Wie ein katholischer Kaplan aus Gelsenkirchen die Gründung des BVB verhindern wollte

dzBorussia Dortmund

Kaplan Hubert Dewald wollte 1909 die Gründung von Borussia Dortmund verhindern. Damit stachelte er die Rebellion von Franz Jacobi & Co eher an – und sorgte wohl für die Gründung des Vereins.

Nordstadt

, 23.11.2018, 12:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Glücklich war Kaplan Hubert Dewald nicht, als sich am 19. Dezember 1909 18 junge Burschen seiner Weisung widersetzten und einfach einen Fußballverein am Borsigplatz gründeten. Sogar eher erbost war er.

Schließlich war der Sonntag der Tag des Herrn, an dem der Körper sich erholen und die Seele zu Gott finden sollte. Und nicht der Tag des Fußballspielens. Ahnen konnte er damals ja noch nicht, dass Borussia Dortmund später mehrere Millionen Fans und rund 800 Fanclubs zählen würde.

Spielverderber oder Heiliger?

Liest man das, wirkt Dewald erstmal wie ein Spielverderber. Doch bei der Diskussionsrunde „Spielverderber oder Heiliger?“ in der Dreifaltigkeitskirche – der Geburtskirche des BVB und Dewalds alte Heimat – wird eins klar: Der Kaplan war eher ein Kind seiner Zeit. Und hat durch seinen Aktionismus eher die Rebellion um Franz Jacobi befeuert. Oder wie Pastor Ansbert Junk sagte: „Ohne Kaplan Dewald kein BVB.“

Wie ein katholischer Kaplan aus Gelsenkirchen die Gründung des BVB verhindern wollte

Die Dreifaltigkeitskirche auf einer Postkarte von 1900. © Gerd Kolbe

Um zu verstehen, was mit „Kind seiner Zeit“ gemeint ist, gab es am Montag erstmal eine historische Einordnung durch Annette Kritzler von „BorsigplatzVerführungen“. Die Dortmunderin ist Expertin, wenn es um den Borsigplatz geht. Als der noch junge Kaplan – 1882 in Gelsenkirchen geboren – 1906 nach Dortmund kam, war der Borsigplatz ein Arbeiterviertel, nachdem Hoesch 1871 gegründet worden war.

Während Junk die Entstehung des BVB Dewald mitanrechnet, geht Kritzler eher in eine andere Richtung: „Ohne Hoesch kein BVB.“ Denn die Gründungsmitglieder hatten alle familiäre Vergangenheit bei Hoesch und kannten sich aus der katholischen Jünglingssodalität (deutsch: „Jünglings-Kameradschaft“) Dreifaltigkeit. Die Arbeit war hart, Zwölf-Stunden-Tage die Regel, man lebte auf engsten Raum zusammen. So etwas wie Freizeit gab es nicht. Und es war eine Zeit, in der die Katholische Kirche noch eine andere Stellung einnahm, als es heute wohl der Fall ist. „Damals hatten die Worte eines Pfarrers noch Gewicht", verdeutlichte Pastor Ansbert Junk die Situation.

Franz Jacobi war stolz auf sein Handeln

Mit seinem Handeln, das Fußballspielen zu unterbinden, wollte der Kaplan eher den Gemeinschaftssinn stärken. Und genau das tat er auch – allerdings eher durch die Vereinsgründung am 19. Dezember 1909. Damals hatte er morgens von der Kanzel verkündet, dass es um 14 Uhr nun immer eine Andacht gebe. Genau zu der Uhrzeit, zu der sich die Fußball-Begeisterten eigentlich zum Pöhlen treffen wollten.

Jacobi wollte das nicht akzeptieren, lud abends zur Versammlung in die Gaststätte Wildschütz ein – und gründete die Borussia mit seinen Freunden. „Er war noch im hohen Alter darauf stolz, dass er sich dem Pfarrer widersetzt hat", erinnerte sich Historiker Gerd Kolbe, der Jacobi 1977 in Salzgitter besucht hat.

BVB „ist eine große Familie“

Die Gründungsmitglieder verankerten den Gemeinschaftssinn in der Vereinssatzung. Ein Punkt, den vor allem die Fanabteilung bis heute vorantreibt, wie Björn Hegemann vom BVB berichtete. „Wir sind eine große Familie", verdeutlichte er. Gerade nach den wiederaufkommenden Einschüchterungen von Rechtsextremen würde der BVB noch geschlossener stehen. Das wäre im Sinne Dewalds gewesen. Kein Diskutierender wollte ihn am Ende als Heiligen oder Spielverderber einordnen. Sondern einfach als gläubigen Katholiken.

Der Kaplan starb mit 36 Jahren – und fand seine letzte Ruhe auf Schalke.

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