Wie Dortmunder Lokale ihre Kellner ums Trinkgeld betrügen

dzGastronomie

Trinkgeld zu geben gehört zum guten Ton. Doch in manchen Dortmunder Kneipen und Restaurants landen die Extra-Euros nicht bei den Kellnern, sondern bei ihren Chefs – wegen illegaler Tricks.

Dortmund

, 03.08.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer Kneipe im Kreuzviertel wird der Geschäftsführer des Lokals nicht gerne im Laden gesehen – nicht von seinen Gästen, sondern vom eigenen Personal. „Denn dann gibt es immer weniger Trinkgeld“, sagt Manfred Sträter. Nur eine von vielen Geschichten, die der Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Dortmund erzählen kann, wenn es um Trickserei mit dem Trinkgeld in Dortmund geht.

Die Geschichte der Kreuzviertel-Kneipe hat Sträter von einem ehemaligen Kellner: In jenem Betrieb bestehe der Chef darauf, das Trinkgeld seiner Kellner zentral einzusammeln – mit der Begründung, es später fair zu verteilen. „Doch es versickert auch manchmal in den Taschen der Chefs oder wird benutzt, um zerbrochene Gläser zu ersetzen“, sagt Sträter.

Manchmal fordert der Chef Teile des Trinkgeldes zurück

Etwas über 10.000 Menschen arbeiten laut NGG in Dortmund im Gastgewerbe – doch ein Teil von ihnen kriege nicht das Trinkgeld, das ihnen zusteht. „Gerade in kleinen Betrieben kommt es immer wieder vor, dass der Chef die Trinkgeld-Kasse selbst verwaltet oder einen Teil vom sogenannten ,Tip‘ sogar vom Personal zurückfordert“, berichtet Manfred Sträter.

Dabei ist die Rechtslage klar: Das Trinkgeld gehört demjenigen, der es erhält. So regelt es die Gewerbeordnung. Zwar ist es in vielen Betrieben die Normalität, alle Trinkgelder in einem Topf zu sammeln und später gleichmäßig unter dem Servicepersonal zu verteilen, damit beispielsweise auch die Köche etwas vom Dank der Kunden für ein gutes Essen haben. Doch solche Töpfe zu verwalten sei nicht Sache des Chefs, sondern der Angestellten selbst, sagt Sträter.

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Dann kommt es auch nicht zu einem Missbrauch, der in einem anderen Dortmunder Lokal Alltag ist: Dort wird das Trinkgeld des Tages eingesammelt – und dafür genutzt, die Stundenlöhne der Kellner so aufzustocken, dass sie über dem gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 Euro die Stunde liegen.

Trinkgeld darf nicht den Stundenlohn ersetzen

„Das ist absolut unzulässig“, sagt Sträter. Denn auch hier ist die Gewerbeordnung eindeutig. Dort heißt es unter Paragraf 107: „Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt.“ Das heißt im Klartext: Trinkgeld darf nicht den Stundenlohn ergänzen oder gar ersetzen.

Doch was tun, wenn der Chef einen um sein Trinkgeld betrügt? Sträter weiß, dass viele in der Branche sich aus Angst um ihren Arbeitsplatz nicht trauten, etwas gegen die Trinkgeld-Tricksereien zu unternehmen. Betroffene sollten sich daher an die Gewerkschaft wenden, rät Gewerkschaftssekretär Sträter.

Zur Sache

Trinkgeld ist steuerfrei

  • Freiwillig gegebene Trinkgelder müssen nicht versteuert werden (Einkommenssteuergesetz, § 3 Absatz 51)
  • In Deutschland ist es üblich, zwischen 5 und 10 Prozent Trinkgeld zu geben.
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