„Aerosole fliegen“: Gesangverein nützen Corona-Lockerungen nicht

dzRisikogruppe

Mundschutz tragen, Abstände einhalten - und schon kann der Nach-Corona-Betrieb wieder beginnen? Gesangvereinen bringen die Lockerungen praktisch nichts. Der MGV Frömern steht beispielhaft für ein Problem.

Fröndenberg, Frömern

, 14.06.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theoretisch könnten auch Chöre und Gesangvereine wieder proben und auftreten. Praktisch ist das in vielen Fällen unmöglich. Trotz der Lockerungen nach Wochen der Virus-Pandemie. „Es geht an die Substanz“, sagt Dieter Senker vom MGV Frömern 1921.

Senker ist Geschäftsführer des traditionsreichen Männergesangvereins, der im nächsten Jahr so gern sein 100-jähriges Bestehen feiern möchte. „Bis zum nächsten Jahr werden wir es auch überleben“, sagt Dieter Senker vielsagend.

»Nach Corona wird es ein ,Weiter so‘ nicht geben.«
MGV-Geschäftsführer Dieter Senker

Denn neben dem harten Einschnitt durch die Corona-Krise hat der reine Männerchor noch andere Sorgen, die durch die Zwangspause nur vorübergehend in den Hintergrund getreten sind.

Dieter Senker empfängt im Sängerheim, der alten Schule in Frömern, die der MGV 1998 von der Stadt Fröndenberg gepachtet und dann für seine Zwecke umgebaut und renoviert hat.

Der Schriftführer führt in den rustikalen Saal, vielleicht 100 Quadratmeter groß, wo die Sänger bis Februar regelmäßig probten. Selbst bei einem Abstand von zwei Metern zwischen den einzelnen Personen ist daran noch nicht wieder zu denken.

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Ein Foto aus besseren Zeiten: Die Ostermann-Chöre MGV Heiderose, MGV Frömern und MGV Harmonie singen gemeinsam beim SoSo-Konzert.

Ein Foto aus besseren Zeiten: Die Ostermann-Chöre MGV Heiderose, MGV Frömern und MGV Harmonie singen gemeinsam beim SoSo-Konzert. © Udo Hennes (Archiv)

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„Die Aerosole fliegen“, gibt Dieter Senker zu bedenken. Den Coronavirus, der sich durch Tröpfcheninfektion verbreitet, möchten sich die Frömerner aber nun wirklich nicht einhandeln. „Die meisten Sänger sind in der gefährdeten Altersgruppe“, weiß Senker. Rund 20 Aktive sind es überhaupt gerade noch.

Dirigent Matthias Ostermann könnte aber auch selbst eine Gruppe, die im Freien auf Risikoabstand steht, nicht sinnvoll Lieder einstudieren lassen. Die Regeln, unter denen wieder geprobt werden dürfte, seien nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand einzuhalten. Dieter Senker: „Das ist praktisch ausgeschlossen.“

So wie es auch der Sängerfrühschoppen zu Himmelfahrt, Höhepunkt der Saison, war. Der Geschäftsführer bangt aber nicht nur wegen dieser fehlenden Einnahmen und der laufenden Kosten wie Beiträgen an die Chorverbände oder Miete um den MGV Frömern.

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Info

Fragestunde rund um Computer, Handy und Internet

  • Die schon lange dauernde Zwangspause will der MGV Frömern mit einer Fragestunde überbrücken. Dieter Senker: „Damit wir nicht den Kontakt verlieren.“
  • Rund um die Themen Computer, Handy und Internet können alle Mitglieder, nicht nur die aktiven Sänger, am Freitag, 19. Juni, ab 19 Uhr im Vereinsheim Fragen stellen.
  • Die Corona-Schutzverordnung wird beachtet: Es muss also ein Mundschutz getragen, außerdem Abstände eingehalten werden.
  • Bei ausreichendem Interesse soll die Fragestunde wiederholt werden.

Auch der Nachwuchs fehlt – was allerdings auch ein hausgemachtes Problem sei. Vor Jahren gab es bereits einen Vorstoß, sich auch für jüngere Sänger zu öffnen, was aber vereinsintern abgewehrt wurde, räumt Dieter Senker selbstkritisch ein.

Für ihn sei daher klar, dass man nicht nur auf die Rückkehr der völligen Normalität nach Corona hoffen dürfe. Ist die Pandemie überstanden, müssten auch aktiv junge Leute und Frauen für den MGV geworben werden.

„Nach Corona wird es ein ,Weiter so‘ nicht geben“, zeigt sich Dieter Senker überzeugt. Schließlich will man 2021 ein Jubiläum mit guter Perspektive feiern.

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Auch die Musiker wissen sich in Corona-Zeiten zu helfen. Zum Beispiel in Kamen-Methler bei einem Nachbarschaftskonzert. Und das Schmallenbach-Haus in Fröndenberg bekommt Hilfe.

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