Wie es zum Corona-Ausbruch im Klinikum Dortmund kam

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15 Menschen haben sich im Klinikum Dortmund mit dem Coronavirus infiziert, ein Patient starb an Covid-19. Gleich zwei Auslöser haben zu dem Ausbruch in Dortmunds größtem Krankenhaus geführt.

Dortmund

, 10.06.2020, 19:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein medizinischer Notfall und keine Zeit mehr, Schutzkleidung anzulegen: Ein Arzt und eine Pflegekraft im Klinikum Dortmund konnten den Patienten retten, steckten sich aber bei ihm mit dem Coronavirus an.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist es unter anderem durch diesen Fall zu einem Ausbruch des Virus auf einer Station im Klinikum-Mitte gekommen.

Neun Mitarbeiter und sechs Patienten wurden bisher positiv auf den Erreger getestet. Ein 82-jähriger Patient starb nach Angaben der Stadt in der Zwischenzeit an den Folgen der Infektion - ob er einer der 15 Infizierten oder ein 16. Betroffener des Ausbruchs war, konnte die Stadt am Mittwochabend auf Nachfrage nicht beantworten.

Es gab aber noch eine zweite Infektionskette: Ihr Auslöser war ein Klinikum-Mitarbeiter. Wie die Geschäftsführung in einem internen Informationsschreiben vom 5. Juni, das dieser Redaktion exklusiv vorliegt, der Belegschaft mitteilte, fand das Virus nach dem Zuckerfest Eingang ins Krankenhaus.

Es hätte auch das Pfingstfest sein können, betonte die Geschäftsführung und nahm das zum Anlass, die „unbedingte Einhaltung“ der Abstandsregeln und der Basishygiene insbesondere in den Pausen einzufordern.

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Klinikum-Sprecher Marc Raschke bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, dass der Mitarbeiter privat das Zuckerfest gefeiert habe und mit einer unentdeckten Infektion zur Arbeit gekommen sei.

Auch wenn beide Infektionsketten auf ein und derselben Station aufgetreten sind, gehe das Klinikum davon aus, dass sie nicht in Zusammenhang stünden, so Raschke.

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Nach Angaben von Rudolf Mintrop, dem Vorsitzenden der Klinikum-Geschäftsführung, ist besagte Station – es handelt sich um die A16 – zurzeit für Neuaufnahmen gesperrt, solange bis sicher sei, dass es keine unerkannten Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus gebe.

Mitarbeiter mussten in häusliche Quarantäne. Ein infizierter Patient, der auf die Intensivstation musste, wurde ins Klinikum-Nord verlegt, alle anderen sind im Klinikum-Mitte auf der Covid-Isolierstation.

Hunderte getestet

Um unentdeckte Infektionen aufzuspüren und die Situation zu bewerten, wurden nach Angaben von Klinikum-Sprecher Raschke 2000 Tests bei Patienten und 450 bei Mitarbeitern im eigenen Labor durchgeführt.

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop: Die Station ist zurzeit für Neuaufnahmen gesperrt.

Klinikum-Chef Rudolf Mintrop: Die Station ist zurzeit für Neuaufnahmen gesperrt. © Dieter Menne

Alle Patienten, die im Klinikum neu aufgenommen werden, werden ohnehin standardmäßig auf Corona getestet. Der Notfall-Patient, bei dem sich Arzt und Pflegekraft angesteckt haben, war bereits aufgenommen, hatte aber beim Test ein falsch negatives Ergebnis. Das könne bei einer frischen Infektion vorkommen, sagte der Krankenhaus-Sprecher.

Klinikum-Sprecher: Im Krankenhaus am sichersten

Bei Notversorgungen könne so etwas immer wieder passieren, betonte Raschke: „Das ist das neue Normal.“ Auch nach der Anti-Rassismus-Demonstration mit 5000 Teilnehmern am vergangenen Wochenende müsse man damit rechnen, dass die Infektionszahlen wieder steigen.

Doch gerade das Klinikum mit seinem Institut für Krankenhaus-Hygiene könne gehäuft auftretende Fälle am ehesten managen, sagte Raschke: „Im Krankenhaus ist es am sichersten, besser als zum Beispiel im Pflegeheim. Hier können wir sofort reagieren und haben die entsprechenden Möglichkeiten zur Isolation.“

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Ohnehin gilt noch bis Ende Juni ein Besuchsverbot in den Dortmunder Krankenhäusern – von Ausnahmefällen abgesehen.

Warum das Gesundheitsamt, das täglich die neuen Infektionszahlen veröffentlicht, nicht angegeben habe, dass die zuletzt gestiegenen Zahlen auf den Ausbruch im Klinikum zurückzuführen sind, könne er nicht sagen, gab Raschke an.

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