Wird sich die Raupen-Plage 2020 wiederholen? So lautet eine erste Prognose

dzEichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner, die Brennhaar-Raupe, hat in diesem Jahr mehr als 2000 Bäume in Dortmund befallen. Menschen mussten behandelt, Parks gesperrt werden. Das droht im nächsten Jahr.

Dortmund

, 08.10.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Eichenprozessionsspinner war in diesem Jahr in Dortmund eine lästige und nicht zuletzt gesundheitsgefährdende Plage. Wer mit seinen Brennhaaren in Berührung kam, litt unter Brennen, Pusteln und Quaddeln. Vorsorglich wurden über Wochen Grünanlagen gesperrt. Sogar Schulunterricht musste ausfallen.

Die Stadt machte an rund 170 Orten mehr als 2000 befallene Bäume aus, die meisten im Dortmunder Norden. Stadteigene Kolonnen und drei Fremdunternehmen haben die Nester mit den Raupen von den Bäumen gesaugt. Allerdings ist damit zu rechnen, dass dabei nicht alle Raupen, sondern nur etwa die Hälfte des Bestandes getötet wurde.

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Die Raupe ist eine Geißel

Der August war der Monat, von dem die Eichenprozessionsspinner-Dichte im nächsten Jahr abhängt. Weil er relativ trocken war, habe die Witterung der Raupe „nichts ausgemacht“, sagt Dr. Mathias Niesar, Leiter der Abteilung Waldschutzmanagement des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Hätte die Stadt aber gar nichts unternommen, würde es im nächsten Jahr noch schlimmer, als es ohnehin werden kann, sagt der Experte: „Der Eichenprozessionsspinner ist eine Geißel.“

Allerdings gibt es noch einen Unsicherheitsfaktor: den Winter. Mit der Abschwächung des Jetstreams durch den Klimawandel sind die Tiefdruckgebiete wie die Hochdruckgebiete im Sommer ortsfester als früher. Das bedeute, so Niesar, dass im Winter bitterkalte Nordpolarwinde für längere Zeit das Wetter bei uns bestimmen könnten. Niesar: „Dann gehen etliche kaputt.“

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Noch viel Glaskugel

Noch könne man allerdings nicht vorhersagen, ob der nächste Winter ein Polarwinter und so kalt wie 2010/2011 werde, sagt Markus Übel, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Selbst die vom europäischen Wetterdienst vorgenommenen Langzeitprognosen – nicht mehr als große Trends – reichten nur bis November, Anfang Dezember. Übel: „Da ist noch sehr viel Glaskugel.“

Die Stadt aber muss sich schon jetzt die Karten legen, wie sie mit dem Problem Eichenprozessionsspinner weiter umgehen will, und was das kosten wird. Die Raupen-Arbeitsgruppe werde sich am 14. Oktober treffen, teilt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage mit. Erst danach könne man Aussagen darüber treffen, wie man den Eichenprozessionsspinner künftig bekämpft.

Andere Städte hängen Nistkästen auf, um Meisen als natürliche Feinde im Kampf gegen die Raupe einzusetzen. Manche Kommunen bekämpfen sie mit biologischen Spritzmitteln (mit Bacillus thuringiensis) oder insektenparasitären Nematoden, durch Abflammen oder mit organischem Schaum. Dabei wird 97 Grad heißes Wasser über eine Lanze zusammen mit dem Schaum auf die Nester der Raupen gespritzt.

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