Abwassergebühr: Stadt schätzt Verbrauch – junge Familie ächzt unter hoher Rechnung

dzSchmutzwasser

Eine junge Familie aus Fröndenberg ist kürzlich in ihr Eigenheim gezogen. Jetzt fürchtet sie, für ihr Schmutzwasser 1000 Euro mehr als sie verbraucht vorstrecken zu müssen. Das Dilemma steckt in einer Satzung.

Fröndenberg

, 04.11.2019, 14:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit erheblichen Mehrausgaben für ihr Schmutzwasser muss eine junge Familie rechnen, die kürzlich innerhalb desselben Fröndenberger Ortsteils umgezogen ist. Die Familie fürchtet, in drei Jahren mehr als 1000 Euro zu viel gezahlt zu haben.

Das Problem kennen alle Häuslebauer. Wer in ein neu gebautes Eigenheim einzieht, muss wie üblich in jedem Quartal Vorauszahlungen auf seinen Wasserverbrauch leisten. Unterschied zu einer Mietwohnung: Der Verbrauch wird geschätzt, weil es keinen Vergleichswert aus den Vorjahren gibt.

»Das ist schon heftig, wenn man das Doppelte von dem zahlen soll, was man verbraucht.«
Familienvater aus Fröndenberg

Hier beginnt das Dilemma für eine Familie aus Fröndenberg, die anonym bleiben möchte, weil sie auch rechtlich gegen ihren Abwasserbescheid vorgehen will.

Abwassergebühren in Mietwohnung nur halb so hoch

In ihrer Mietwohnung hat die Familie in den letzten Jahren stets rund 260 Euro an Abwassergebühren bezahlen müssen. „Damit haben wir kalkulatorisch nun auch gerechnet“, sagt der Familienvater im Gespräch mit der Redaktion.

Doch die Familie irrte. Sie soll für das Schmutzwasser eine viel höhere Pauschale zahlen. Die Stadt setzt pro Person drei Kubikmeter Wasser im Monat an. Das junge Ehepaar hat zwei Kindergartenkinder, die Familie landet also bei zwölf Kubikmetern im Monat und 144 Kubikmetern im Jahr.

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Abwassergebühr: Stadt schätzt Verbrauch – junge Familie ächzt unter hoher Rechnung

Eine junge Familie aus Fröndenberg ärgert sich darüber, dass sie einen hohen Betrag für die Abwasserrechnung vorstrecken muss, obwohl sie beim Verbrauch sehr sparsam wirtschaftet. © picture alliance / dpa

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»Wir sind tatsächlich auch sehr sparsam beim Verbrauch.«
Eigenheimbauer aus Fröndenberg

In den vergangenen Jahren in ihrer Mietwohnung im selben Ortsteil hat die Familie, mit und ohne Kinder, allerdings nur 50 bis 60 Kubikmeter verbraucht. Den früheren Verbrauch hat sie der Stadt mit alten Rechnungen auch belegt.

Seine Frau habe es zunächst für plausibel gehalten, dass man in einem eigenen Haus automatisch mehr Wasser verbrauchen wird.

»Das führt bei den einen dazu, dass sie entlastet werden, bei den anderen, dass sie belastet werden.«
Peter Holterhöfer, Leiter Team Finanzen

Doch ihren Garten will die Familie mit Regenwasser bewässern. Es gebe auch einen geeichten Zähler, der das Wasser draußen separat erfassen wird.

„Wir sind tatsächlich auch sehr sparsam“, räumt der Fröndenberger ein. Man habe sparsame Wasserhähne installieren lassen und Geräte wie Spül- oder Waschmaschine mit der höchsten Energieeffizienzklasse angeschafft. „Ich dusche zum Beispiel nie zu Hause“, erzählt der Sport treibende Vater.

Allein wird der Familie ihr ökonomisches Vorgehen wohl nicht helfen.

Zur Sache

Schätzungen und Schwundmengen

  • Die Stadt Fröndenberg hat am 16. Dezember 2016 ihre noch gültige Satzung über die Erhebung von Abwassergebühren erlassen.
  • Die Schätzung des Wasserverbrauchs ist ausdrücklich in Paragraf 4 geregelt.
  • Demnach wird eine durchschnittliche Wassermenge von 3 m³ je Person bis zur Ermittlung der tatsächlichen Abwassermenge als Bemessungsgrundlage zugrunde gelegt, wenn der Wasserverbrauch des vorletzten Kalenderjahres nicht vollständig festgestellt werden kann.
  • Wasserschwundmengen fallen zum Beispiel für die Gartenbewässerung (Sprengwasser) oder für die Befüllung von Teichanlagen an. Werden sie nachgewiesen, können sie vom Wasserverbrauch abgezogen werden, weil sie nicht ins öffentliche Kanalnetz eingeleitet werden.
  • Der Nachweis ist über den Einbau eines auf eigene Kosten anzubringenden und geeichten Wasserzwischenzählers zu führen.
  • Die Abwassersatzung findet sich unter www.froendenberg.de -> Dienstleistungen -> Ortsrecht.

Die Stadt erhebt auf das Schmutzwasser 4,11 Euro pro Kubikmeter. Bei einem geschätzten Verbrauch von 144 Kubikmetern, „sollen wir 600 Euro zahlen, obwohl wir nur 250 Euro verbrauchen“, ärgert sich der 36-Jährige.

Der Mehrbetrag wird sich sogar erheblich steigern: Er soll drei Jahre veranschlagt werden, weil die abgelesenen Verbrauchswerte erst später spitzabgerechnet werden.

Die Familie kommt ins Schwitzen: „In den drei Jahren werden wir also wahrscheinlich über 1000 Euro zuviel gezahlt haben, für eine junge Familie, die sich einen hohen Kredit aufgebürdet hat, ist das kein Pappenstiel, auch wenn die Zinsen gerade historisch niedrig sind.“

Peter Holterhöfer kann nur auf die Abwassersatzung der Stadt Fröndenberg verweisen. Dort hat die Stadt einen ermittelten durchschnittlichen Verbrauchswert in Fröndenberg eingesetzt.

Pauschalsatz spart Kosten und verbilligt Abwassergebühr

„Das führt bei den einen dazu, dass sie entlastet werden, bei den anderen, dass sie belastet werden“, räumt der Leiter des Finanzteams im Rathaus ein. Man orientiere sich letztlich an einer Mustersatzung des Landes, die auch nichts anderes vorsehe.

Ein Pauschalsatz führe unter dem Strich zu günstigeren Verbrauchskosten für alle, weil nicht aufwendig alle Einzelfälle geprüft werden müssten.

Die frischgebackenen Eigenheimbesitzer tröstet die Auskunft nicht. „Familienfreundlich präsentiert sich die Stadt Fröndenberg jedenfalls nicht, auch wenn es wohl alle Gemeinden so machen“, finden sie.

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