Gerd Höneise hat die Geschichte verwahrt, die sich am 21. Mai 1970 in Ostbüren ereignete.

Im Jahr 1970 sind Schweinerennen im Norden Deutschlands nichts Ungewöhnliches. Das Renngelände wurde abgesteckt, die Startboxen geöffnet und die Sau rannte los. In Westfalen war das schweinische Vergnügen hingegen weit weniger verbreitet.

Fünfhundert Meter den Berg hinauf

Das erste und soweit bekannt auch einzige Schweinerennen in Fröndenberg wurde durch den Bauunternehmer Johann Peters ins Leben gerufen. Der aus Schleswig-Holstein hinzugezogene war Mitglied im sogenannten „Schweineclub“. Der hatte weniger mit den rosanen Tierchen zu tun, als vielmehr mit Sparschweinen. Bekannt war er jedoch vor allem wegen seiner Wetten, die ein ums andere Mal zum Stadtgespräch wurden.

Wilhelm Winkelkötter in seiner Metzgerkluft war ein Ostbürener Urgestein. Er sorgte auf Partys bei gefräßiger Stille für gute Laune und Lacher.

Wilhelm Winkelkötter in seiner Metzgerkluft war ein Ostbürener Urgestein. Er sorgte auf Partys bei gefräßiger Stille für gute Laune und Lacher. © Privat

So kam es zu einer Wette zwischen Johann Peters und Metzgermeister Wilhelm Winkelkötter. 100 Liter Bier sollten fließen, wenn Schwein Oskar die Strecke von der Metzgerei in der Wilhelmstraße über die Burgstraße bis hoch zur Ostbürener Heide in unter zwei Minuten laufen sollte. Eine Strecke von rund fünfhundert Metern den Berg hinauf.

Mit Futtereimer trainiert

Also machte sich Wilhelm Winkelkötter ans Training. Schwein Oskar bekam fortan kein Futter mehr aus dem Trog, sondern nur noch aus dem Futtereimer. Gelockt mit dem Futterruf „foit, foit, foit“.

Die Metzgerei von Wilhelm Winkelkötter in der Wilhelmstraße. Hier startete das legendäre Schweinrennen.

Die Metzgerei von Wilhelm Winkelkötter in der Wilhelmstraße. Hier startete das legendäre Schweinrennen. © Privat

Am Tag der Wette versammelte sich Ostbüren auf der Straße. Selbst einige Gäste von außerhalb waren gekommen, um sich das Spektakel anzusehen, so auch Mitglieder der Eselsgemeinschaft aus Unna, die Überlegungen führten, ein Schweinerennen auf der Bahnhofsstraße abzuhalten.

Verschnaufpause auf halber Strecke

Den Eimer in der Hand und das Schwein dicht auf den Fersen lief Winkelkötter die abgesprochene Strecke. Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Burgstraße ging es im Schweinsgalopp die Straße hinab zum verabredeten Ziel. Winkelkötter gewann die Wette, schaffte es samt Schwein Oskar in unter zwei Minuten über die Ziellinie. Sein Erfolgsgeheimnis: Oskar hatte am Renntag noch kein Futter bekommen.

Nach vollendeter Wette ging es für die Anwesenden dann in die Gaststätte Höhling, wo die verwetteten hundert Liter Bier samt Schweineschnitzeln in gemütlicher Runde verzehrt wurden.

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