Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

dzSoziales Engagement

Ende 2012 hat der BVB seine Stiftung „leuchte auf“ gegründet. Mehr als eine Million Euro hat diese seitdem gesammelt und 130 Projekte umgesetzt. Ein Bereich soll noch mehr gestärkt werden.

Dortmund

, 03.12.2018, 12:18 Uhr / Lesedauer: 5 min

Der BVB ist als Fußballklub auf der ganzen Welt bekannt. In Dortmund und der Region sind die Menschen untrennbar mit schwarz und gelb verbunden. Wer hier lebt, der hält es auch mit der Borussia. Mit dieser Strahlkraft, dieser Verbundenheit der Menschen mit ihrem Fußballverein geht für die Verantwortlichen des BVB nicht nur eine sportliche, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung einher. Borussia Dortmund kann viel bewegen – auch sozial.

Um dieses Engagement, das es schon seit der Gründung des Vereins vor mehr als 100 Jahren gibt, zu bündeln, hat der BVB im November 2012 eine eigene Stiftung gegründet. Um noch mehr Verantwortung übernehmen zu können, um den Menschen, die hier leben, helfen zu können, wenn sie Hilfe brauchen.

In Dortmund für Dortmunder

Die Stiftung „leuchte auf“ setzt sich vor allem für Dortmunder und deren Belange ein. Und weil es unmöglich ist, in allen Lebensbereichen zu helfen, konzentriert sich die Stiftung vor allem auf vier Bereiche: Zukunft, Vielfalt, Engagement und Gesundheit.

„Unser Ansatz ist es unkompliziert zu helfen, aber so, dass es zu Borussia Dortmund passt.“
Carsten Cramer

„Unser Ansatz ist es“, sagt Stiftungsvorstand und BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer, „unkompliziert zu helfen, aber so, dass es zu Borussia Dortmund passt.“ Die Stiftung „leuchte auf“ wolle mit ihrem Engagement nachhaltig wirken, „aber auch Mängel beheben und Probleme lösen.“ In den vergangenen Jahren sei das bereits gut gelungen.

Das belegen allein die Zahlen: Gut 15.000 Menschen profitieren in jedem Jahr von der Unterstützung der Stiftung „leuchte auf“. Mehr als 130 soziale Projekte hat die Stiftung seit ihrer Gründung unterstützt und mehr als eine Million Euro investiert. 1300 soziale Einrichtungen bekommen in jedem Jahr Sachspenden.

Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

Die Youngsters werden bei dem Projekt am Borsigplatz zu Reportern und interviewen Dortmunder zu ihren Berufen. © BVB

Eines der ersten Projekte der Stiftung war die Youngsters Akademie, ein Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche, das seine Wurzeln direkt am Borsigplatz, der BVB-Gründungsstätte, hat. Es richtet sich vor allem an versteckte Talente in der Nordstadt und ist eines der erfolgreichsten „leuchte auf“-Projekte. „Es ist viel wert, wenn man sich darauf verlassen kann, die Förderung der Stiftung zu haben“, sagt Volker Pohlüke von der Youngsters Akademie. Nur so könne das Projekt so erfolgreich bestehen – und vor allem ständig wachsen.

Gut 150 Kinder haben das Youngsters-Angebot am Borsigplatz schon wahrgenommen, sie werden zu Reportern, drehen Videos und lernen viele Berufe kennen. Mittlerweile expandiert Youngsters auch an Dortmunder Schulen, um das Projekt über den Borsigplatz hinaus bekannt zu machen.

Einsatz gegen Rassismus und Rechtsextremismus

Rassismus ist für den BVB ein großes Thema. Seit Jahren setzt sich die Borussia gegen Rassismus ein, deshalb sind Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit auch wichtige Pfeiler der Stiftungsarbeit. „Leuchte auf“ unterstützt zum Beispiel das BVB-Lernzentrum, das unter der Südtribüne im Signal Iduna Park zu Hause ist. Das Lernzentrum sensibilisiert Jugendliche für solche Themen und setzt sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein.

Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

Im BVB-Lernzentrum unter der Südtribüne setzen sich junge Menschen mit Themen wie Rechtsextremismus und Rassismus auseinander. © BVB

Die Stiftung versteht sich, wie der BVB, als große Familie. Deshalb können und sollen sich auch die BVB-Fans persönlich engagieren. Dafür gibt es das Projekt „Schwarzgelbe Familie“. „Wir möchten auch andere begeistern, etwas zu tun“, sagt Carsten Cramer.

Fanclubs können sich das ganze Jahr über bewerben und einen Antrag für ein Projekt stellen, mit dem sie helfen wollen. So sind in den vergangenen Jahren etliche Projekte umgesetzt worden – eine Behinderteneinrichtung hat einen Grillplatz bekommen und eine Schule einen Klettergarten, andere Vereine haben mithilfe der „Schwarzgelben Familie“ Fanfahrten organisiert und schwerkranke Kinder unterstützt.

Fanclub setzt sich für Obdachlose ein

Ein Fanclub, der sich seit vielen Jahren sozial engagiert, ist der BVB-Fanclub „Einigkeit“. Seit 2014 unterstützen die 100 Mitglieder des Vereins die Dortmunder Obdachloseninitiative „Hand in Hand“, sie haben Schlafsäcke und Kleidung besorgt und Essen ausgegeben, „was wir so mit eigenen Mitteln umsetzen konnten“, sagt Michael Brennecke vom Fanclub.

An der Gronaustraße im Borsigplatzviertel nutzt „Hand in Hand“ Räumlichkeiten, um die Obdachlosen zu versorgen. Die Küche dort war schon in die Jahre gekommen, die 800 Obdachlosen konnten mit den Gegebenheiten kaum versorgt werden und alleine konnte der Fanclub Einigkeit eine neue Küche nicht stemmen. Deswegen haben sich die Mitglieder an „leuchte auf“ gewendet – und prompt Hilfe bekommen.

Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

Im Oktober haben Mitglieder des BVB-Fanclubs Einigkeit und „leuchte auf“-Stiftungsmanager Marco Rühmann der Obdachloseninitiative Hand in Hand eine neue Küche für die Einrichtung am Borsigplatz übergeben. © BVB

Mitte Oktober haben sie die neue Küche eingeweiht, pünktlich zum bevorstehenden Winter, in dem die Hilfe noch wichtiger wird. „Küchentempel“ nannten die Fanclub-Mitglieder das Projekt. „Wir gehen ins Stadion, unseren Tempel, und die Obdachlosen haben ihren Küchentempel“, sagt Michael Brennecke. „Es ging alles ganz schnell. Die Hilfe der Stiftung war super, alleine hätten wir es nie umsetzen können“, sagt er.

Auch Marco Rühmann, Stiftungsmanager von „leuchte auf“, ist die Eröffnung der Küche in der Obdachloseneinrichtung in Erinnerung geblieben. „Der Koch erzählte uns, dass er früher selbst vor der Essensausgabe stand und dass er jetzt anderen helfen kann. Das sind Momente, die einen motivieren, weiterzumachen“, sagt Rühmann. Für Michael Brennecke und die anderen Mitglieder des Fanclubs Einigkeit ist es selbstverständlich, zu helfen. „Wenn jeder ein bisschen gibt, ist es schon gut.“

Das Thema Gesundheit gewinnt an Bedeutung

Eine vierte Säule, die für die Stiftungsarbeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Thema Gesundheit. Denn das ist das allerhöchste Gut und ein Fußballklub ist in diesem Bereich schließlich mehr als ein Vorbild. Eines der wichtigsten Gesundheitsprojekte war zuletzt die Unterstützung des Dortmunder Kinderklinikums für die Anschaffung eines Kinder-MRT. „leuchte auf“ hat das MRT nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch optisch. Denn wenn die Kinder im MRT untersucht werden, können sie einen BVB-Film ansehen – dann wird der gesamte Raum schwarzgelb, so wie auf der Südtribüne.

Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

Das Kinder-MRT im Dortmunder Kinderklinikum zeigt unter anderem einen BVB-Film. Dann fühlt es sich für die Kinder an, als seien sie gerade auf der Südtribüne und nicht im Krankenhaus. © BVB/Jens Volke

Und weil Gesundheit so ein wichtiges Thema ist, will „leuchte auf“ dieses Thema und vor allem den Bereich Sport und Bewegung in Zukunft noch mehr in den Fokus rücken. Zwei Projekte sind bereits in Planung:

So hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, 1909 Kindern zum Seepferdchen zu verhelfen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund engagiert sich „leuchte auf“ deshalb in Dortmunder Grundschulen und finanziert die Sportlehrer, die den Kindern das Schwimmen beibringen. „Denn 30 bis 50 Prozent der Kinder, die auf eine weiterführende Schule gehen, können nicht schwimmen“, sagt Marco Rühmann. Vielen Grundschulen fehle es an Lehrern. Das soll das Projekt ändern.

Ein anderes Problem ist der grundsätzliche Bewegungsmangel bei Kindern. Gemeinsam mit der BVB-Fußballschule will die Stiftung diesen mit einem weiteren Projekt angehen. An zunächst drei Dortmunder Grundschulen geben Trainer der Fußballschule demnächst Bewegungsunterricht. Zudem haben die Schulen die Möglichkeit, mit ihren Klassen in die Fußballschule zu kommen.

„Wir können nicht alle Probleme lösen“

Viele Dinge, die „leuchte auf“ unternimmt, geschehen unter dem Radar der Öffentlichkeit. So organisiert die Stiftung zum Beispiel auch Besuche für schwerkranke Kinder im BVB-Trainingszentrum und bei jedem BVB-Heimspiel sind zwei Einlaufkinder dabei, die eine Behinderung haben.

Die Stiftungsziele von „leuchte auf“ sind klar definiert. „Wir können nicht alle Probleme lösen“, sagt Carsten Cramer. Dafür reichen die Kapazitäten nicht. Deshalb setzt sich die Stiftung vor allem für Projekte ein, die privat getragen sind oder von Einrichtungen, die dringend Unterstützung brauchen.

Auch Verein und KGaA sind sozial engagiert

Carsten Cramer betont, dass die Stiftung nur ein Teil des sozialen Gewissens von Borussia Dortmund ist. Auch der Verein und die KGaA seien sehr engagiert. So unterstützt der BVB zum Beispiel den Amateurfußball und hat zuletzt 200.000 Euro an Amateurvereine ausgeschüttet.

Was die BVB-Stiftung „leuchte auf“ seit 2012 erreicht hat

Carsten Cramer ist Stiftungsvorstand von „leuchte auf“. © BVB/Alexandre Simoes

Zudem fließen sämtliche Einnahmen aus Service-Pauschalen, etwa die Gebühren für den Dauerkartenverlust oder den Ticket-Zweitmarkt, in die Stiftungsarbeit. Ansonsten generiert die Stiftung ihre Spenden von Fans, Fanclubs, Privatspendern und Unternehmen. Manche würden einmalig große Beträge überreichen, andere seit Jahren jeden Monat fünf Euro spenden, sagt Marco Rühmann.

Langfristig möchte die Stiftung vor allem erreichen, dass ihr Engagement und ihre Projekte wirken, positive Effekte nach sich ziehen und Dortmund in Zukunft ein kleines bisschen besser machen.

Zu Weihnachten werden Wünsche von Kindern erfüllt – auch von den Profis

Das Engagement für Kinder, die Zukunft der Gesellschaft, liegt dem BVB und seiner Stiftung besonders am Herzen. Das wird auch wieder zu Weihnachten deutlich. Die Stiftung macht bei der „Aktion Kinderwünsche“ mit und möchte möglichst vielen sozial benachteiligten Kindern ihre Weihnachtswünsche erfüllen.

Seit Mitte November hängen deshalb in allen BVB-Fanshops an den Weihnachtsbäumen Zettel mit Wünschen von Kindern. Jeder, der mag, kann sich einen Zettel nehmen und den Wunsch erfüllen. Das Geschenk, im Wert von maximal 25 Euro, gibt man dann unverpackt wieder im Fanshop ab, die Stiftung und die BVB-Fanabteilung sorgen dafür, dass sie pünktlich zu Weihnachten von den Kindern ausgepackt werden können. 600 bis 800 Wünsche wurden bislang jedes Jahr erfüllt. In diesem Jahr beteiligen sich auch die Profis von Borussia Dortmund an der Aktion und erfüllen jeweils einem Kind einen Wunsch.

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