Vom Lockdown ausgeschlossen: Fotostudios in Dortmund (Foto von vor dem Lockdown). © Hamer
Corona-Lockdown

Warum Fotostudios im Lockdown offen haben – und eines lieber schließen würde

Fotostudios dürfen während des Lockdowns weiterhin geöffnet haben. Dem Inhaber einer bekannten Fotostudio-Kette wäre allerdings eine Zwangsschließung mittlerweile lieber.

Auch an seiner Auftragslage merkt der Gründer und Eigentümer der Fotostudiokette Picture People, Christian Hamer, dass „es gerade ganz schlimme Zeiten sind.” Drei Filialen hat die Kette in Dortmund – und was seine Mitarbeiter dort dieser Tage erleben erschreckt Hamer.

„Sieben mal mehr Bewerbungsfotos”, erzählt der Gründer, würden seine Angestellten seit dem Lockdown erstellen: „Das ist völlig verrückt. Ich habe das Gefühl es ist gar nicht in der öffentlichen Wahrnehmung, wie viele Menschen (von Kündigungen Anm. d. Red.) betroffen sind”.

Außerdem sei hauptsächlich die günstigste Preiskategorie der Fotos gewünscht. Der Inhaber vermutet deswegen: “Es sind in unserer Wahrnehmung wohl eher Minijobber, da blutet mein Herz richtig, wenn ich das so sehe.”

Dienstleistungsgewerbe darf weiterhin öffnen

Warum Dortmunder Fotostudios überhaupt geöffnet haben dürfen, erklärt ein Sprecher der Stadt Dortmund, Christian Schön, folgendermaßen: Fotostudios “sind gemäß Paragraph 12 der Coronaschutzverordnung als Dienstleister kategorisiert”. Nur Dienstleistungen in denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht garantiert werden kann, müssen demnach geschlossen werden. Fotostudios, Blumenläden oder KFZ-Werkstätten dürfen also auch weiterhin geöffnet haben.

Trotzdem, so berichtet Hamer, würden die Studios nur nach vorheriger Terminabsprache öffnen: “Wenn wir beispielsweise an einem Montag keinen Termin haben, ist am Montag dann auch niemand der Filiale.” Es würde sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht lohnen, auf Laufkundschaft zu setzen.

Dortmunder Fotografen in unterschiedlichen Situationen

Silvia Kriens, Fotografin in der Gutenbergstraße, hat deswegen auch gleich auf Privatkunden verzichtet und betreibt aktuell hauptsächlich Werbefotografie. „Für Werbung muss ja auch weiterhin fotografiert werden, und wir haben kein Berufsverbot”, erklärt sie ihre Situation.

Anders ergeht es Andrian Chighelman, Inhaber des Studios “Foto am Ostentor”. Er ist auf Privatkunden angewiesen. Zwar sei er froh, arbeiten zu können, allerdings würden, so schätzt er, 60-70 Prozent weniger Kunden in sein Studio kommen.

Auch bei ihm würden die meisten Bewerbungsfotos nachfragen, Familienfotos könne er aufgrund der Auflagen ohnehin “nur begrenzt” anbieten: 4 Personen aus einem Haushalt könne er fotografieren. Mehr nicht.

Ähnlich verfährt Marina Polianskaja von “Just Photography” in der Hansastraße in der Dortmunder City: “Wir machen alles, was erlaubt ist, auch Familienfotos, genau wie vor dem Lockdown”, auch hier müssen alle Abgelichteten eines Familienfotos dem gleichen Haushalt angehören.

Allerdings, so berichtet es Hamer, würden in die Dortmunder Filialen von Picture People auch kaum noch Kunden kommen, die Familienfotos wünschten. Gelegentlich mal eine Schwangere, die ihren Babybauch fotografieren lassen wolle. Oder Eltern mit einem Neugeborenen, die die Erinnerung festhalten wollten: „Das sind ja auch Momente, die nicht wiederkehren”

“Ich wäre lieber auf der negativen Liste”

Die Regelungen zum Lockdown empfindet Hamer als „völlig verrückt”, denn: „Die Quintessenz und die Problematik ist, dass wir geöffnet haben dürfen – und das schließt aus, dass wir Staatshilfen bekommen.” Die Aufträge wiederum reichten nicht.

Auf der Liste der Landesregierung sei akribisch aufgelistet welche Geschäfte geöffnet und welche geschlossen haben dürfen. „Ich wäre lieber auf der negativen Liste.”

Bei den Zahlen, die Hamer vorlegt, wenig verwunderlich: An einem durchschnittlichen Samstag vor dem Lockdown „haben wir in allen Filialen 150.000 bis 200.000 Euro Umsatz gehabt.” Seit dem Lockdown sei es nur noch ein Zehntel.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Lesen Sie jetzt