Es waren die Mendener Frauen, die den Fröndenbergerinnen vormachten, wie weiblich genetzwerkt wird. Mittlerweile ist das Mendener Frauennetzwerk Geschichte. Das Fröndenberger feiert 15-Jähriges.

Fröndenberg

, 24.03.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Frauen diesseits der Ruhr haben sich als ausdauernd erwiesen. Dabei waren die Anfänge zunächst bescheiden. Barbara Streich hatte als Politikerin der Grünen „etwas neidisch“ über die Ruhr geschielt, wo sich schon ein Frauennetzwerk gegründet hatte.

Zwei Anläufe zur Gründung: Der erste scheitert an „mickriger Resonanz“

„Daher habe ich dann die Gleichstellungsbeauftragten aus Menden und Fröndenberg eingeladen, unsere Frauen hier zu informieren“, erinnert sich Barbara Streich. Das war Ende 2003. Damals war noch Marion Strassmann Gleichstellungsbeauftragte für Fröndenberg. Sie musste sich aber kurzfristig aus Krankheitsgründen abmelden. Die Mendener Beauftragte Brigitte Wagner kam. Traf aber auf wenig Interesse: „Mickrig“ nennt Streich die Resonanz im Rückblick. Gerade einmal vier Interessentinnen trafen sich im Allee-Café, das damals noch an der Alleestraße beheimatet war.

Barbara Streich ließ sich nicht entmutigen

Wer die Grüne Barbara Streich kennt, der weiß jedoch: Von solchen Kleinigkeiten wie mangelndem Interesse lässt sie sich nicht entmutigen. Kurzerhand sammelte sie die vier erschienenen Interessentinnen ein, setzte 2004 einen neuen Termin für ein Gründungstreffen an. Und siehe da: Neun weitere Frauen kamen dazu. „Da waren wir schon 14. Das war klasse“, sagt Streich rückblickend. Schließlich sollte das Netzwerk ohnehin nicht zu groß sein. Maximal 25 Frauen aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern waren das Ziel, das auch heute noch gilt. 19 Mitglieder zählt das Frauennetzwerk heute, an dessen Spitze die frisch gewählte Vorsitzende Ursula Schulte-Borbeck und Barbara Streich als ihre Stellvertreterin stehen. „Wir könnten allerdings noch ein paar jüngere Frauen vertragen“, meint Schulte-Borbeck, die ebenso wie Barbara Streich bereits im Rentenalter ist.

15 Jahre vernetzte Frauenpower: Mitmischen, auch bei Streitthemen wie der Marktsperrung

Kunst, Kultur, Stadtgestaltung und gesellschaftliche Entwicklungen - das Frauennetzwerk hat ein Auge drauf. Hier sehen sich die Netzwerkerinnen zusammen mit Künstler Patrick Lemke das frisch gestaltete Rathaus II an. © Archiv

Frauen- und Sozialpolitik, aber vor allem auch privater Austausch

Allerdings ist es schon ein erlesenes Grüppchen, das sich da zusammengefunden hat. Da von Anfang an nicht nur Frauen- und Sozialpolitik auf der Agenda der Frauenpower-Gruppe stand, legten und legen die Frauen Wert darauf, dass neue Mitglieder auch privat in die Gruppe passen. „Vertrauen spielt ein große Rolle, weil auch sehr private Dinge mitunter beredet werden“, verrät Schulte-Borbeck, dass es auch durchaus schon Aufnahmeinteressenten gegeben hat, die abgelehnt wurden.

Frauennetzwerk trat geschlossen für Marktsperrung ein

In der Regel alle sechs Wochen kommen die Frauennetzwerker zusammen. Themen gibt es reichlich. So wie in diesem Jahr zum Beispiel das Jubiläum des Frauenwahlrechts oder allgemeine Themen wie Organspende oder der jährliche Equal-Pay-Day, aber auch die Stadtentwicklung oder die Kunst im öffentlichen Raum beschäftigen die Frauen. So manche Anregung aus den Netzwerk-Reihen hatte schon politischen Einfluss. Zuletzt durch einen vom Frauennetzwerk initiierten Stadtrundgang, aus dem die Anregung resultierte, Wasserfontänen für die Marktplatzgestaltung einzuplanen. „Früher haben wie Themen eher intern bearbeitet. Mittlerweile gehen wir damit mehr in die Öffentlichkeit“, sagt Barbara Streich. Bei dem Stadtspaziergang habe das Frauennetzwerk sich auch geschlossen für die Sperrung des Marktplatzes ausgesprochen, erinnert Streich. „Und dazu stehen wir nach wie vor.“

Unterschiedliche berufliche Hintergründe im Netzwerk vereint

Dabei respräsentiert das Frauennetzwerk einen breiten Querschnitt der Bevölkerung. Die Frauen sind zwischen 40 und 75 Jahre alt und von der Krankenschwester, über die Geschäftsfrau bis hin zur Juristin sind alle möglichen Berufsfelder vertreten. „Und wer nicht mehr arbeitet, übt Ehrenämter aus“, sagt Schulte-Borbeck. Dass nicht eine Berufsgruppe überrepräsentiert ist, darauf achte man schon. „Momentan gibt es zum Beispiel einen kleinen Überhang bei den Mitgliedern mit medizinischem Berufshintergrund“, berichtet die Vorsitzende, die vor ihrem Ruhestand Lehrerin an der Gemeinschaftsgrundschule war. Und man lege Wert auf Kontinuität. Eine langfristige Zusammenarbeit im Netzwerk ist erwünscht. Was offensichtlich gelingt: Von den vier Frauen, die 2003 zum ersten Vortreffen kamen, ist eine verstorben, der Rest ist noch dabei. Und auch von den 14 beim Gründungstreffen kommen heute noch viele regelmäßig zu den Terminen im Allee-Café.

15 Jahre vernetzte Frauenpower: Mitmischen, auch bei Streitthemen wie der Marktsperrung

Ob Equal Pay Day oder andere sozialpolitische Themen - das Frauennetzwerk Fröndenberg mischt sich ein. Und das seit nun schon 15 Jahren. © afsdfa

Geburtstag, Spenden, Besuche und Referate - Netzwerk-Kalender

Dort wollen die Frauennetzwerker am Montag, 25. März, ausgiebig ihren 15. Geburtstag feiern. „Mit Sekt, Selters und Torte“, lacht Barbara Streich. Eben mit allem, was eine Frau so braucht. Dann wollen die politische und gesellschaftlich umtriebigen Frauen Rückblick halten – auch auf die vielen Projekte, die sie im Laufe der Zeit mit Spenden unterstützt haben. In diesem Jahr soll das Kirchenkreis-Projekt in Tansania von der Fröndenberger Hebamme Michaela Pfeiffer mit einer Geldspende bedacht werden. Außerdem haben sich die Frauen für dieses Jahr vorgenommen, sich das Kommunale Integrationszentrum vorstellen zu lassen, Netzwerkfrau Monika Schröer wird ein Referat über soziale Wohnformen halten, das neue jüdische Zentrum in Unna wird besucht, ebenso die Keramikerin Gisela Lücke mit ihrem Skulpturenpark in Unna. Und es steht eine Fahrt nach Worpswede im Netzwerk-Kalender.

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