15-Jähriger zeigt auf Instagram, was Müllsünder an der Ruhr anrichten

dzRuhrmüll Fröndenberg

Von der Slipeinlage über Grillgut bis zum Gartenstuhl: Was in der Natur so alles arglos entsorgt wird, ruft Kopfschütteln hervor. Ein junger Fröndenberger räumt auf – und wird dafür noch belächelt.

Fröndenberg

, 22.01.2020, 14:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die einen machen an Traumstränden Großreine, die anderen schnüren die Laufschuhe und sammeln auf der Joggingrunde Müll. Bonbonpapier, Eisverpackung oder Einweggrill – was den Aufräumern in der Natur unschönerweise begegnet, wandert anschließend nicht nur in den Müll, sondern auch in die sozialen Medien.

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Ein 15-jähriger Fröndenberger hat sich dieser Internet-Bewegung angeschlossen. Fast täglich entdeckt er Müll an der Ruhr. Bilder davon postet der Gesamtschüler auf Instagram. Dabei gehe es nicht um Anerkennung, wie das in den sozialen Medien oft üblich ist: „Die Bilder zu posten, ist das Beste, was man machen kann. Die meisten Menschen verbringen heute so viel Zeit im Internet, dass sie dort am besten erreicht werden können.“ Mit den Bildern möchte der Fröndenberger ihnen das Ergebnis ihrer Wegwerfpraxis vor Augen führen.

Gerade ist Praktikumszeit an der Gesamtschule in Fröndenberg. Lando Wiechers macht ein Praktikum zuhause im Betrieb des Vaters. Wer ihn dort besucht, wird an der Tür von zwei quirligen Hunden begrüßt. Die beiden brauchen eine Menge Auslauf. So treibt es die Familie täglich in den Wald oder ans Ufer der Ruhr, um mit den Vierbeinern spazieren zu gehen. Und mit unschönen Entdeckungen auf der Hunderunde fing alles an.

Müll kommt von vermeintlichen Naturfreunden

Schlimm sei es vor allem im Sommer, wenn viele Jugendliche an der Ruhr baden und grillen, aber auch Erwachsene schmeißen nicht selten etwas unachtsam weg. Besonders stören Lando Wiechers Zigarettenstummel. Unglaublich ärgerlich: Diejenigen, die den Müll am Ruhrufer und auf den Wiesen hinterlassen, bezeichnen sich oft selbst als naturverbunden: Reiter, Angler, Pilzsammler, Hundehalter oder Bauern konnte der Fröndenberger beobachten.

15-Jähriger zeigt auf Instagram, was Müllsünder an der Ruhr anrichten

Lando Wiechers sagt Müll der Kampf an: Fast täglich sind der 15-jährige Fröndenberger und seine Mutter in der Natur unterwegs – räumen auf und posten Bilder von der Umweltverschmutzung auf Instagram. © Hornung

Der 15-jährige Lando Wiechers hat im vergangenen Jahr damit begonnen, den Müll zusammenzutragen und wegzuschaffen, Fotos zu machen. 83 Instagram-Beiträge des Profils „ruhrmuell_frodenberg“ sind so schon entstanden. Die Menschen, die dem Fröndenberger folgen, sind nicht etwa Schulfreunde, sondern gleichgesinnte „Müllsammler“ aus der ganzen Welt.

Freunde haben nicht viel für „das Hobby“ übrig

Seine Freunde hätten nicht viel übrig für die ungewöhnliche Beschäftigung, ließen sie eher unkommentiert, sagt der Schüler. Grundsätzlich scheint die Fridays-for-Future-Welle die Fröndenberger Gesamtschule lediglich in Ausläufern erreicht zu haben. Ein Mitschüler habe sogar gehässig gefragt, warum Lando Wiechers in seiner Freizeit Müll sammeln gehe, ob das sein Hobby sei. „Ich finde das, was ich tue, wesentlich sinnvoller, als in einem Computerspiel, das nichts mit der Realität zu tun hat, das nächste Level zu erreichen“, sagt der 15-Jährige dazu.

Lando Wiechers und seine Mutter Anja Wiechers sind am Ruhrufer inzwischen bekannt – beliebt allerdings nicht. Im Gegenteil: Dafür, dass sie den Müll ihrer Mitmenschen aufräumen und die Natur sauber halten, würden sie sogar belächelt. Mit angepackt hätte noch niemand.

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Vom Aufräumen hält das den jungen Fröndenberger allerdings nicht ab. „Warum lassen Hundehalter ihre vollen Kotbeutel liegen?“, fragt er sich. Dann wäre es doch besser, den Beutel gar nicht erst zu benutzen. Warum verscharren andere Plastikflaschen in der Natur, auf denen sogar noch Pfand ist? Wer bitteschön lässt eingepacktes Grillgut, sprich genießbare Lebensmittel, am Wegesrand liegen – und warum treiben Slipeinlagen in der Ruhr? Fragen, bei denen Lando Wiechers nur den Kopf schütteln kann. Was in den Köpfen der Müllsünder vorgeht, sei nur schwer nachzuvollziehen.

Hunde sind auf Instagram beliebter als Müll

Zu dem alltäglichen Abfall kommen auch mal große Teile, wie etwa Netze aus der Landwirtschaft, die die umweltbewussten Fröndenberger beim besten Willen nicht entsorgen können. „Die Leute sollen ins Grübeln kommen“, lautet der Wunsch, der hinter dem Instagram-Account steckt. Dass das Hundefoto-Profil von Mutter Anja Wiechers deutlich beliebter ist, als das Müllprofil des Sohnes, bietet für beide Anlass zum Schmunzeln.

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