Warum es bei der Gründung der Dortmunder Uni zum Eklat kam

50 Jahre TU

An diesem Sonntag wird mit einem Festakt an die Gründung der Universität Dortmund vor 50 Jahren erinnert. Bei der Gründungsfeier gab’s ein Buffet für 3,65 DM pro Kopf - und viel Aufregung.

Dortmund

, 15.12.2018, 15:41 Uhr / Lesedauer: 3 min
Warum es bei der Gründung der Dortmunder Uni zum Eklat kam

Die TU Dortmund feiert ihr 50-jähriges Bestehen. © Menne (Archiv)

Es war alles aufs Feinste vorbereitet. Hunderte Ehrengäste wurden auf Einladung von NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn am Vormittag des 16. Dezember 1968 zum Festakt im Opernhaus erwartet - von Bundespräsident Heinrich Lübke bis zu Oberbürgermeister Dietrich Keuning. Dortmund sollte an diesem Tag zur 37. Universitätsstadt in Deutschland und sieben in NRW werden. Festlich gestimmt und erwartungsfroh saßen die 1100 Gäste im Zuschauersaal.

Und dann das: Als NRW-Bauminister Kohlhase das Fehlen von Kultusminister Holthoff entschuldigte, der sich nach einer Mexiko-Reise verspätet hatte, stimmte eine Gruppe junger Männer im Parkett ein Weihnachtslied an. Ein abgewandeltes Weihnachtslied. „Stille Nacht, heilige Nacht, Holthoff schläft…“ tönte es durch das Opernhaus. Ein Transparent wurde ausgebreitet, auf dem etwas von „Akademischen Kröten“ stand.

Tumulte im Saal des Opernhauses

Doch das ging ebenso wie der Gesang schnell in einem Tumult unter. Ministerpräsident Heinz Kühn trat ans Mikrofon und verurteilte im scharfen Ton die „pöbelnde Rüpelhaftigkeit“. „Nach lautstarken ‚Raus‘-Rufen und den warnenden Worten des Ministerpräsidenten kam es zu Handgreiflichkeiten mit anderen Besuchern“, berichteten die Ruhr Nachrichten am folgenden Tag.

Warum es bei der Gründung der Dortmunder Uni zum Eklat kam

So berichteten die Ruhr Nachrichten 1968 über die Gründungsfeier der TU Dortmund.

„13 Polizeibeamte wiesen 22 Ruhestören zum Teil gewaltsam aus dem Saal. Der Ministerpräsident bekundete dazu, dass er zu jeder echten Manifestation bereit sei, dass er aber von einem Dutzend Irrealisten keine Festveranstaltung wie diese in einen pseudorevolutionären Gesangsverein umfunktionieren lasse.“

Die verhinderten Revolutionäre waren, wie sich herausstellte, Studierende der Pädagogischen Hochschule. Sie fürchteten, dass die neue Hochschule eine Uni nur für Reiche werden würde und forderten die Fusion von PH und Uni zu einer Gesamthochschule. 1976 wurde die Pädagogische Hochschule tatsächlich in die Universität eingegliedert, die so zu einer der größte Lehrerausbildungsstätten in NRW wurde.

25 Meter langes Buffet mit Rollmöpsen und Frikadellen

Doch davon sollte an diesem Festtag noch nicht die Rede sein. Als die Protestler aus dem Opernhaus verbannt waren, ging die Feststunde weiter, bei der der erste Rektor der Universität, Prof. Martin Schmeißer, auch seine Amtskette überreicht bekam. Danach fuhr die Festgesellschaft per Bus zur Uni, genauer gesagt, zum Aufbau- und Verfügungszentrum in Eichlinghofen, das die Keimzelle des heutigen Campus-Süd bildet.

Pikant dabei: Die Studenten, die im Opernhaus für Aufruhr gesorgt hatten, waren schon da. „Die ausgewiesenen Studenten trafen vor den offiziellen Gästen in der Uni ein. Sie mussten von Kellern vom vorzeitigen Verzehr am kalten Buffet abgehalten werden“, berichteten die Ruhr Nachrichten.

Das auf einem 25 Meter langen Tisch in der Experimentierhalle der Uni aufgebaute Buffet fiel bescheiden aus. Westfälisch rustikal gab es Frikadellen, Soleier, Rollmöpse und Würstchen. „3,65 DM waren zum Verzehr für jeden der 1000 Gäste bewilligt worden, das Ergebnis verzeichneten die Speisenden mit Befriedigung“, schrieb der Berichterstatter.

TU Dortmund warb gezielt um „Arbeiterkinder“

Die Bescheidenheit sollte vielleicht deutlich machen, dass die Sorgen der PH-Aktivisten vor einer Elite-Uni unberechtigt waren. Ganz bewusst sollten mit dem Studienangebot, das zum Sommersemester 1969 mit gerade einmal einem Dutzend Professoren startete, auch Arbeiterkinder aus dem Ruhrgebiet angesprochen werden. Dazu sollte schon die Nähe beitragen. „Mit den Füßen unter Mutters Tisch lässt es sich leichter studieren. Viele Dortmunder Arbeiterkinder haben jetzt die Möglichkeit, ein Universitätsstudium ergreifen zu können“, sagte Oberbürgermeister Dietrich Keuning.

In der Tat war zehn Jahre nach der Gründung etwa jeder fünfte Studierende der Uni Dortmund ein sogenanntes Arbeiterkind. Und die Hochschule wuchs rasch. Auf dem Campus Nord entstanden neben Mensa und Bibliothek Bauten vor allem für die Naturwissenschaften und die Mathematik und schließlich auch für die Pädagogische Hochschule.

Donald Tusk ist Festredner

2018, im Jubiläumsjahr, zählt die inzwischen als Technische Universität firmierende Hochschule mehr als 34.600 Studierende und etwa 300 Professorinnen und Professoren. Gefeiert wird das 50-Jährige an diesem Sonntagnachmittag (15.12.9 – diesmal nicht im Opernhaus, sondern im Konzerthaus. Festredner ist der Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk, der am Vormittag an der Uni die Ehrendoktorwürde der TU erhält.

Das Festbuffet zum Abschluss gibt es dann im Konzerthaus. Angekündigt ist ein „Flying Buffet“ unter anderem mit Currywurst, Kartoffelpuffern und Roter Grütze. Studentenproteste sind diesmal nicht zu erwarten.

Lesen Sie jetzt