Bei Reiseantritt, Urlaubsrückkehr oder vor Schulbeginn: In den kommenden Wochen gibt es zahlreiche Situationen, in denen Corona-Tests sinnvoll sein könnten. Aber ab wann zahlt den Test die Kasse?

Fröndenberg

, 19.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Fröndenbergerin Antje Lippert ist überzeugt davon, dass Tests während der Corona-Pandemie jede Menge zum Infektionsschutz beitragen können. Als in der Kindergartengruppe ihres Kindes rund die Hälfte der Kids mit Erkältung zuhause bleiben musste, wollte sie mit ihren Kindern einen Test machen. Dass zunächst gar nicht klar war, ob die Kasse zahlt, verdutzte Antje Lippert. Sie wünscht sich für NRW ein System wie in Bayern, das Menschen auch ohne Symptome kostenlose Tests ermöglicht.

Fröndenberger Arzt beantwortet die Kostenfrage

Marc Kaiser, Facharzt für Allgemeinmedizin in der Fröndenberger Praxis am Markt, ist ebenfalls der Meinung, dass man so viel testen sollte wie möglich. Dass bei seinen Patienten noch viel Aufklärungsbedarf zum Thema Corona-Tests besteht, stellt der Allgemeinmediziner tagtäglich fest.

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Es gebe drei Szenarien, in denen die Kosten über die gesetzlichen Krankenkassen abgegolten werden:

  • Auf jeden Fall werde getestet, wenn eine Person die typischen Symptome aufweist. Dabei seien die „typischen Symptome“ sehr weit gefasst. Sie können vom leichten Kratzen im Hals bis zu schweren Atemwegsbeschwerden reichen. Im Prinzip genüge ein kleiner Atemwegsinfekt, eben auch der Schnupfen beim Kind, damit der Test übernommen wird. Derzeit gebe es ausreichend Kapazitäten für Tests.
  • Auch wenn die Corona-Warn-App ein erhöhtes Risiko, sprich den Kontakt mit Infizierten anzeigt, ist der Corona-Test für Kassenpatienten kostenlos. In diesem Fall müssen keine Symptome vorliegen. Bisher habe sich noch niemand in der Praxis am Markt in Fröndenberg vorgestellt, der über die App gewarnt wurde.
  • Der dritte Fall, in dem auf den Patient keine Kosten zukommen, ist ein konkretes Ausbruchsgeschehen, wie etwa im Schmallenbach-Haus. Dann würden die Tests vom Gesundheitsamt angeordnet, manchmal mit Unterstützung von Allgemeinmedizinern durchgeführt und nach einer Sonderregelung abgerechnet.

Als Faustregel gelte: Die Krankenkassen zahlen bei kranken Menschen oder Menschen, die Krankheitssymptome zeigen; die Eindämmung des Ausbruchsgeschehens mit vorsorglichen Tests sei Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Inzwischen bietet das Land NRW allen Lehrern und Erziehern kostenlose 14-tägige Corona-Tests an.

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Privat Versicherte müssen ihren Test zunächst selbst zahlen und die Kosten anschließend bei ihrer Versicherung geltend machen. Wenn etwa der Arbeitgeber Tests für Urlaubsrückkehrer anordne, stünde auch zur Debatte, ob die Kosten von der Firma übernommen werden. Ähnlich verhalte es sich etwa bei Tests, die vor der Aufnahme in Seniorenheime oder Krankenhäuser angeordnet werden.

PCR-Testung ist das gängige Verfahren

Soll eine akute Infektion nachgewiesen werden, wird vom Arzt ein Abstrich gemacht und anschließend im Labor untersucht. Dieses Verfahren nennt sich PCR-Testung. Bei der Praxis am Markt kostet der Test 144 Euro. Die Kosten setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen und variieren.

Nach wie vor sollten Patienten mit Verdacht auf eine Infektion nicht einfach zum Arzt gehen, sondern vorher anrufen, bittet der Allgemeinmediziner Marc Kaiser. Wer Symptome verspürt oder auf sein Testergebnis wartet, sollte sich freiwillig in Isolation begeben. In diesen Tagen gelte es, genauer auf den Körper zu hören und Grenzen anders zu ziehen. Etwa nicht mehr mit Halsschmerzen zur Arbeit zu gehen, weil ja eh bald Wochenende ist.

Für den Umgang mit verschnupften Kindern gibt‘s kein Patentrezept

Zurück zu den Kindern mit Schnupfen: Fakt sei, dass Kinder oft Schnupfen und relativ selten starke Corona-Symptome haben. Wenn nun jedes Kind mit Schnupfen zum Arzt geschickt werde, würden eher die Kinderärzte als Labore an Kapazitätsgrenzen stoßen, prognostiziert der Fröndenberger Arzt.

Kinder mit Schnupfen werden in vielen Kindergärten nach Hause geschickt.

Kinder mit Schnupfen werden in vielen Kindergärten nach Hause geschickt. © picture alliance/dpa

Sind die verschnupften Kinder zwangsverordnet wieder zuhause, bleibt die Betreuung erneut an den Eltern hängen. Das bemängelt auch die Fröndenbergerin Antje Lippert. Ebenso verhält es sich, wenn es zu einem Ausbruch in den Kitas oder Schulen kommt.

Tests in Kindergärten oder Schulen sind aus Marc Kaisers persönlicher Sicht deshalb sinnvoll. Ob sie auch praktikabel sind, sei eine andere Frage. „Wer übernimmt die Kosten, wer führt die Tests durch?“ Eine weitere Frage sei, wann und wie oft getestet werden muss. Die Kinder lebten schließlich nicht in Isolation. Wer eine Woche vor Schulstart ein negatives Ergebnis hat, kann sich noch sieben Tage lang mit Corona anstecken, bis die Schule wieder losgeht.

Inzwischen bietet das Land NRW allen Lehrern und Erziehern kostenlose 14-tägige Corona-Tests an. Für Schüler gilt dies weiterhin nicht.

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