Auch die Senkung der Mehrwertsteuer für körpernahe Dienstleistungen war eine Forderung auf der Demo am Samstagnachmittag auf dem Friedensplatz. © Oliver Schaper
Demo auf dem Friedensplatz

Westpark-Friseur: „Bei einem dritten Lockdown werde ich zum Kamikaze“

Es waren gerade mal rund 40 Teilnehmer bei der Demonstration gegen den Lockdown auf dem Friedensplatz, zu der ein Friseur aufgerufen hatte. Doch die Wenigen hörten eine provokante Ankündigung.

Friseur Frank Griewel, der einen Salon im Westpark hat, hätte sich sicherlich mehr Teilnehmer bei der von ihm organisierten Demo gegen die Corona-Politik und den Lockdown gewünscht. Dabei war die Demonstration nicht nur für Friseure gedacht, sondern für den gesamten „Mittelstand in Not“.

Auch wenn Friseure am 1. März wieder öffnen dürfen, „ist unser Kollateralschaden mindestens so groß wie eurer“, sagte Griewel von der Bühne auf einem kleinen Laster in die überschaubare Menge, „und eine Woche Vorsprung ist nicht die Welt.“

Griewels Kritik richtete sich gegen die „Soforthilfe“ des Bundes, die sich als Sofortkredit entpuppt habe – in seinem Fall in Höhe von 9000 Euro –, die er nicht zurückzuzahlen bereit sei. Und auch die Überbrückungshilfe sei ein „absolutes Trauerspiel. Wenn uns ein totales Berufsverbot auferlegt wird, dann muss Hilfe da sein, nicht erst im April, Mai oder Juni, sondern sofort“, forderte der 53-Jährige.

Stadt hat Gewerbesteuer abgebucht

Der Lockdown habe die Stadt nicht daran gehindert, Gewerbesteuer von seinem Konto abzubuchen. „Eine bodenlose Frechheit, ich habe zurzeit kein Gewerbe“, schimpfte er. Er stehe mit seiner Kritik für alle Gewerke, die nicht arbeiten dürften wie Kosmetik- und Fitnessstudios, Tätowierer und kleine Modeläden.

Rund 40 Teilnehmer hatte die halbstündige Demo am Ende. Da war das obligatorische Abstandhalten nicht schwer.
Rund 40 Teilnehmer hatte die halbstündige Demo am Ende. Da war das obligatorische Abstandhalten nicht schwer. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Er nehme das Virus sehr ernst, versicherte Griewel, doch bei einem dritten Lockdown mache er nicht mehr mit: „Ich würde meinen Laden aufmachen und alle Mittelständler bitten, es drauf ankommen zu lassen.“

Nicole und Alex Handtke, beide knapp 50, haben ihr Kosmetikstudio in der Wißstraße wegen des Lockdowns aufgegeben und wollen sich künftig kleiner setzen. „Wir wollten nicht mit fast 50 in die Insolvenz gehen“, sagte Alex Handtke in seiner Ansprache, „wir haben zum 15.2. unseren Laden geschlossen. Wir vertrauen unseren Politikern einfach nicht mehr.“

„Der Staat schließt uns zu“

Der Lockdown-Wahnsinn nehme keine Ende, kritisierte der Unternehmer: „Wir haben keine Angst vor Armut, wir haben mittlerweile die größte Angst vor den Entscheidungen unserer Politiker. Der Staat schließt uns zu, aber er schützt uns nicht.“

Er hoffe, sagte Friseur Griewel nach einer halben Stunde zum Abschluss der Demo, „dass es der Politik gelingt, einen logischeren Weg aus der Pandemie zu finden, als ständig nur einen neuen Lockdown zu verhängen. Bei einem dritten Lockdown werde ich zum Kamikaze. Ich bin nicht dabei.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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