Zehn Tage Maskenpflicht auf dem Westenhellweg – wer hält sich dran?

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Nach zehn Tagen Maskenpflicht auf dem Westenhellweg gibt es immer noch eine Reihe von Menschen, die ohne Mund-Nasen-Schutz über Dortmunds Einkaufsstraße flanieren. Nicht alle mussten zahlen.

Dortmund

, 23.10.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist Donnerstagnachmittag, fünf Minuten vor drei, Tag 10 der Maskenpflicht auf dem Westen- und Ostenhellweg. Seit Tag 1 ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Dortmund förmlich explodiert.

Doch was man in den nächsten 20 Minuten auf dem oberen Westenhellweg beobachten kann, passt nicht zu den alarmierenden Nachrichten von der Corona-Front.

Innerhalb von 20 Minuten flanieren 134 Menschen vorbei, ohne einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Davon essen oder trinken 20 beim Bummeln, vier rauchen und zehn telefonieren. Es sind ganze Familien ohne Maske, viele junge Menschen, aber auch alte.

Verstoß gegen die Maskenpflicht kostet 50 Euro

Das wären 6700 Euro an möglichen Bußgeldern, die die Stadt hätte einnehmen könnte. 50 Euro kostet der Verstoß gegen die Maskenpflicht. Knapp 300 Meter weiter neben Karstadt auf der Hansastraße steht das Ordnungsamt mit einem Bulli, drei Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin, um diejenigen zu ermahnen, die keine Maske tragen.

Das Ordnungsamt kontrolliert die Maskenpflicht auf dem Westenhellweg.

Das Ordnungsamt kontrolliert die Maskenpflicht auf dem Westenhellweg. © Gaby Kolle

Ein Bußgeld habe man an diesem Tag noch nicht verhängt, erklären sie auf Anfrage. Die Ermahnten seien einsichtig gewesen und hätten die Maske aufgesetzt.

Westenhellweg ist leerer als sonst

An diesem Donnerstag ist es gefühlt nicht so voll wie sonst auf der Einkaufsmeile. Auch laut Hystreet, einer Plattform, die digitale Daten für die Innenstadt liefert, tummeln sich von 14 bis 15 Uhr nur 3065 Menschen auf dem Westenhellweg (im Schnitt sind es sonst 3443). Rechnet man die Zahl der von uns gezählten Maskenmuffel auf eine Stunde hoch, heißt das, dass etwa jeder achte Passant auf dem Westenhellweg in diesem Zeitraum ohne Maske unterwegs war.

Wenn man die Menschen anspricht und fragt, warum sie ohne Maske laufen, heißt es vor allem von solchen, die nach eigener Aussage von auswärts kommen, man habe das nicht gewusst. Manche sagen auch, die Hinweisschilder, die zum Teil tatsächlich nicht leicht auszumachen sind, hätten sie nicht bemerkt. Alle bedanken sich freundlich und setzen die Maske auf.

Hin- und hergerissen bei der Maskenpflicht

Die Ordnungshüter berichten aber auch, dass einige erst die Maske über Mund und Nase ziehen, wenn sie die Männer und Frauen in Uniform entdecken. Auch die meisten Bettler, die auf dem Westenhellweg sitzen, darunter erbarmungswürdige Frauen, tragen keine Maske.

Eine Dortmunderin, die in ihrer Mittagspause über den Ostenhellweg flaniert und Mund-Nasen-Schutz trägt, findet die Maskenpflicht „in Ordnung“. Ein anderer Dortmunder, der auf der runden Bank vor der Petrikirche rastet und sich über die Menschen ohne Maske ärgert, ist wegen der Maskenpflicht „hin- und hergerissen. Das gefällt mir auch nicht, aber das muss gemacht werden.“ Ob es etwas bringe, sei eine andere Sache, sagt er, „aber es gibt Schlimmeres“.

Weitere Hinweisschilder aufgehängt

Am ersten Tag der Maskenpflicht auf dem Westenhellweg am 13. Oktober wurde nur per Lautsprecherdurchsage und in Bürgergesprächen auf die Maskenpflicht in der City-Fußgängerzone hingewiesen.

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Doch bereits einen Tag später wurden dort bis Donnerstag einschließlich 210 mündliche Verwarnungen ausgesprochen, 7 Verwarngelder verhängt und 6 Ordnungswidrigkeitsanzeigen geschrieben. Darüber hinaus gab es insgesamt 830 Bürgergespräche, in denen auf die Maskenpflicht hingewiesen wurde.

Auch Maskenpflicht in den Stadtteilen

In dieser Woche seien auch die Hinweisschilder in den Maskenpflicht-Zonen der Stadtbezirke aufgehängt und auch dort die Kontrollen verstärkt worden, so Stadtsprecher Christian Schön.

Am Nordmarkt und in der Münsterstraße wurden 37 Aufklärungsgespräche geführt (83 in den Stadtnebenzentren) und 67 mündliche Verwarnungen (20 in den Stadtnebenzentren) ausgesprochen, 2 Verwarngelder (2 in den Stadtnebenzentren) verhängt und 3 Ordnungswidrigkeitsanzeigen geschrieben (0 in den Stadtnebenzentren).

Maskenpflicht auf dem Westenhellweg

Darf ich beim Essen, Trinken und Rauchen die Maske abnehmen?

  • Nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung kann die Mund-Nasen-Bedeckung vorübergehend abgelegt werden, wenn das zur Ermöglichung einer Dienstleistung oder ärztlichen Behandlung oder aus anderen Gründen (z. B. Kommunikation mit einem gehörlosen oder schwerhörigen Menschen, zur Einnahme von Speisen und Getränken in Zügen des Personenverkehrs) zwingend erforderlich ist.
  • Strenggenommen wird das Ablegen der Maske zum Rauchen überhaupt nicht und zum Verzehr von Nahrungsmitteln in der Regel (anders gegebenenfalls bei Diabetes, Kreislaufproblemen, Schwächeanfall usw.) nicht zwingend erforderlich sein.
  • Das Ordnungsamt führe die Kontrollen dennoch mit dem nötigen Augenmaß durch – fachlich nennt man das „Entschließungsermessen“ –, teilt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Soll heißen, wer in Fußgängerzonen mit Maskenpflicht bummelt und dabei ohne Maske isst, trinkt oder raucht, muss nicht, aber kann mit einem Bußgeld rechnen.
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