Zehn Personen auf 68 Quadratmetern - und bald kommen zwei Babys hinzu

dzGroßfamilie sucht Wohnung

Eine Familie sucht dringend eine größere Wohnung in der Nordstadt. Auf alle Bewerbungen gab es bislang nur Absagen. Und demnächst wird es noch enger.

Dortmund

, 30.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei 68 Quadratmetern kann man wahrlich nicht von einer großen Wohnung sprechen. Wenn auf dieser Fläche dann auch noch zehn Personen leben, wird das Zuhause schnell zum engen Albtraum.

Bei Familie K. ist genau das der Fall: Die Eltern leben mit ihren acht Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren auf 68 Quadratmetern. Und demnächst kommen noch zwei weitere Babys hinzu.

Wohnung dringend gesucht

„Wir suchen dringend eine größere Wohnung“, sagt Frau K., „ich weiß ja noch nicht einmal, wohin mit dem Wäscheständer.“ Kein Wunder, denn die 31-Jährige und ihr Mann schlafen mit den zwei Vierjährigen in einem Raum, das Kinderzimmer bewohnen die sechs älteren Töchter und Söhne.

Verdammt eng, zumal neben den Schlafräumen ansonsten nur noch ein Esszimmer mit angeschlossener Mini-Küche zur Verfügung steht. Und demnächst wird der Platz noch knapper: Die älteste Tochter (15) erwartet in wenigen Wochen ein Kind, und auch Frau K. ist wieder schwanger.

Seit einem Jahr lebe die gesamte Familie nun wieder unter einem Dach, erläutert die 31-Jährige, zuvor sei man eine Zeit lang getrennt gewesen: „Da wohnte mein Mann mit den beiden Jüngsten hier und ich mit den sechs älteren Kindern in einer Notunterkunft in Eving.“ Doch diese räumliche Trennung lehnt sie aus mehreren Gründen mittlerweile ab: „Dort durften wir nicht mal eigene Möbel mitbringen. Außerdem gehören wir zusammen - wir sind doch eine Familie.“

Virus verschärft die Situation

Auf Dauer sei der momentane Zustand aber nicht tragbar, findet K., die ebenso wie der Rest der Familie von Hartz IV lebt: „Wir können zum Beispiel nicht alle gemeinsam essen, da der Tisch zu klein ist und ein größerer nicht hineinpasst. Deshalb müssen wir uns beim Essen in Gruppen abwechseln.“

In der jüngeren Vergangenheit habe sich die Situation aufgrund des Coronavirus sogar noch verschärft: Die Schule fiel aus, alle zehn Familienmitglieder verbrachten fast 24 Stunden zusammen in der Wohnung. Und eine Besserung ist erst Mitte August in Sicht. Denn ein Sohn leide unter Asthma und gehöre somit der Risikogruppe an, sagt Frau K.: „Deshalb sind auch die anderen Kinder bis nach den Sommerferien vom Unterricht freigestellt.“

Die Schulschließung habe außerdem zu einem Loch in der Haushaltskasse geführt. Da ihre Kinder nicht wie gewohnt in der Schule essen konnten, habe sie umso mehr Lebensmittel einkaufen müssen: „Und das wurde ganz schön teuer.“

Zumindest die räumliche Enge soll bald der Vergangenheit angehören, doch eine Wohnung mit drei Kinderzimmern zu finden, sei fast unmöglich, fährt die achtfache Mutter fort: „Wir haben uns so oft beworben, aber immer Absagen bekommen. Einmal hätte es in der Nähe des Borsigplatzes fast geklappt, aber dann wurde das Haus verkauft und wir bekamen die Wohnung wieder nicht.“ Dabei sei die Zahlung der Miete nicht das Problem, denn die würde ja vom Jobcenter übernommen.

Deshalb hofft die 31-Jährige nun auf Unterstützung bei der Wohnungssuche, die ihr schon nach der Geburt des siebten Kindes zugesagt worden sei, für das der Bundespräsident die Ehrenpatenschaft übernahm: „Wir haben zwar die 500 Euro als Patengeschenk bekommen, danach kam aber keine Hilfe mehr.“

„Auch an den Bürgermeister habe ich schon mehrfach geschrieben, aber keine Antwort erhalten“, fährt Frau K. fort. Auf RN-Nachfrage konnte die Stadtverwaltung den Eingang solcher Schreiben nicht bestätigen.

Möglichst kein Schulwechsel

Am liebsten wäre Familie K. erneut eine Wohnung in der Nordstadt, damit die Kinder nicht die Schule wechseln müssen. „Denn wenn das wieder passiert, geht es ihnen vielleicht so wie mir“, sagt der Mann von Frau K. „Ich kann nicht lesen und nicht schreiben - aber das ist sicherlich auch meine eigene Schuld.“

Wohnungssuche ist private Angelegenheit

  • Das Jobcenter ist für die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) zuständig und übernimmt auch die Mietkosten, sofern diese den Vorgaben entsprechen. Außerdem gehört es zu den Aufgaben des Jobcenters, die Kunden wieder für den Arbeitsmarkt fit zu machen.

  • „Um eine Wohnung müssen sich die Arbeitssuchenden in der Regel selbst kümmern“, sagt Michael Schneider, Sprecher des Jobcenters Dortmund. „Wenn sie eine neue Wohnung suchen, teilen sie uns das in einem Umzugsanliegen mit.“
  • Die selbständige Wohnungssuche sei schon deshalb der Normalfall, so Schneider, weil privatrechtliche Verträge weiterhin Angelegenheiten der Kunden blieben. Sollten die Kunden in Wohnungsnot geraten, gebe es aber Unterstützungsangebote des Jobcenters.
  • Bei Großfamilien sei es auch schon vorgekommen, dass sie zwei Wohnungen im selben Haus angemietet hätten. So bleibt eine räumliche Nähe vorhanden.
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