Immer mehr Internet-Bestellungen: Fünf mal mehr Zollbeamte als früher kontrollieren Pakete

dzZollamt Ost

Immer mehr Pakete gehen durch die Hände der Mitarbeiter im Paketzentrum des Zollamts Ost in Dortmund. Die Beamten haben schon viel Kurioses gesehen. Wann müssen diese geöffnet werden?

Dortmund

, 09.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Auf dem Postweg legen viele Dinge weite Strecken zurück. Die unglaublichsten Dinge. Ob lebende Ameisen im Reagenzröhrchen oder gefälschte Potenzmittel. Getrockneter Fisch oder augenscheinliche Markenschuhe mit Rechtschreibfehlern. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Jörg Osbahr, Leiter des Zollamts Ost.

In dem Zollamt am Dortmunder Flughafen, das für Dortmund und den Kreis Unna zuständig ist, haben sie schon einiges gesehen. Der Zoll sei alles andere als langweilig, sagt Osbahr deshalb. „In jedem Paket kann sich eine Überraschung verbergen.“

Das besondere Geruchserlebnis im Lagerraum

Im Zollamt Ost gehen täglich rund 50 Pakete ein und aus. Päckchen in allen Farben und Formen, Größen und Gewichten. Oder auch Gerüchen. Osbahr erzählt von dem Paket mit dem getrockneten Fisch, das für ein ganz besonderes olfaktorisches Erlebnis im Paket-Lagerraum an der Giselherstraße sorgte.

Immer mehr Internet-Bestellungen: Fünf mal mehr Zollbeamte als früher kontrollieren Pakete

Jörg Osbahr, Leiter des Hauptzollamts Ost zeigt den Lagerraum. Viele Pakete kommen aus Asien, aber auch die USA ist stark vertreten, erklärt er. © Wilco Ruhland

Grundsätzlich käme „jedes Paket aus einem Drittland“ durch die Zoll-Kontrolle, erklärt er. Das heißt: jedes, das aus einem Nicht-EU-Staat kommt.

Nicht alle Pakete werden geöffnet. Zunächst erfolgt eine Vorsortierung in sogenannten Postverteilungszentren. So eines sitzt etwa in Frankfurt.

Empfänger öffnet Paket selbst

Doch viele Pakete können nicht – wie der Zöllner sagt – „abgefertigt werden“. Das kann unterschiedliche Gründe haben. Auf der Sendung muss etwa der Inhalt und Warenwert angegeben werden. Es reiche schon, wenn diese Angaben unvollständig oder nicht vorhanden seien. Der Zoll ist dafür da, für die richtige Versteuerung zu sorgen – aber auch Schmuggel zu bekämpfen.

Immer mehr Internet-Bestellungen: Fünf mal mehr Zollbeamte als früher kontrollieren Pakete

Die Paketempfänger öffnen die Pakete vor dem Zollbeamten in der Regel selbst. © Wilco Ruhland

„Oft ist es aber auch Instinkt und Erfahrung“, erklärt Zollamtsrat Osbahr, wann Pakete genauer unter die Lupe genommen werden. Doch nicht der Zoll selbst öffne das Paket. In der Regel öffne der Empfänger die Zusendung vor den Augen eines Zollbeamten, erklärt er.

Schnappmesser mit zu langen Klingen und Schuhe mit Rechtschreibfehlern

1997 hat das Zollamt Ost an dieser Stelle mit einem Mitarbeiter in der Postabfertigung begonnen. Mittlerweile kümmern sich vier bis fünf Zollbeamte um die Pakete. „Das liegt an der Masse der Internetbestellungen“, sagt Osbahr.

Verstöße gibt es dabei einige. Verstöße gegen das Waffengesetz: Etwa die derzeit beliebten Schnappmesser mit zu langen Klingen. Arzneimittelverstöße: Privatpersonen dürfen per Post- oder Kurierversand grundsätzlich keine Arzneimittel aus dem Ausland beziehen.

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Verstöße gegen den Markenschutz: Plagiate, zum Beispiel von Modeartikeln. Brettharte Plastik-Sneaker unter dem Logo der Marke Adidas. Auf der Zunge findet sich ein einziger Buchstabensalat in dem Satz, der im Original eigentlich „The brand with the 3 Stripes“ heißen soll.

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Mit am häufigstens hat das Zollamt mit gefälschten Modeartikeln zu tun. Aber auch Arzneimittel spielen eine große Rolle. © Wilco Ruhland

Oder auch: Verstöße gegen den Artenschutz. Ein Leder, bei dem nicht ganz klar ist, ob es von einer geschützten Tierart stammt. Es gebe da bestimmte Verfahren, um so etwas zu testen, sagt Osbahr. „Wenn wir da aber gar nicht weiterkommen, arbeiten wir mit dem Dortmunder Zoo zusammen“, erklärt er. Das Zollamt kontaktiere Zoodirektor Dr. Brandstetter, um sich tierische Expertise zu holen.

Die eingangs erwähnten Ameisen stellten übrigens keinen Verstoß gegen den Artenschutz dar. Die Tiere seien keine geschützte Art gewesen und nach Rücksprache mit dem Veterinäramt der Stadt Dortmund überließ der Zoll das Paket dem Empfänger, erinnert sich Jörg Osbahr. Ungewöhnlich – aber in diesem Fall nicht verboten.

Darum bekämpft der Zoll Plagiate

Markenfälschungen verfolgen die Zöllner aus zweierlei Gründen. „Das macht die Wirtschaft kaputt und unter Umständen auch die Gesundheit“, erklärt Zoll-Sprecherin Andrea Münch.

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Mit am häufigstens hat das Zollamt mit gefälschten Modeartikeln zu tun. Aber auch Arzneimittel spielen eine große Rolle. © Wilco Ruhland

„Schätzungen gehen davon aus, dass durch Produktpiraterie alleine in Deutschland zehntausende Arbeitsplätze gefährdet sind“, heißt es dazu in der allgemeingültig formulierten Erklärung des Zolls.

2018 Plagiate im Wert von über 900.000 beschlagnahmt

Dem Hauptzollamt Dortmund untersteht nicht nur das Zollamt Ost sondern auch die Zollämter Hagen, Lüdenscheid, Siegen, Gelsenkirchen Bochum und Flughafen (Fracht-Abfertigungen). Diese Ämter kommen im Jahr 2018 auf 11.058 beschlagnahmte Waren, die unter Marken- und Produktpiraterie fallen – mit einem Wert von 901.281 Euro.

Das Herkunftsland kann schon einiges über die mögliche Art des Verstoßes sagen – oder zumindest den Instinkt des Zollbeamten ankurbeln. „Wenn es um Markenschutz geht, kommen die Waren oft aus Asien, vor allem China“, sagt Osbahr. 76 Prozent der aus Markenschutzgründen beschlagnahmten Waren des Hauptzollamtes Dortmund mit all seinen Zollämtern kam hierher.

„Wenn’s aus Afrika kommt, kann‘s auch immer spannend werden“, sagt der Zollamtsrat. Da gehe es dann häufig um exotische Lebensmittel, wie im Falle des stinkenden Fisches.

Im Zweifel: beim Zollamt anrufen und nachfragen

Zur Info

Das Zollamt Ost

  • Adresse: Giselherstraße 16, 44319 Dortmund
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 7.15-16 Uhr; Freitag: 7.15-15 Uhr
  • Telefon: (0231) 2292850

Eine Faustregel zu benennen, was es für Kunden zu beachten gibt, sei schwierig, meint der Leiter des Zollamts Ost. „Man sollte darauf achten, nur in offiziellen Stores zu kaufen“, meint Osbahr. Wenn man für Markenprodukte aus dem Ausland viel zu wenig bezahle, solle man misstrauisch werden, findet er. Und: „Auf das Impressum, den Standort und auch auf Rechtschreibfehler achten“, sagt er.

„Ich finde, man sollte den normalen Menschenverstand benutzen. Manche Sachen muss man auch einfach nicht aus einem Drittland bestellen.“ Im Zweifel gelte: „Bei uns anrufen und nachfragen. Wir geben vorher Auskunft“, appelliert Jörg Osbahr.

Das gilt es bei Zusendungen aus Nicht-EU-Staaten grundsätzlich zu beachten:

  • Es gibt Einschränkungen für bestimmte Waren. Für manche Zusendungen aus Nicht-EU-Staaten brauch man Genehmigungen. Auch hier gibt es unterschiedlichste Unterkategorien. Einiges ist komplett verboten.

  • Grundsätzlich gehen Postsendungen aus einem Nicht-EU-Staat durch den Zoll. Ob Zoll oder Steuern bezahlt werden müssen hängt von Art und Wert der Waren ab.

  • Grundsätzlich gilt: Für Waren mit einem Wert von unter 22 Euro wird weder Zollabgabe noch Einfuhrumsatzsteuer (entspricht der Mehrwertsteuer) erhoben. Bis 150 Euro wird die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Bei Sendungen mit einem Wert über 150 Euro gilt es beide Abgaben zu leisten. Bei Geschenksendungen liegt die unterste Grenze bei 45 Euro.

  • Wessen Paket beim Zoll liegt, der muss schnell sein. Grundsätzlich gibt es für Pakete, die unter zwei Kilogramm wiegen, eine Lagerungsfrist von 14 Tagen. Alles darüber hat lediglich eine Frist von 7 Tagen. Wird der Zielempfänger innerhalb dieser Frist nicht im betreffenden Zollamt vorstellig, geht das Paket zurück zur Post und von da zurück zum Absender.
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