Wut in Dortmunder Gastro-Szene: „Irgendwer muss ja als Sündenbock herhalten“

dzCorona-Schließung

Ab Montag (2.11.) bleiben die Gaststätten bundesweit geschlossen. Dadurch soll die Corona-Pandemie gestoppt werden. Dortmunder Wirte können die Entscheidung der Politik nicht nachvollziehen.

Dortmund

, 28.10.2020, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Restaurants, Bars, Clubs, Kneipen und ähnliche Gastro-Betriebe werden geschlossen. Diese Entscheidung wurde am Mittwoch (28.10.) von der Bundeskanzlerin und den Regierungschefs der Länder beschlossen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause.

Das Infektionsgeschehen mit dem neuartigen Coronavirus soll dadurch bundesweit eingedämpft werden. Nach der Sperrstunde war das die nächste Hiobsbotschaft für Gastronomen auch in Dortmund.

Entscheidung der Politik nicht nachvollziehbar

„Es fühlt sich an wie im Film“, sagt Melly Wentzel-Terrahe, Inhaberin des Cafés Oma Rosa. „Ich könnte heulen. Ich bin so sauer über die Entscheidung der Politik.“ Richtig begreifen kann Melly Wentzel-Terrahe den Beschluss über die erneute Schließung aller Gaststätten noch nicht.

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Es fühle sich an, als werde einem der Boden unter den Füßen weggerissen, beschreibt sie. Dabei dachte sie gerade, dass sich die Gastronomie wieder auf einem „ganz guten Weg“ befinde. Jetzt steht das Café Oma Rosa wieder da, wo es im Frühjahr vor dem ersten bundesweiten Lockdown stand. Angst und Verzweiflung liegen in der Luft.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Melly Wentzel-Terrahe in ihrem Café Oma Rosa.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Melly Wentzel-Terrahe in ihrem Café Oma Rosa. © Jana Klüh

Verstehen kann Melly Wentzel-Terrahe die Entscheidung nicht. „Im öffentlichen Leben hätten wir Begegnungen von Menschen mit steuern können. Alles andere wird jetzt hinter geschlossenen Türen stattfinden“, sagt sie. Und auch, dass die Schulen und Kitas weiterhin geöffnet bleiben, begreife sie nicht, da das „die größten Massenveranstaltungen sind, die es derzeit gibt“.

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Trotzdem will die Inhaberin versuchen, sich mit ihrem Außer-Haus-Verkauf von Törtchen über Wasser zu halten, um damit die Fix-Kosten zahlen zu können. „Es kostet sehr viel Kraft, positiv zu bleiben. Aber ich bin eine Kämpferin und versuche weiterhin, die Oma Rosa am Leben zu halten“, sagt Melly Wentzel-Terrahe.

Für Florian Kohl, Inhaber des Restaurants Labsal, kommt die Entscheidung der Politik nicht komplett überraschend. Trotzdem findet er es sehr schade und bedauerlich, dass Gaststätten bundesweit ab Montag (2.11.) dicht bleiben müssen. „Ich habe Verständnis dafür, obwohl wir nicht so eine schlimme Branche sind“, sagt Kohl. „Irgendwer muss als Sündenbock herhalten.“ Denn auch das Robert-Koch-Institut sehe die Gaststätten nicht als Corona-Treiber.

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Ob ein Außer-Haus-Lieferdienst angeboten werden soll, weiß Florian Kohl bisher noch nicht. Am Montag wolle man sich mit den Mitarbeitern in einem Krisenstab beraten. Die Rücklagen seien zwar langsam aufgebraucht, trotzdem ist die Angst vor der Insolvenz noch nicht so groß - sofern die Schließung nicht über mehrere Monate gehe. Trotzdem sagt der Inhaber: „Die Verantwortung für andere wiegt stärker als für einen selbst.“

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