Ärger beim Bürgerbusverein: 600 Kilometer Anfahrt zur neuen Garage pro Jahr

dzBürgerbus

Der Rettungsdienst kickt den Bürgerbus vom Harthaer Platz: Weil bald zwei Einsatzfahrzeuge in der Stadtmitte stationiert werden, muss der Verein umziehen. Ein Alternativangebot der Stadt sorgt nun für Ärger.

Fröndenberg

, 13.02.2020, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über diese Notwendigkeit besteht kein Streit: Sobald am Harthaer Platz das zweite Einsatzfahrzeug des Rettungsdienstes stationiert wird, ist in der Doppelgarage nicht mehr genug Raum für den Bürgerbus. Der Verein ist allerdings nicht einverstanden mit einem Vorschlag der Stadt für seinen künftigen Standort.

»Nach eingehender Überprüfung durch den Verein ist dieser Standort überhaupt nicht geeignet.«
Jochen Oberschelp, Vorsitzender Bürgerbusverein

Voraussichtlich bis zum Sommer muss der Bürgerbusverein das Feld am Harthaer Platz geräumt haben, wenn laut Rettungsdienstbedarfsplan das künftig benötigte zweite Einsatzfahrzeug am Standort Mitte beschafft ist.

Die Stadt überlässt dem Verein für seinen Bürgerbus seit Jahren unentgeltlich einen Garagenplatz an der Feuer- und Rettungswache. Damit sichergestellt ist, dass die Fahrer ohne lange Parkplatzsuche morgens stets pünktlich den Betrieb aufnehmen können, steht mittlerweile auch ein Stellplatz für einen Privat-Pkw auf dem Harthaer Platz zur Verfügung.

Baupläne für die Feuerwehr sehen keine Garage für Bürgerbus vor

In den Bauplänen für den Harthaer Platz, wo neue Gebäude und Garagen für die Feuerwehr entstehen werden, ist allerdings auch künftig kein Platz für den Bürgerbus vorgesehen. Nun beginnen die Probleme.

Die Stadtverwaltung hatte dem Verein die nicht mehr genutzte Garage der Ardeyer Löschgruppe als Ersatz angeboten. Der Standort sei jedoch „überhaupt nicht geeignet“, teilt Vorsitzender Jochen Oberschelp mit.

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Ärger beim Bürgerbusverein: 600 Kilometer Anfahrt zur neuen Garage pro Jahr

Der Bürgerbus startet morgens an der Haltestelle Im Stift. Daher sucht der Bürgerbusverein eine neue Garage, die möglichst in der zentralen Innenstadt liegt. © privat

Zur Sache

Bürgerbus sucht neue Garage

  • Der Bürgerbus finanziert seinen Betrieb über den Verkauf der Fahrscheine und die Werbung auf dem Fahrzeug.
  • Vom Land erhält er jährlich eine Pauschale von 7500 Euro, von der nur Organisatorisches wie etwa Gesundheitstest für die Fahrer bezahlt werden dürfen.
  • Die Kosten für Reparaturen oder Steuerberatung muss der Verein selbst aufbringen.
  • Die Garage, die für den Bus benötigt wird, sollte beheizbar und abschließbar sein und die Abmessungen 8,5m x 3,5m x 3,5m (LxBxH) nicht unterschreiten.

Grund: Der Bürgerbus setzt täglich drei Fahrer hintereinander im Schichtbetrieb ein; künftig müssten der erste und der dritte Fahrer ihr Privatfahrzeug nach Dienstwechsel immer von einem mehrere Kilometer entfernten Stellplatz, in Ardey bzw. in der Stadtmitte, abholen.

Die ehrenamtlich tätigen Fahrer hätten dadurch täglich eine Stunde mehr Zeitaufwand, zumal die ÖPNV-Anbindung nach Ardey zu den fraglichen Zeiten nicht gut sei, schildert Jochen Oberschelp.

Außerdem müsse der Bürgerbus bei Dienstschluss um 17 Uhr künftig immer nach Ardey gefahren werden, wodurch aufs Jahr gerechnet 600 Kilometer mehr und zwei Tankfüllungen mehr anfielen.

Beigeordneter Heinz-Günter Freck halte trotz Schilderung dieser Probleme an seinem Vorschlag fest, ärgert sich der Vereinsvorstand. Man fühle sich nicht „las gleichberechtigte Verhandlungspartner auf Augenhöhe“ behandelt, so Jochen Oberschelp. Zumal die Überlassung der Garage in der Stadtmitte an den Bürgerbus seinerzeit „politisch gewollt“ gewesen sei.

Stadt sieht sich außerstande, eine Alternative anzubieten

„Fröndenberger fahren für Fröndenberger“ lautet das Motto des Bürgerbusvereins. Wie die Stadt mit diesem ehrenamtlichen Engagement in der Garagenfrage umgegangen sei, sei „nicht hinnehmbar“-

Dagegen macht Günter Freck geltend, dass die Stadt dem Bürgerbusverein „die schnellste verfügbare Lösung“ angeboten habe. Die Stadt habe derzeit gar keine Alternativen, baue selbst eine Garage für einen städtischen Lkw neu. „Das hat mit Bös- oder Unwilligkeit nichts zu tun“, so Freck.

»Das hat mit Bös- oder Unwilligkeit nichts zu tun.«
Heinz-Günter Freck, Beigeordneter Stadt Fröndenberg

Auf eben jenen Neubauplan hinter dem Rathaus II spielt nun ein Antrag des Bürgerbusvereins ab: Der Bau- und Verkehrsausschuss soll noch kurzfristig eine Erweiterung des Garagenbaus für den Bürgerbus beschließen – alternativ sollten die Baupläne für die Feuerwache Mitte künftig auch dem Bürgerbus Platz einräumen.

Weil man nicht wisse, wie die Politik sich zu diesen Anträgen positioniere, geht der Bürgerbusverein schon jetzt auf Suche nach einem alternativen Garagenstandort. Der müsse bestenfalls zwischen Harthaer Platz und der Tankstelle in Westick liegen. Man erhoffe sich Unterstützung der Öffentlichkeit.

Denn eine Garagenmiete zwischen 200 und 400 Euro monatlich könne sich der eigenwirtschaftlich fahrende Bürgerbus nicht leisten. „Das sprengt unsere Mittel“, so Jochen Oberschelp.

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