Im Fletch Bizzel wird sehr schnell auf die Änderungen der Coronaschutz-Maßnahmen reagiert. © Dieter Menne (Archiv)
Fletch Bizzel

Wie plant man Events und Aufführungen bei wechselnden Corona-Regeln?

Anforderungen und Einschränkungen ändern sich ständig für die Theater. Wie schafft man es trotzdem, Stücke und Aufführungen zu produzieren? So macht es das „Fletch Bizzel“.

Wenn am 17. April im Fletch Bizzel das Stück Femina Premiere feiert, werden die Zuschauer nur einen kleinen Teil der vorab nötigen Planungen sehen können.

Denn es ist die dritte Fassung von Femina, die nun voraussichtlich gezeigt werden wird. Dass die ersten beiden Versionen gar nicht erst das Scheinwerferlicht der Bühne sehen werden, liegt auch an der sich ständig ändernden Corona-Schutzverordnung mit all ihren Anforderungen und Einschränkungen.

„Das gesamte Jahr neu planen“

Nach jeder Bund-Länder-Konferenz, so berichtet die Geschäftsführerin Cindy Jänicke, „müssen wir das gesamte Jahr neu planen und wieder mit allen Künstlern sprechen“.

Bereits geplante und geprobte Stücke werden verschoben, Alternativen erarbeitet und manches wird „auf Halde gelegt“, um es zu einem späteren Zeitpunkt „rauszuhauen“.

„Das ist das Tetris-Spiel aller Häuser momentan – gerade noch so den Betrieb aufrechterhalten und neue Sachen produzieren.“ Jänicke sieht für das Fletch Bizzel dabei sogar einen Vorteil gegenüber größeren Häusern:

„Wir sind kleiner und dadurch auch flexibler“, sagt sie. Dadurch könne ihr Haus sehr schnell auf getroffene Maßnahmen reagieren. Mit schnell, meint Jänicke, innerhalb von Minuten und Stunden.

Bund-Länder-Konferenz im Live-Stream

Denn bereits nach der Veröffentlichung einer neuen Beschlussvorlage glühen die Drähte im Haus. Und nach einer Bund-Länder-Konferenz, so berichtet die Geschäftsführerin, setze sie sich an den Bildschirm, um die Pressekonferenz zu gucken und zu überprüfen, welche Beschlüsse und die damit einhergehenden Planungsänderungen dann auch durchgesetzt werden müssen.

Verdruss oder Resignation verspüre sie an solchen Abenden nicht mehr, mittlerweile „gehen wir da konstruktiv dran, wir haben aufgehört, Trauer oder Hoffnungslosigkeit zu haben. Wir versuchen, auf das zu reagieren, worauf wir können“.

Eine der Reaktionen ist die Anschaffung von neuem Equipment und die Kooperation mit einem Streaming-Spezialisten und einem Filmemacher. Auch die Zuschauer will man aktiv teilhaben lassen, anders als bei einem gewöhnlichen Stream. Dafür werden beispielsweise Formate geschaffen, die über Social Media den Live-Chat der Zuschauer berücksichtigen können.

Theater vor Publikum vielleicht im Sommer?

Auf manche der Konzepte will Jänicke auch in einer Post-Corona-Ära zurückgreifen, wenn die Bühnen wieder normal zu bespielen sind. Wann das allerdings sein wird, wagt die Geschäftsführerin nicht abzuschätzen.

„Kleinere Veranstaltungen ab Juli“, so hofft Jänicke, könnten aber schon wieder vor Publikum stattfinden. Auch das vom Fletch Bizzel veranstaltete Festival RuhrHochdeutsch soll von Juni bis Oktober vor Publikum stattfinden.

Die Zuschauer zumindest, würden für den Sommer wieder „mutiger“ beim Kartenkauf werden: „Das merkt man schon, die Leute buchen auch wieder.“ Beratung zu dem Programm und Tickets des Festivals sind auch im Servicecenter der Ruhr Nachrichten an der Silberstraße möglich.

Nach dem Sommer, hofft Jänicke, auch wieder auf der Bühne vor Publikum spielen zu können, die Möglichkeit sei zumindest „in den aktuellen Planungen immer mit einkalkuliert“.

Genau so mit einkalkuliert, sei allerdings auch „ein erneuter Lockdown oder Beschränkungen in irgendeiner Form“. Dann, so Jänicke, „reagieren wir wieder ad hoc“.

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