Dutzende Kinder hat David Wilms im Finale der Kinder-Gameshow Super Toy Club in einen bekannten Spielzeugladen „gebeamt“. Inzwischen ist seine Zeit als TV-Moderator vorbei: Jetzt ist er viel auf Reisen.

Fröndenberg

, 15.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Aufgewachsen ist der ehemalige TV-Moderator David Wilms in Ostbüren auf der Anhöhe in Richtung Bausenhagen. In den 1990er Jahren gelang dem Mann vom Lande der Durchbruch in der bunten Fernsehensehwelt von RTL. Sein Ressort waren Kindersendungen, durch die er in den 1990er und 2000er Jahren zu einem der bekanntesten Gesichter von Super RTL wurde.

Heute ist er weltweit unterwegs, trifft immer wieder auf ehemalige Kandidaten und lebt auch weiterhin seinen Traum. Im Gespräch mit unserer Redaktion wirft er einen Blick zurück auf die anspruchsvolle Fernseharbeit mit Kindern und verrät, aus welchem Grund er bei Super RTL aufgehört hat.

Sie gehörten über viele Jahre zu den Stammmoderatoren bei Super RTL, worin liegt beim Moderieren für Kindersendungen die größte Herausforderung?

Die Herausforderung bei der TV-Arbeit mit Kindern ist, die Neugierde auf das Genre Fernsehen zu wecken, aber ebenso die Freude an dem Wettbewerb zu erhalten. Die teilnehmenden Kinder sollten im besten Falle schnell vergessen, dass sie in einem TV-Studio sind. Es sollte eher wie „Bundesjugendspiele“ sein. Man gibt sein Bestes, während am Rand die Mitschüler anfeuern und applaudieren. Und es wurde ordentlich gejubelt. Für die Mädchen und für die Jungs. In gut 100 Sendungen war das Gewinnerverhältnis zwischen Mädchen und Jungs fast ausgeglichen. Übrigens die zweithäufig gestellte Frage. Die erste Frage ist immer: „Wie geht das mit dem Beamen in das Spielzeuggeschäft?“

Für den ehemaligen TV-Moderator David Wilms war die Fernseharbeit mit Kindern Herausforderung und Leidenschaft zugleich.

Für den ehemaligen TV-Moderator David Wilms war die Fernseharbeit mit Kindern Herausforderung und Leidenschaft zugleich. © Super RTL

Haben Sie vor der Kamera mal ein Kind zum weinen gebracht?

Natürlich gibt es Enttäuschungen, wenn eine Mannschaft verloren hat. Und ja. Es gab dann auch mal Tränen. Meist, wenn die Kameras aus waren. Die Sendungen waren nie live, da das den Druck auf die Kinder zu groß gemacht hätte. Das Produktionsteam und ich haben uns nach einer Sendung immer noch genug Zeit genommen fürs Trösten, Auffangen, Jubeln, Fotos und Autogramme. Das gehörte für mich mit zum Job des Moderators und Gesicht der Sendung. Und als Mensch sowieso.

Für viele Kinder der 90er und 2000er war die Teilnahme am Super Toy Club ein kleiner Traum. Wie viele Kinder haben sie schätzungsweise in den berühmten Spielzeugladen „gebeamt“?

Der Super Toy Club und Q-BOOT – Das Quiz waren wohl, neben der TOGGO-Tour, meine größten Projekte für Super RTL. Das verdanken wir natürlich unseren kleinen und großen Zuschauern, die sich pro Sendung hundertfach beworben haben. Mal in Form von kleinen Clips oder Comic-Büchern, verrückten Fotos oder Freundschaftsgeschichten. Im Laufe der Super Toy Club-Zeit waren es gut 400 Kinder die mit mir das Geheimnis des Beamens entdecken durften und das „SUPER TOY RACE“ durchliefen. Bis heute werde ich von dieser Generation noch auf die Sendung angesprochen. Manchmal treffe ich sogar ehemalige Teilnehmer auf meinen Reisen. Das ist immer ein großes Hallo!

Neben dem Super Toy Club moderierte David Wilms auch für drei Jahre die Quiz-Sendung „Q-Boot – Das Quiz“, quasi ein Kinder-Pendant der RTL-Serie „Wer wird Millionär?“.

Neben dem Super Toy Club moderierte David Wilms auch für drei Jahre die Quiz-Sendung „Q-Boot – Das Quiz“, quasi ein Kinder-Pendant der RTL-Serie „Wer wird Millionär?“. © Super RTL

Von Super Toy Club bis DSDS-Magazin, welches berufliche Projekt hat Sie während Ihrer Laufbahn am meisten erfüllt?

Das ist eine spannende Frage. Also erfüllt haben mich alle Sendungen. Ich fühle mich geehrt, als Junge vom Land in Ostbüren, so eine Chance bekommen zu haben und mein Talent mit den Wünschen und der Freude von Kindern zu kombinieren. Und das in einem Genre, dass mich seit Kindertagen fasziniert hat. Aber am meisten gefreut hat mich die TOGGO-TOUR, wo wir die verschiedenen TV-Sendungen zu Bühnen-Formaten umgewandelt haben. Und diese dann mehrmals am Tag mit den Besucher-Kindern in den Städten der Tour nachgespielt haben.

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Das anschließende Meet & Greet mit „Commander David“ war mir immer eine große Freude oder wie viele Kinder sagten: „Commander David, du bist mein größter Fan!“ Dies war zwar sicher anders gemeint, aber es kam der Wahrheit schon sehr nahe.

Wie würden Sie die RTL-Welt in drei Sätzen beschreiben?

Nun ja. Die Zeit bei Super RTL ist ja schon mehr als 15 Jahre her. Seit sieben Jahren arbeite ich glücklich auf den Schiffen von Hapag-Lloyd Cruises. Für mich war der Sender eine große Chance und ein sehr breites Spielfeld. Das Vertrauen groß.

Seit einigen Jahren ist „Commander David“ auf Kreuzfahrten unterwegs und koordiniert unter anderem die Auftritte der dort arbeitenden Künstler.

Seit einigen Jahren ist „Commander David“ auf Kreuzfahrten unterwegs und koordiniert unter anderem die Auftritte der dort arbeitenden Künstler. © Hapag-Lloyd Cruises

Was waren die Gründe dafür, dass Sie sich aus der TV-Branche zurückgezogen haben?

Ich durfte mich soweit „austoben“, dass ich nach der gut 20-jährigen Zusammenarbeit mit dem Sender meinen Platz für die kommende Generation von Produzenten und Moderatoren geräumt habe um mich in die nächsten Abenteuer zu begeben. Quasi vom „Commander David“ zum Kreuzfahrt-Direktor David Wilms. Ich spürte, dass die TV-Arbeit ein „natürliches“ Ende hatte. Meine Freude an der Arbeit mit und für Menschen war ungebrochen. Nur wusste ich, dass es das Genre nicht mehr sein würde. Man sagt im TV-Bereich gerne: „Die Geschichte hat sich aus erzählt!“ Und genau das spürte ich.

Was machen Sie heute?

Sehr schnell nach dem Verkauf meiner Firma bekam ich einen Hinweis von einem Freund, dass man bei Hapag-Lloyd Cruises einen wie mich suchte. So nahm ich Kontakt auf und wurde zunächst Entertainment Manager und drei Jahre später dann schließlich Kreuzfahrt Direktor auf MS Europa und MS Europa 2. Das mache ich bis heute.

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Zuständig bin ich für die Bereiche Ausflüge, Entertainment, Sport und Kinder. Ich bin offizieller Ansprechpartner der Reederei. Bearbeite das täglich frisch gedruckte Bord-Programm in all seinen Facetten, damit unsere Gäste wissen, was wann wie und wo stattfindet. Und ich bin der Moderator der TV-Sendungen an Bord. Wir sind mit unseren beiden 5 Sterne Plus-Schiffen (maximal 400 Gäste auf der Europa und maximal 500 Gäste auf der Europa 2) weltweit unterwegs.

Die verschiedenen Ansprechpartner und Kulturen an Land z.B. in Asien oder Ozeanien, Arabien, Europa oder Mikronesien machen die Arbeit spannend und abwechslungsreich. Im Augenblick sitze ich gerade im Regenwald von Nord-Australien am Great Barrier Reef und beantworte gerne Ihre Fragen. Ich habe Urlaub und werde mir in einigen Tagen mit Freunden einen Traum erfüllen. Mit dem Camper von Melbourne in Richtung Westen bis Perth fahren: Die Grand Ocean Road.
Auf Reisen nutzt David Wilms die Gelegenheit, sofern es die Zeit zulässt, kurze Ausflüge zu machen.

Auf Reisen nutzt David Wilms die Gelegenheit, sofern es die Zeit zulässt, kurze Ausflüge zu machen. © Hapag-Lloyd Cruises

Sie stehen also weniger wirklich selbst auf Bühnen, sondern wirken eher dahinter, ist das entspannter oder stressiger?

Die Arbeit auf der Bühne, also im Rampenlicht, ist aufregend und für den Moment. Die Arbeit hinter den Kulissen ist für die Zukunft und somit nachhaltiger. Beides hat seine Berechtigung. Beides ist spannend. Und aus beiden Teilen besteht mein Job als Kreuzfahrt Direktor

Was verbindet Sie mit der Stadt Fröndenberg? Sind Sie manchmal zu Besuch?

Mit Fröndenberg verbindet mich nach wie vor sehr viel. Ich bin regelmäßig dort und besuche meine Familie. Vor allem meinen jüngsten Bruder, der mit seiner Frau vier Kinder hat. Die beiden haben so ein großes Herz, dass sie regelmäßig zwei Pflegekinder aufnehmen. Dafür bewundere ich die beiden sehr.
Das Löhn-Bad, wo ich schwimmen gelernt habe und zum ersten Mal drei Meter in die Tiefe sprang. Das Eis-Café Venezia. Mit dem ersten Spaghetti-Eis meines Lebens und diesen eiskalt-vorgefrosteten Bechern. Das Blumengeschäft Schwarzkopf von meinem Nenn-Onkel Wilfried, was dann später sein Sohn übernahm.

Ich komme gern her, atme Kindheit ein und freue mich über die Veränderungen in der Stadt und Umgebung. Natürlich fahre ich dann auch jedes Mal in mein Heimatdorf Ostbüren. Und wenn es passt mit meinem Bruder und Familie zum traditionellen Osterfeuer, wo ich als Kind mit dem Spielmannszug Ostbüren Trommel spielte. Und natürlich schnappe ich mir bei einer Tasse Kaffee im Fußgängerbereich des „Stifts“ dann die neuste Ausgabe des Hellweger Anzeiger.

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