Torsten Brockhoff (in rot) und sein Kanzlei-Team pflegen, wie er sagt, ein freundschaftliches Verhältnis. Zumindest zeitweise sind sie nun auch direkte Nachbarn. © Bastian Pietsch
Normales Homeoffice nicht möglich

Wegen Corona: Anwalts-Angestellte ziehen in Wohnmobile vor Kanzlei

Weil Homeoffice für seine Mitarbeiterinnen nicht möglich sei, hat ein Dortmunder Rechtsanwalt vor seiner Kanzlei zwei Wohnmobile aufgestellt. Seine Angestellten arbeiten darin nicht nur.

Die Arbeit von zu Hause aus kann durchaus einige Schwierigkeiten mit sich bringen: Eine langsame Internetverbindung, alte Geräte, ein fehlender Schreibtisch oder Platzkämpfe mit der Familie. Torsten Brockhoff hat für seine zwei Mitarbeiterinnen eine Lösung für diese Probleme organisiert. Er hat ihnen zwei Wohnmobile vor seine Anwaltskanzlei gestellt.

„Ich hab mitbekommen, dass es in anderen Kanzleien Schwierigkeiten wegen Corona-Fällen gegeben hat“, sagt Torsten Brockhoff. Angesichts der steigenden Zahlen in Dortmund sei ihm dann eine Idee gekommen: „Im Urlaub arbeite ich manchmal auch aus dem Wohnwagen heraus. Da habe ich meine Mitarbeiterinnen mal gefragt, ob sie bereit wären, die Arbeit in einem Wohnmobil fortzusetzen.“

„Fehlen würde mir nichts“

Die zwei Fahrzeuge vor seiner Kanzlei BST Rechtsanwälte in Dorstfeld werden also nun – erstmal als Test für eine Woche – von je einer Rechtsanwalts- und Notar-Fachangestellten benutzt – und zwar nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als echtes Übergangs-Zuhause.

„Nur, wenn die Mitarbeiterinnen das mittragen und sagen, dass wir das fortsetzen sollen, machen wir das. Ich hoffe natürlich, dass die Zahlen so sinken, dass wir zu einem normalen Arbeitsplatz zurückkehren können.“

Anja Barthoff ist eine der zwei Mitarbeiterinnen, die in die Wohnmobile einziehen. Sie scheint sich am ersten Tag recht wohl zu fühlen: „Ich hab meine Bücher, es gibt einen Fernseher hier, ich muss den Haushalt nicht machen. Also fehlen würde mir glaube ich nichts.“

Heimarbeit bei ihr zu Hause sei schwierig, weil das die Internetverbindung nicht hergebe. Zudem habe sie – wie ihre Kollegin im zweiten Wohnwagen – ein Familienmitglied, das ein besonderes Ansteckungsrisiko habe: Ihre erwachsene Tochter arbeite im Gesundheitsbereich, erzählt sie.

Auch Datenschutz macht Homeoffice schwierig

Doch auch für Torsten Brockhoff wäre es nicht so einfach, Homeoffice für seine Mitarbeiterinnen zu organisieren. Zum Beispiel wegen des Datenschutzes: „Ich bin der Meinung, dass bei Anwälten wegen der Verschwiegenheit Homeoffice fast unmöglich ist.“ Er habe viele Unternehmenskunden, deren Vorgaben er beachten müsse.

„Es dürfen ja weder Akten aus der Kanzlei raus, noch dürften zum Beispiel Familienmitglieder auf Bildschirmen mitlesen können. Das ist meistens sehr schwierig.“

Aber auch die Arbeitsbedingungen im Wohnmobil seien für seine Mitarbeiterinnen besser. Sie können dort die Geräte aus der Kanzlei nutzen. Kabel verbinden sie fest mit deren Netzwerk. Und: „Die Sitze in den Wohnmobilen sind besser als jeder Küchen-Arbeitsplatz.“

Strom und Wasser für die Wohnmobile laufen ebenfalls über die Kanzlei und müssten nicht hinterher zwischen Brockhoff und seinen Angestellten abgerechnet werden – wie das im Homeoffice der Fall wäre.

Anfangs auch ein Statement

Die Wohnmobile selbst sind übrigens nigelnagelneu, riechen sogar noch danach. Sie stammen vom Verleih McRent. „Ich habe einen Freund angesprochen, der die Wohnmobile vermietet und mir die zu einem Vorzugspreis zur Verfügung gestellt hat“, sagt Torsten Brockhoff.

Das trage sicher dazu bei, dass sich der Aufwand für ihn rechne. Er betont aber auch: „Es ist für mich günstiger, einen Mietpreis zu zahlen, als eventuell Arbeitsausfall in Kauf nehmen zu müssen.“ Die Wohnwagen seien also auch eine Vorbereitung auf eine mögliche Home-Office-Pflicht für Büro-Tätigkeiten.

Steht hinter der kuriosen Aktion auch eine politische Motivation? Ein Vorführen der Corona-Regel, die in der Praxis gelegentlich unerwünschte Nebeneffekte haben? „Anfangs war das durchaus auch ein Statement. Aber die Notwendigkeit für so etwas nimmt aus meiner Sicht eigentlich zu.“

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch
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