Weniger Sonderpädagogen trotz Mord-Komplott gegen Lehrer: Das ist der Hintergrund

dzMartin-Luther-King-Gesamtschule

Trotz des geplanten Mords an einem Lehrer vor wenigen Monaten werden Sonderpädagogen von der Martin-Luther-King-Schule abgezogen. Die Bezirksregierung nennt nun die Gründe dafür.

Dortmund

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor zwei Monaten, im Mai, verbündeten sich drei Schüler, um ihren Lehrer an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld zu töten. Der Plan: Ihr Opfer in einen Hinterhalt locken, den Mann dann mit Hämmern erschlagen. Der Mord-Plan scheiterte, weil der Lehrer misstrauisch wurde. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen, der Lehrer selbst wandte sich mit einem bewegenden Facebook-Post an die Öffentlichkeit.

Auf dem Weg zurück zur Normalität wurde das Kollegium in dieser Woche von einer Nachricht der Bezirksregierung Arnsberg geschockt: Im neuen Schuljahr, das Ende August beginnt, sollen sie mit 1,5 Stellen weniger auskommen. Sonderpädagogen, die die Schule im vergangenen Jahr mit 36 Unterrichtsstunden pro Woche unterstützt haben, werden im nächsten Schuljahr an andere Schulen versetzt. Das bestätigt auch Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, gegenüber dieser Redaktion.

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Die „Abordnung“, eine Art Lehrer-Verleih, war auf ein Jahr befristet und wird laut Söbbeler nicht verlängert. Zusammen mit drei anderen Sonderpädagogen, die auch weiterhin an der Schule unterrichten werden, waren die abgeordneten Kollegen für „inklusiv zu beschulende Kinder“, wie Söbbeler sie nennt, verantwortlich.

Schulleiterin: „Vertrauen wird zunichte gemacht“

Im kommenden Schuljahr sollen aber keine neuen Inklusionsschüler aufgenommen werden, weswegen die Bezirksregierung sich entschieden hat, die zusätzlichen Sonderpädagogen an andere Schulen zu versetzen. Mit dem Vorfall im Mai steht das jedoch offenbar in keinem Zusammenhang.

Schulleiterin Ellen Kreis zeigte sich im Gespräch mit unserer Redaktion dennoch enttäuscht. „Das wird den Kindern nicht gerecht“, sagte sie. „Hier geht es um Kinder, die Vertrauen zu ihren Lehrkräften gefasst haben“, sagt sie. Dieses Vertrauen werde durch die Kürzung zunichte gemacht. Diese Umstrukturierungen würden auch Klassenlehrer betreffen.

Dortmunder Schulamt sucht Lösung

Die Bezirksregierung wiederum verweist auf den landesweiten Mangel an Sonderpädagogen und erklärt, dass beispielsweise Förderschulen noch dringender auf diese angewiesen seien. „Alle, die an dieser Entscheidung beteiligt waren, wissen, dass die Schulen große und komplexe Probleme stemmen müssen“, sagte Stöbbeler. Man habe sich die Entscheidung alles andere als leicht gemacht. Die Ressourcen der Sonderpädagogen seien aber nun mal begrenzt.

Die Bezirksregierung zeigt sich jedoch gesprächsbereit. Mit dem Dortmunder Schulamt wolle man schauen, welche Unterstützung die Martin-Luther-King-Gesamtschule dennoch bekommen könne.

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