Wie das „technische Wunder“ Westfalenhalle entstand

dzDortmunder Wahrzeichen

International große Beachtung fand der Neubau der Westfalenhalle in den 1950er-Jahren. Er war zugleich ein Riesenerfolg für einen noch jungen Architekten.

Dortmund

, 18.10.2018, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es dauerte lange, bis sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Stadtbild formte. Vor allem Wohnraum musste nach den Zerstörungen des Bombenkriegs dringend geschaffen werden. Doch die Stadt gönnte sich auch ein wenig Luxus – und setzte mit dem Bau der Westfalenhalle ein bauliches Zeichen. Sie ist eines von vielen Beispielen für Baukultur der 1950er-Jahre, die im Baukunstarchiv NRW am Ostwall eine besondere Rolle spielen wird.

Die alte hölzerne Westfalenhalle von 1926 war in Schutt und Asche versunken. Doch schon 1948 dachte man bei der Stadtverwaltung über einen Neubau nach. Er sollte ein Signal geben für den „Aufbruch in eine neue Zeit“, wie es Walter Höltje beschrieb. Dem 28-jährigen, frisch engagierten Diplom-Ingenieur in Diensten des städtischen Hochbauamtes wurden die Planungen anvertraut – nicht, ohne seinen Entwurf noch einmal der Konkurrenz der etablierten Architektenschaft auszusetzen.

Großer Erfolg für jungen Architekten

Führende Dortmunder Unternehmen wurden aufgefordert, auf der Basis von Höltjes Überlegungen eigene Vorschläge für einen Hallenbau zu machen. Am Ende blieb es bei Höltjes Entwurf. „Die eingereichten Entwürfe haben gegenüber dem von der Stadtverwaltung aufgestellten Vorentwurf keine Verbesserungen gebracht“, stellten die Gutachter im Mai 1950 fest. Höltje wurde nun offiziell mit den Planungen beauftragt.

Sein Entwurf war so einfach wie genial. Höltje schlug ein Oval vor, das die Form der Radrennbahn aufnahm, die wie schon in der alten Halle fest installiert werden sollte. Für die Dachkonstruktion entwickelte Höltje ein engmaschiges System aus stählernen Trägern und Bindern, die wie ein Spinnennetz zusammengefügt werden sollte. Auch für die Außenfassade setzte der Architekt auf eine Stahlkonstruktion, die komplett verglast wurde und so aus dem eigentlich geschlossenen Hallenkörper ein transparentes Gebäude machte.

Wie das „technische Wunder“ Westfalenhalle entstand

Wie eine Käseglocke stülpte sich die Stahlkonstruktion für Dach und Fassade über das Innere der neuen Westfalenhalle. © Archiv Westfalenhalle

So konnten beim Bau der Halle die Dortmunder Stahlbaufirmen ihr Können zeigen. Von Jucho über Klönne und Dörnen bis zur Union-Brückenbau waren viele große Namen beteiligt. Schon im August 1950 begannen die Bauarbeiten. „Die Ausschachtungsarbeiten für den Neubau der Westfalenhalle sind in vollem Gange“, berichteten die Ruhr Nachrichten. „Vier Bagger waren gestern eingesetzt, den 13 bis 27 Meter breiten und 2,90 Meter tiefen Fundamentgraben, der ringförmig abgesteckt wurde, auszuschaufeln.“

Wie das „technische Wunder“ Westfalenhalle entstand

Baustellen-Spaziergang: Die Bauarbeiten an der Halle, vor allem die Montage der Stahlbinder stießen bei den Dortmunder auf großes Interesse. © Archiv Frank

Auf großes Interesse stieß die Montage der Stahlkonstruktion, die in nur drei Monaten über die Bühne ging. Am 23. Juni 1951 konnten die Stahlbauer Richtfest feiern. Dann begann der Endspurt beim Innenausbau. Denn die Eröffnung war für den 2. und 3. Februar 1952 fest geplant. „In der Westfalenhalle, der Halle der Superlative, steigert sich der Endspurt der Fertigstellungsarbeiten zu einem gewaltigen Furiosum. In den Wandelgängen, auf den Rängen, auf der geheimnisvollen Beleuchterbühne, im Keller und auf dem Vorgelände wimmelt es von Bauhandwerkern und Spezialisten“, hieß es am Tag der Eröffnung in einem Zeitungsbericht.

Wie das „technische Wunder“ Westfalenhalle entstand

Walter Höltje (stehend li.) war der Architekt der Westfalenhalle. Bei der Eröffnung machte er die Bekanntschaft mit Bundespräsident Theodor Heuss (r.). © Archiv Westfalenhalle

Die Eröffnung mit Bundespräsident Theodor Heuss und vielen bekannten Sportlern unter dem Motto „Olympia ruft“ wurde ein voller Erfolg. Vom „technischen Wunder Westfalenhalle“ war die Rede. „Die Premiere hat die letzten Zweifel an der Berechtigung eines solchen Mammutwerkes und der in diesen Bau investierten 9 Mio. DM beseitigt“, hieß es in einem Bericht der Westfälischen Rundschau zur Eröffnung. „Die alte berühmte Westfalenhalle hat sich wie Phönix aus der Asche erhoben, größer und imposanter als je zuvor“, schrieb ein schwedischer Journalist.

Ein besonderer Schatz der Baukultur sind deshalb die Bauakten und Pläne Höltjes, die nach Aufarbeitung durch das Westfälische Wirtschaftsarchiv im Archiv der Westfalenhalle gehütet werden.

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