Zoll führt über Aktenberge und auf die Spuren von Drogenhändlern

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Lust auf einen Job in einem über 2000 Jahre alten Gewerbe? Der Zoll in Dortmund sucht Talente, die Theorie und Praxis kreativ verbinden und Geld in die Staatskasse spülen.

Dortmund

, 19.10.2018, 19:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Uns gibt es seit über 2000 Jahren. Der Zoll ist das zweitälteste Gewerbe der Welt.“ Sagt Andrea Münch. Die Sprecherin des Hauptzollamtes in Dortmund arbeitet für eine Behörde, die von Dortmund aus pro Jahr zwischen drei und fünf Milliarden Euro in die Staatskasse spült. Mit insgesamt 130 Milliarden Euro machen die Steuereinnahmen der über 40 Hauptzollämter in ganz Deutschland mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes aus. Wie alle Betriebe und Behörden sucht der Zoll junge Auszubildende. Beim Zoll müssen sie nicht nur komplexe Theorie beherrschen, sondern auch auf der Straße oder in Flug- und Seehäfen ermitteln.

Zoll führt über Aktenberge und auf die Spuren von Drogenhändlern

Kai Hutmacher, Maja Elferich, Florian Altmeyer und Franziska Mertens arbeiten nach der Ausbildung beim Hauptzollamt in Dortmund. © Peter Bandermann

„Das ist keine trockene Materie“, sagt Florian Altmeyer und nennt die Zollkontrollen gegen Schwarzarbeit: „Mit einer Kontrolle holst du die Verfahren rein und musst am Schreibtisch ermitteln. Wer keine geregelten Arbeitszeiten, nicht im Büro arbeiten und dabei etwas erleben möchte: das ist genau das Richtige.“ - Auch sein Kollege Kai Hutmacher mag die Kombination aus Praxis auf der Straße und Dienst im Büro: „Man lernt schnell, ein Thema von der anderen Seite aus zu spielen. Wir hauen da nicht irgendetwas in den PC, sondern müssen intensiv ermitteln.“ Um Schwarzarbeit aufzudecken, Drogenkuriere zu überführen, Produktpiraten zu enttarnen und auf Reisewegen auch geschützte Tiere und Pflanzen zu sichern.

Fleißarbeit für spezielles Wissen

Dafür geht es in der Ausbildung intensiv theoretisch zu. „Wir verlangen eine Affinität zu einer umfangreichen Rechtsmaterie für den Umgang mit Gesetzen und der Wirtschaft. Ein Hexenwerk ist das nicht, aber es erfordert Fleißarbeit“, beschreibt Ausbildungsleiterin Grit Rothe die Ausbildung. Da geht es um spezielle Begriffe wie das „Marktordnungsrecht“ oder leicht zu übersetzende Begriffe wie die „Zwischenerzeugnis-Steuer“, wie Maja Elferich erklärt. Die Zwischenerzeugnis-Steuer verlangt der Staat auf Liköre.

Zoll führt über Aktenberge und auf die Spuren von Drogenhändlern

Ausbildungsleiterin Grit Rothe vom Hauptzollamt in Dortmund: „Wir verlangen eine Affinität zu einer umfangreichen Rechtsmaterie.“ © Peter Bandermann

Beamte schon in der Ausbildung

Je nach Laufbahn dauert die Ausbildung beim Zoll zwei oder drei Jahre. Die Auszubildenden sind vom ersten Tag an Beamte:

  • Mittlerer Dienst: Ausbildungsdauer zwei Jahre. Voraussetzung: Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung. Praxis in Dortmund und Theorie in Plessow oder Sigmaringen. 1170 Euro brutto pro Monat. Gehalt im ersten Berufsjahr: 2320 Euro brutto.
  • Gehobener Dienst: Ausbildungsdauer drei Jahre. Voraussetzung: Abitur oder Fachhochschulreife mit Praktika-Nachweisen (15 Monate). Praxis in Dortmund und Theorie in Münster. 1220 Euro brutto pro Monat. Gehalt im ersten Berufsjahr: 2700 Euro brutto.

Zöllner müssen flexibel sein. Das hören sie bereits im Vorstellungsgespräch. Wer Dortmund während der Ausbildung oder später nicht verlassen möchte, muss sich für einen anderen Beruf entscheiden: Die vier Zoll-Ausbildungszentren in Münster, Rostock, Plessow (Werder/Havel) und Sigmaringen in Baden-Württemberg sind die Theorie-Standorte. Nach der Ausbildung folgt die dreijährige Probezeit, für die die Beamten einen Wunsch-Standort angeben können. Doch der Bund muss sein fertig ausgebildetes Personal auch dort einsetzen, wo es aktuell benötigt wird. Hauptzollamts-Sprecherin Andrea Münch: „Dann geht es quer durch Deutschland auch nach Hamburg oder Frankfurt. Ein ständiges Herumschicken ist es aber nicht“.

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Familienfreundlicher Arbeitgeber

Für die ehemaligen Auszubildenden Kai Hutmacher, Franziska Mertens, Maja Elferich und Florian Altmeyer ist dieses Unvorhersehbare das Spannende am Beruf, erkennen im Zoll als Arbeitgeber aber auch viele Vorteile. Kai Hutmacher: „Das ist ein sicherer Beruf, gerade mit Blick auf die Rente.“ In den vier Jahrzehnten davor sei der Zoll auch sehr familienfreundlich. Eltern können die Arbeitszeit reduzieren, wenn das Familienleben das verlangt.

Spannende Ausbildung

Spannend sei die Ausbildung allemal. Zum Beispiel bei der „Kontrolleinheit Verkehrswege“. Franziska Mertens: „Da findet man nicht jeden Tag ein Kilo Kokain. Aber von fünf Gramm Marihuana bis zu einer wilden Verfolgungsjagd ist alles drin. Und man muss nicht nur zugucken, sondern ist mittendrin.“ - „Du bekommst ein gutes Portfolio für die späteren Jahre“, sagt Florian Altmeyer, der vor der Ausbildung zum Zöllner als Industriekaufmann gearbeitet hat und dabei das gewisse Etwas vermisst hat. „Man hat beim Zoll nicht nur einen Job. Du hast gleich mehrere Jobs, so abwechslungsreich ist das.“

Kai Hutmacher und Maja Elferich betonen den Umgang mit Menschen: „Bei den Kontrollen draußen haben wir es mit Bauarbeitern und Geschäftsführern zu tun. Später mit Rechts- und Staatsanwälten. Dieser Beruf geht also komplett durch alle Schichten.“ Der Beruf sei „nichts für Einzelgänger“ und biete „auch nicht immer Action“, stellt Franziska Mertens. Wer täglich pünktlich um 16 Uhr ausstempeln wolle, sei beim Zoll nicht richtig.

Bekenntnis zur Demokratie

Ja, der Zoll sei eine Behörde, mit Rechts- und Dienstvorschriften. Die Arbeit erfordere aber nicht nur Disziplin, sondern auch Neugierde, die Suche nach Lösungen, Arbeit in Eigenregie und biete viel Entscheidungsfreiheit - das alles bei einem klaren Bekenntnis zur Demokratie.

Die Aufgaben des Zolls
  • Der Zoll erhebt Zölle und Verbrauchssteuern. Zum Beispiel: Tabak-, Bier-, Kaffee-, Branntwein, Alkopop-, Energie- und Kfz-Steuer sowie Luftverkehrssteuer.
  • Volltreckung für öffentlich-rechtliche Gläubiger wie Arbeitsagenturen, Berufsgenossenschaften und Krankenkassen.
  • Abrechnung von Zollverfahren und Beratung für Unternehmen im internationalen Güterverkehr.
  • Bekämpfung illegaler Beschäftigung, Einsätze gegen Schwarzarbeit.
  • Ahndung von Verstößen gegen Rechtsvorschriften des Zoll- und Verbrauchsteuerrechts.
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