Das Impfen wäre eine Hoffnungsbringer - wenn es besser funktionieren würde, als in den vergangenen zwei Monaten. © Stephan Schütze/Bearbeitung: Martin Klose
Meinung

Was den Dortmundern jetzt trotz Corona-Pandemie Hoffnung macht

Der Lockdown geht weiter, Lockerungen bleiben kompliziert, weiterhin sterben jeden Tag Menschen an Covid-19: Es fällt schwer, in diesen Tagen optimistisch zu sein. Unser Autor hat es versucht.

An jedem Lockdown-Tag fragen sich Menschen: Wie soll man aus diesem Krisen-Modus je wieder herauskommen? Ich möchte versuchen, Punkte zu finden, die Hoffnung machen können. Ich finde sie im täglichen Miteinander, in der Kultur und in der Schule. Und leider nur bedingt beim Thema Impfen.

Solidarität: Viele machen es richtig

Die Dortmunderinnen und Dortmunder sind in dieser Krise nicht immer einer Meinung, Aber sie machen vieles richtig.

Die soziale Isolation ist anstrengend. Vor allem, wenn sie einher geht mit unverändertem Leistungsdruck in Beruf und Schule. Die Außenwelt steht still, aber das Fließband muss laufen, auch in den eigenen vier Wänden. Das stresst viele Menschen. Insbesondere, weil der Ausgleich fehlt.

Dennoch bleibt die große Mehrheit rücksichtsvoll, behält die Masken über der Nase, achtet auf Abstands- und Hygieneregeln und widersteht dem Impuls, einfach mal loszulassen.

Das gibt Hoffnung, dass bei den meisten Menschen Empathie und Solidarität noch nicht ganz verloren sind.

Und Solidarität ist zugleich die einzige Antwort auf Menschen, die Artikel über Corona-Todesfälle mit einem lachenden Gesicht kommentieren oder damit argumentieren, „dass die Alten ja sowieso bald gestorben wären“. Wer Tote auf solche Art verhöhnt und ihnen den Respekt versagt, bei dem ist wohl alle Hoffnung vergebens.

Kultur: Neue Energie nach langer Lethargie

Selbst in Dingen, die auf den ersten Blick gerade überhaupt nicht gut laufen, steckt Hoffnung. Etwa in der Kultur. Trotz erster Öffnungsperspektiven sind Konzerte oder Theaterveranstaltungen mit größeren Menschenmengen weiterhin unrealistisch.

Aber es steigt bei Kulturschaffenden gerade wieder das Energielevel dafür, herauszufinden, wie Kultur trotzdem noch möglich ist.

Es gibt Streaming-Festivals und -Konzerte, es gibt Studien über Aerosol-Verteilung und Belüftung wie zuletzt im Konzerthaus Dortmund. Aber auch kleine Aktionen wie die Solidaritäts-Schals für Dortmunder Clubs oder kostenloses Merchandise für Bands zählen dazu.

Die Botschaft lautet: Kunst lässt sich nicht kleinkriegen. Wenngleich rein wirtschaftlich viele Kreative in allen Sparten auf der Strecke geblieben sind und mittlerweile ihr Geld anders verdienen müssen.

Schulen: Zarte Hoffnung auf Besserung

Sogar im großen Schul-Dilemma ist ein Stück Hoffnung zu finden. Darauf, dass endlich auch der Letzte begreift, dass ein Schulsystem nicht automatisch deshalb gut ist, weil es schon immer da war.

Digitale Geräte sind Lernmittel und Lernen wird auch zukünftig zum Teil außerhalb des Klassenraums stattfinden. Dies zur Kenntnis zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen, ist eine Chance.

Impfen: Wie kann man etwas so vor die Wand fahren?

Das Impfen war 2020 der Hoffnungsbringer schlechthin, bleibt in der Realität aber dahinter zurück. Das führt zu der Frage: Wie kann man etwas so wichtiges so vor die Wand fahren?

Da lassen Menschen einen Termin sausen, weil ihnen der Impfstoff komisch vorkommt, während andere zuhause sitzen und sagen: „Ramm‘ mir die Spritze in den Arm“. Das ist absurd.

Die Pandemie ist komplizierter geworden

Wir sind im dritten Monat des Jahres 2021, das viele mit dem Wunsch begrüßt hatten, es möge sich alles zum Guten wenden. Wir müssen nach der dritten Lockdown-Verlängerung feststellen: Es ist bloß alles komplizierter geworden.

Das Lockdown-Gefühl, das aus jedem Tag einen langen grauen Sonntag macht, wird noch eine Weile weitergehen. Es gesellt sich ein weiteres Gefühl hinzu. Das, immer weniger nachvollziehen zu können, nach welchen Kriterien gerade welche Prioritäten gesetzt werden.

Das Problem der Widersprüche

Friseure, Flugschulen und Buchläden ja; Hotels und Schallplattenläden nein – das erschließt sich nicht jedem und bringt unnötige Neid-Debatten auf.

Hinzu kommt ein Widerspruch, der wie der Elefant im Raum ist, der mitten im Raum steht, über den aber niemand sprechen möchte: Wenn sich ansteckendere Mutanten ausbreiten und wir gleichzeitig lockern, steigen dann nicht die Inzidenzzahlen zwangsläufig?

Ist eine Inzidenz unter 35 nicht selbst bei moderater Verbreitung der Mutante ein illusorisches Ziel und die Hoffnung darauf trügerisch?

Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass wir vorher über 100 kommen und wieder die Notbremse ziehen müssen?

Irrationale Hoffnung und eine Zeit nach Corona

Hoffnung ist häufig etwas Irrationales. Sie ist daher möglicherweise ein schlechter Ratgeber bei einem Problem wie einer Pandemie, die sich vor allem über epidemiologische und statistische Zusammenhänge erklären lässt.

Dennoch hat sie ihre Berechtigung. Weil die Pandemie zwar viele Gräben innerhalb der Gesellschaft offen gelegt hat. An vielen Stellen macht die Krise deutlich, was längst hätte ausgesprochen werden sollen.

Wenn wir es schaffen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, dann habe ich Hoffnung, dass das eintritt, was das Theater Dortmund gerade als Botschaft am Opernhaus sendet: „Es wird eine Zeit nach Corona kommen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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