Warum eine Hörder Biermarke auf ihren Flaschen für ein Berliner Modelabel wirbt

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Dzaino heißt ein junges, nachhaltiges Modelabel aus Berlin. Eine der Gründerinnen kommt aus Dortmund. Und ein Freund von ihr wirbt jetzt auf seinem „Karl-Hoesch-Bier“ für ihr Unternehmen.

Dortmund

, 12.10.2018, 18:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Mode hat Bier erstmal wenig gemeinsam. Vielleicht, dass sich Menschen gerne damit schmücken – mit dem Bier, das sie trinken, und mit der Kleidung, die sie tragen. Es sagt schließlich immer etwas über einen Menschen aus, was er trägt oder trinkt. Ansonsten überschneiden sich die Branchen eher weniger.

Auch das Craft Beer „Karl Hoesch“ hat mit Mode nicht mehr oder weniger zu tun als andere Biersorten. Aber der Gründer dieser Biermarke, Kai Schäder, ist ein Freund von Julia Hermesmeyer. Die 33-Jährige ist in Dortmund geboren und aufgewachsen, lebt aber mittlerweile in Berlin. Dort, in der Hauptstadt, hat sie gemeinsam mit einer Freundin ein Modelabel gegründet, es heißt Dzaino.

Und weil junge Unternehmen es nicht immer leicht haben, sich im Markt durchzusetzen, unterstützen sich jetzt jene zwei Start-Ups, die Biermarke aus Dortmund und das Modelabel aus Berlin, nun gegenseitig.

Sticker auf den Bierflschen

Ab Ende Oktober sollen deshalb auf den Bierflaschen des Karl-Hoesch-Pils kleine Sticker kleben, die auf das Label Dzaino aufmerksam machen. Und im Gegenzug ist Julia Hermesmeyer gerade dabei, das Bier aus Dortmund in die Hauptstadt zu holen, um es dort anzubieten. So können, das ist die Hoffnung, am Ende beide Unternehmen ihre Bekanntheit steigern.

Das Label Dzaino hat Julia Hermesmeyer vor zweieinhalb Jahren mit ihrer Freundin Hanna Gebauer (32) gegründet. Vor knapp einem Jahr haben sich die beiden damit selbstständig gemacht. In Berlin produzieren sie Taschen aus alten Jeanshosen, „die aber komplett neu aussehen“, sagt Julia Hermesmeyer.

Der Weg zum eigenen Modelabel

Die 33-Jährige hat an der Brünninghauser Gesamtschule Abitur gemacht und ging dann für ein Jahr nach Brasilien. Danach wollte sie etwas mit Mode machen, begann an der Akademie für Mode und Design in Hamburg ein viermonatiges Vorstudium und lernte Hanna Gebauer kennen. Daran schloss sie eine Ausbildung zur Schneiderin an. Studiert hat sie dann später, wie ihre Freundin Hanna, integriertes Design an der Hochschule für Künste in Bremen. Der Weg der Freundinnen führte danach jeweils nach Berlin.

Sie habe damals angefangen, für ihre Freundinnen die ersten Taschen zu nähen, erzählt Hermesmeyer. Und auch Hanna Gebauer habe immer mal wieder hobbymäßig Taschen designt. So kamen die beiden auf die Idee, gemeinsam etwas zu produzieren – es war der Startschuss für ihr eigenes Label. Lange machten sie das nebenberuflich, doch als die Nachfrage stieg, entschieden sie, sich ganz auf ihr Modelabel zu konzentrieren.

Taschen aus alten Stoffen, die neu aussehen

Jede Tasche von Dzaino ist ein Unikat. Jede Tasche entsteht aus ausrangierten Jeanshosen, die die beiden von der Stadtmission in Berlin beziehen. Anders als bei anderen Upcycling-Anbietern sei es ihnen aber sehr wichtig, dass man nicht sieht, dass die Taschen aus etwas entstanden sind, das schon einmal benutzt worden ist, sagt Julia Hermesmeyer. Die Taschen sind also neu und alt zugleich. „Unser Stil ist klar und minimalistisch“, sagt Julia Hermesmeyer. „Es ist ein Urban Look.“

Warum eine Hörder Biermarke auf ihren Flaschen für ein Berliner Modelabel wirbt

Julia Hermesmeyer (l.) und Hanna Gebauer sind die Gründerinnen von Dzaino. © Dzaino

Die Dzaino-Gründerinnen möchten mit ihrem Unternehmen aber nicht nur Mode verkaufen, sondern auch eine Botschaft vermitteln. „Wir glauben, dass es wichtig ist, dass es einen Wandel in der Modebranche gibt“, sagt Julia Hermesmeyer.

Eine nachhaltige, faire und regionale Produktion sei ihnen äußerst wichtig, genau wie eine kritische Auseinandersetzung mit Konsum. „Wir wollen mit reinem Gewissen etwas verkaufen“, sagt Julia Hermesmeyer. „Und unserer Verantwortung gerecht werden.“

Eine Anregung zum Umdenken

Deswegen halten die beiden viele Vorträge zum Thema, geben Upcycling-Workshops und versuchen immer wieder mit ihren Kunden in Kontakt zu kommen, um ihre Botschaft weiterzugeben. So würden sie zum Beispiel auch den Produktionsvorgang erklären und zeigen, wie aufwendig er ist. Denn viele Kunden könnten oft nicht verstehen, warum Produkte, wie die Taschen von Dzaino, teurer sind als das, was auf den großen Einkaufsstraßen gibt.

Es sei kein erhobener Zeigefinger, sagt Julia Hermesmeyer, sondern einfach eine Anregung zum Umdenken. „Es werden jeden Tag so viele Kleider weggeschmissen.“

Warum Bier und Mode doch Parallelen haben

In der Art der Produktion sieht Kai Schäder die Parallelen zwischen seinem Bier und der Mode von Dzaino. „Es ist keine Massenware, sondern individuelle, nachhaltige und qualitativ hochwertige Produkte“, sagt er. Genau wie die Taschen von Dzaino sei auch sein Bier ungewöhnlich.

Der 42-jährige Kulturwissenschaftler hat im vergangenen Jahr mit der Hörder Fackel sein erstes Craft Beer auf den Markt gebracht, das ähnlich schmeckt wie ein Export. Seit diesem Jahr gibt es auch das Pils Karl Hoesch. Beide Biere lässt Schäder nur in kleinen Stückzahlen produzieren.

Warum eine Hörder Biermarke auf ihren Flaschen für ein Berliner Modelabel wirbt

Kai Schäder – hier mit Birgit Lange-Grieving von der Buchhandlung Transfer in Hörde – hat die Biermarken Hörder Fackel und Karl Hoesch gegründet. © Stephan Schütze

Mit seinen Biersorten möchte er die Erinnerungskultur fördern. Die Hörder Fackel war der Zentralkamin im Stahlwerk Phoenix-Ost und stand einst da, wo jetzt der Phoenix-See ist. Karl Hoesch ist eine fiktive Figur, die für das steht, was mit dem Stahlunternehmen Hoesch zu tun hat. Die Geschichte des Stahls in Hörde ist zwar Vergangenheit, aber nicht vergessen. „Das Bier ist ein Erinnerungsort in flüssiger Form“, sagt Schäder. Nahezu jeder könne seine eigene Geschichte zu diesen Begriffen erzählen.

Dzaino ist ein erfundenes Wort. Das Wort Zaino – ohne das D – bedeutet im italienischen Rucksack. Auf dem Logo des Labels ist das Wort Dzaino auch in koreanischen Schriftzeichen zu lesen – denn Hanna Gebauer ist Halb-Koreanerin. Die Taschen kosten 46 bis 199 Euro. Aktuell sind sie online erhältlich. Es laufen aber Gespräche mit einem Dortmunder Geschäft. Die Hörder Fackel und das Karl-Hoesch-Pils lässt Kai Schäder ausschließlich in der Buchhandlung Transfer in Hörder verkaufen. 0,5 Liter kosten jeweils 3,30 Euro.
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