Arbeit in Dortmund nach Corona: mehr Homeoffice, weniger Dienstreisen

dzUmfrage bei Unternehmen

Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Viele Menschen arbeiten seither im Homeoffice. Aber wie geht es nach der Krise weiter? Wir haben bei Dortmunder Unternehmen nachgefragt.

Dortmund

, 19.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Umstellungen zu Beginn der Corona-Krise war groß. Urplötzlich mussten zahlreiche Angestellte ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlagern. Jetzt, knapp drei Monate später, beginnen die ersten Dortmunder Unternehmen damit, ihre Angestellten wieder in die Büros zurückzuholen.

Also alles nur eine vorübergehende Maßnahme oder könnte die Corona-Krise dauerhafte Veränderungen im Arbeitsalltag bewirken? Die Meinung der großen Dortmunder Arbeitgeber ist eindeutig.

IT-Infrastruktur muss teilweise ausgebaut werden

Es war eine unerwartete Bewährungsprobe für viele Unternehmen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurden mit Beginn der Pandemie zahlreiche Angestellte ins Homeoffice geschickt. Vielerorts wurde das zu einer enormen Herausforderung.

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„Für unsere IT war der Ausbau der Infrastruktur ein Kraftakt. Vor der Corona-Krise waren 172 unserer 647 aktiven Mitarbeiter für eine Testphase zu 50 Prozent im Homeoffice“, erklärt Bettina Kiwitt von der BIG Krankenversicherung.

Veränderungen vor allem bei Dienstreisen

Aktuell seien 546 Mitarbeiter Vollzeit im Homeoffice. Innerhalb von fünf Wochen habe die IT somit fast die gesamte Belegschaft ins Homeoffice gebracht. „Ein Großteil unserer Mitarbeiter ist mit dem Homeoffice sehr zufrieden, allerdings fehlt den Angestellten zunehmend auch der persönliche Kontakt zu den Kollegen“, so Kiwitt.

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Für die Zeit nach der Corona-Krise wolle man das Thema Homeoffice völlig neu bewerten. Eine Veränderung werde insbesondere die Dienstreisen betreffen. Laut Kiwitt werde man davon künftig deutlich weniger unternehmen. „Die Erfahrungen aus der Krise haben uns darin bestärkt, die Digitalisierung des gesamten Unternehmens weiter voranzutreiben.“

Angestellte kommen aus Homeoffice zurück

Bei der Signal Iduna Gruppe verlief die Umstellung der Arbeitsprozesse augenscheinlich etwas einfacher. Schon vor der Krise habe für alle Mitarbeiter der Versicherung grundsätzlich die Möglichkeit bestanden, im Homeoffice zu arbeiten, betont Sprecherin Ann-Kathrin Wacker. „In der letzten Zeit lagen wir jetzt bei einer Homeoffice-Quote von 80 Prozent. Das fahren wir nun wieder auf knapp 50 Prozent herunter.“

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Wacker zufolge werde man aus dieser Zeit aber wertvolle Erfahrungen für den späteren Geschäftsalltag mitnehmen. „Wie sich diese konkret auswirken, gilt es aber noch zu prüfen.“

An der TU sind knapp 90 Prozent im Homeoffice

Auch die TU Dortmund verzeichnete mit Beginn der Corona-Krise einen drastischen Anstieg der Homeoffice-Quote. Vor der Pandemie seien knapp drei Prozent der rund 2000 Vollzeit-Mitarbeiter zumindest teilweise im Homeoffice gewesen, erklärt Sprecher Martin Rothenberg. „Jetzt sind es beinahe 90 Prozent und die Arbeit funktioniert sehr gut.“

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Unterdessen sieht man laut Rothenberg durchaus eine „Chance in der Krise“: „Die derzeitige Praxis kann natürlich ein Anstoß sein, um möglicherweise auch in Zukunft verstärkt auf das Arbeitsmodell Homeoffice zu setzen.“

An der Fachhochschule Dortmund haben in den vergangenen Wochen hingegen jeder Fachbereich und jede Abteilung für sich entschieden, ob Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt werden sollen oder nicht.

„Voraussetzungen besser als jemals zuvor“

Derweil beobachte man hier unter anderem auch aus forschungstechnischer Sicht die Entwicklung der Arbeitswelt sehr genau, wie die Hochschulleitung auf Anfrage mitteilte: „Die Situation entwickelt sich weiter und ändert sich stetig. Unsere Aufgabe wird es sein, darauf flexibel und kreativ, durchdacht und mit Sorgfalt zu reagieren.“

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Ob die derzeitigen Veränderungen allerdings von Dauer sein werden, müsse man abwarten. Allerdings seien die Voraussetzungen für die häufigere Nutzung des Homeoffices „besser als jemals zuvor“, so die Hochschulleitung.

Vermehrt auf Homeoffice setzen. Das will man auch beim Dortmunder Pumpenhersteller Wilo und das völlig unabhängig von der Corona-Krise. „In Zukunft werden die Kollegen vermehrt Gebrauch vom Homeoffice machen. Dies hat aber vor allem mit dem Neubau des Wiloparks zu tun“, betont Pressesprecher Klaus Hübscher.

Krise hat Akzeptanz für andere Arbeitsmodelle erhöht

Dennoch hat die Pandemie auch bei Wilo zu enormen Veränderungen geführt. Waren es zuvor weltweit durchschnittlich knapp 400 Mitarbeiter, die täglich im Homeoffice gearbeitet haben, seien es in den vergangenen Wochen zu Spitzenzeiten sogar mehr als 4000 Kollegen gewesen.

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Doch auch hier kehrt langsam wieder ein Stück Normalität ein. „Am Standort Dortmund wird derzeit eine schrittweise Erhöhung der Bürobelegung von 25 auf 40 Prozent umgesetzt“, sagt Hübscher.

Stadt Dortmund will sich neu ausrichten

Während der Corona-Krise hat man laut Pressesprecher Frank Bußmann auch bei der Stadt Dortmund wertvolle Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht. So sei beispielsweise deutlich geworden, dass „es einer zentralen Plattform bedarf, die es ermöglicht, die digitale interne und externe Kommunikation aufrecht zu erhalten und den Kontakt zu Kollegen nicht zu verlieren“.

Auch die Stadt sei jedoch mittlerweile dazu übergegangen, die Mitarbeiter nach und nach wieder aus dem Homeoffice zurückzuholen. Dennoch plane man eine gesamtstädtische Neuausrichtung zur „Mobilen Arbeit“ und zum Homeoffice. „Hierzu wird zeitnah die entsprechende Dienstvereinbarung in Abstimmung mit dem Personalrat und weiteren Akteuren überarbeitet“, so Bußmann.

Dieser Artikel wurde am 19. Juni um die Stellungnahme der Stadt Dortmund erweitert.

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