Nur für das Semesterticket: Warum Scheinstudierende der TU nicht schaden

dzTU Dortmund

Laut einem Schätzwert könnten zahlreiche Studierende an der TU Dortmund gar nicht wirklich studieren. Sie wären nur für Ticket und Studierendenstatus immatrikuliert. Die Uni sieht das gelassen.

Dortmund

, 14.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Offizielle Zahlen gibt es über sie nicht. Doch einigen werden sie wahrscheinlich ein Begriff sein: Scheinstudierende. Menschen, die nur für das Semesterticket und den Studierendenstatus an einer Uni oder Hochschule eingeschrieben sind.

Besonders für Berufseinsteiger ist es attraktiv, den eigenen Studentenstatus mit der Einschreibung in einen zulassungsfreien Studiengang und dem Bezahlen des Semesterbeitrags noch etwas zu verlängern. Mit dem Studi-Ticket für Bus und Bahn spart man zum Beispiel etwa 1000 Euro im Jahr im Vergleich zu einem „normalen“ NRW-Ticket.

Ansatz zur Ermittlung von Scheinstudierenden

Die Rheinische Post hat versucht, die Anzahl an Scheinstudenten an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf zu ermitteln. Dafür hat sie die Zahl der Studierenden, die im Zweitstudium einen zulassungsfreien Bachelor-Studiengang belegten, betrachtet. Gekommen ist die Rheinische Post auf einen geschätzten Wert von 8000 Ticket-Studierenden. Das macht etwa 23 Prozent aller Studenten an der HHU aus.

An der TU Dortmund waren im Wintersemester 2019/20 insgesamt 4100 Studierende in einem Bachelor-Zweitstudium eingeschrieben. Bezogen auf die Gesamtstudierendenzahl von rund 34.250 macht das einen Anteil von etwa 12 Prozent aus.

„Unter den Zweitstudierenden gibt es nachweislich Personen, die einen weiteren akademischen Abschluss erwerben“, sagt Lisa Burgardt, Sprecherin der TU Dortmund. „Die Annahme, dass alle, die sich für ein Zweitstudium einschreiben, dies nur wegen des Semestertickets tun, greift daher zu kurz.“

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Auch der Asta der TU Dortmund findet diese Herangehensweise „etwas fragwürdig, denn Zweitstudierende können nicht als Scheinstudierende pauschalisiert werden“, so Mira Kossakowski, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Asta.

Ticket-Studenten bringen weder Vor- noch Nachteile

Scheinstudierende in zulassungsfreien Studiengängen bringen der Universität selbst weder Vor- noch Nachteile. „Sie nehmen niemandem einen Studienplatz weg und blockieren auch keine anderweitigen Ressourcen der Hochschulen“, sagt Lisa Burgardt. „Umgekehrt ziehen die Universitäten keinen Nutzen daraus, dass die Zahl der Studierenden höher ausfällt.“

Auch erhalten Universitäten keine Fördermittel für Zweitstudierende. „Im Hochschulpakt werden Zusatzmittel ausschließlich für Studierende im Erststudium ausgezahlt“, sagt Burgardt. Der Semesterbeitrag, den jeder Studierende - ob Schein- oder nicht - zahlen muss, setzt sich aus dem Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr, einem Verwaltungskostenbeitrag, einem Sozialbeitrag für das Studierendenwerk sowie einem Beitrag für den Asta zusammen.

Der Asta selbst hat dadurch keine finanziellen Vorteile, schon aber die Studierendenschaft. „Da der Semesterbeitrag nach dem Solidarprinzip funktioniert, zahlen auch Scheinstudierende für die Infrastruktur mit, die den Studierenden zugutekommt“, sagt Mira Kossakowski. Als Beispiel nennt sie das Studierendenwerk, das unter anderem die Mensen am Campus betreibt.

Scheinstudium bleibt Frage der Moral

Letztendlich bleibt es eine Frage der Moral, ob sich junge Menschen als Studierende einschreiben, um sich mit diesem Status Vorteile zu erschleichen. „Bislang fehlt es an einer rechtlichen Grundlage, um Scheinstudierende zu exmatrikulieren“, sagt Lisa Burgardt. „Allenfalls kann darauf gehofft werden, dass Beratungsgespräche zum Studienfortschritt Scheinstudierende abschrecken – oder aber helfen, wenn jemand eigentlich doch studieren möchte.“

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