Umbau durch Investor: Westenhellweg-Anwohner werden ausquartiert

dzWestenhellweg

Ein Immobilienkonzern aus Köln mischt im Hintergrund die Karten am Westenhellweg neu. Das bekommen Mieter zu spüren, die in dem Sandstein-Gebäude am Westenhellweg 17 wohnen.

Dortmund

, 22.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Monat gehört das Wohn- und Geschäftshaus am Westenhellweg 17 einem neuen Eigentümer. Der neue Vermieter des Gebäudes mit dem Dessous-Geschäft Hunkemöller ist Art Invest Real Estate. „Und der will uns hier raus haben. Zwei von sieben privaten Mietern sind schon weg und auch für uns steht jetzt der Zwangsumzug an“, sagt einer der Hausbewohner. Er will namentlich nicht genannt werden, weil er sonst zusätzlichen Ärger mit der Eigentümergesellschaft befürchtet.

„Es ist sehr schade, weil ich gerade seit fünf Jahren hier wohne und eigentlich gar nicht weg will“, sagt der Mieter im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sucht bereits nach einer neuen Wohnung.

Zwar habe der Immobilieninvestor aus Köln natürlich die bestehenden Mietverträge übernehmen müssen, allerdings seien so große bauliche Eingriffe in den Gebäudekomplex inklusive Corso-Passage geplant, dass auf jeder Etage ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden müsse. „Das teilte man uns in einem persönlichen Gespräch vor Kurzem mit. Und das bedeutet, dass alle Mieter bis zum Jahresende zumindest für die Bauzeit ausziehen sollen“, so der Mieter. Für ihn kommt das einem „Zwangsumzug“ gleich.

Auch die Neven-Subotic-Stiftung zieht aus

Betroffen ist auch die Neven Subotic Stiftung, die 2016 am Westenhellweg 17 ihr Büro eingerichtet hat. „Uns wurde angeboten, nach dem Umbau wieder das Büro in dem Gebäude beziehen zu können. Aber wir müssen ja durchgehend arbeiten können, insofern werden wir nun im Innenstadtbereich eine neue Räumlichkeit suchen“, sagt Silke Kuhlke von der Subotic Stiftung.

Welche Pläne Art Invest in der City verfolgt, dazu hüllt sich das Unternehmen bisher in Schweigen. Ein Kontakt ist für unsere Redaktion nur per E-Mail möglich. Mehrere Tage nach unserer Anfrage zu den vermeintlichen „Zwangsumzügen“, erhielten wir folgende Antwort. „Wir kümmern uns um die baulichen Schwächen der Liegenschaft und planen eine zukunftsfähige Neupositionierung dieser wichtigen Handelslage. Die Einhaltung der bauordnungsrechtlichen Gegebenheiten hat dabei für uns oberste Priorität. Es ist richtig, dass einzelne private sowie gewerbliche Mieter aufgrund baurechtlicher Auflagen und aufgrund der geplanten Neustrukturierung des Gebäudes umgezogen werden müssen. Im Zuge dessen sprechen wir mit allen Mietern und erarbeiten gemeinsam mit ihnen Lösungen.“

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Art Invest gehört bereits seit längerer Zeit auch die Immobilie am Westenhellweg 11-13, in der das Bekleidungsgeschäft H&M ist. „Der Westenhellweg 17“, so heißt es in der Mail eines Unternehmenssprechers, „wurde als strategische und städtebauliche Arrondierung für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des Westenhellwegs 11–13 von uns erworben. Wir glauben auch in den aktuell herausfordernden Zeiten an das Potenzial der Dortmunder Innenstadt und möchten mit unserem weiteren Engagement ein positives Signal hierzu setzen.“

Art Invest: „Keine näheren Auskünfte“

Nach Informationen der Redaktion ist auch die große City-Immobilie an der Ecke Hansastraße 44/Ecke Kampstraße, in der es vor der Corona-Pandemie Foto-Services (Perfect Picture) und Pralinen (Leonidas) zu kaufen gab, in Händen von Art Invest. Diese Immobilie soll ebenfalls, so hört man gerüchteweise, umgebaut und „neu entwickelt“ werden.

Auch diese große City-Immobilie an der Hansastraße/Ecke Kampstraße in Dortmund ist im Besitz des Kölner Immobilien-Unternehmens Art Invest.

Auch diese große City-Immobilie an der Hansastraße/Ecke Kampstraße ist im Besitz des Kölner Immobilien-Unternehmens Art Invest. © Peter Wulle

Auch dazu haben wir das Unternehmen bereits Mitte Juli befragt und per Mail nur eine dürftige Antwort bekommen: „Gegenwärtig können wir Ihnen zu diesem Thema leider keine näheren Auskünfte erteilen.“

Derweil sitzt der von Art Invest so arg enttäuschte Mieter am Westenhellweg quasi auf gepackten Koffern und versucht seinem bevorstehenden Umzug auch etwas Positives abzugewinnen: „Für Anwohner wird der Hellweg schon seit längerer Zeit zunehmend unattraktiver. Die Musik-Beschallung durch die Straßenmusiker vom Westenhellweg ist den ganzen Tag lang echt nervig. Man kann kein Fenster öffnen.“

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