Und wieder eine Pause für den Autokorso der Impfgegner: Eine Gruppe Gegendemonstranten mit Fahrrädern bei einer Sitzblockade auf dem Wall in der Nähe des Hauptbahnhofs. © Albers
„Querdenken 231“

Wall in Dortmund: Hunderte Radfahrer blockieren Autokorso von Impfgegnern

Eine Demonstration sorgte am Dienstagabend (23.2.) für Aufruhr in der Dortmunder Innenstadt. Coronaschutz- und Impfgegner waren mit einem Autokorso unterwegs. Sie wurden von Fahrrädern gestört.

Lange war es still um die Gruppe „Querdenken 231“: Am Dienstagabend (23. Februar) machten die Coronaschutz-Gegner mit einem Autokorso wieder auf sich aufmerksam. Sie demonstrierten gegen eine angebliche Zweiklassen-Gesellschaft, die durch die Corona-Impfung entstehen würde – denn die Querdenker wollen sich nicht impfen lassen.

Um 18 Uhr sammelten sich die Impfgegner mit ihren Fahrzeugen auf dem Parkplatz E2. Bei der Polizei sind 250 Fahrzeuge angemeldet worden. Laut Polizeisprecher Gunnar Wortmann seien es aber höchstens 60 Fahrzeuge gewesen.

Der Autokorso sollte dann eigentlich um 19 Uhr über die Ardeystraße/Hohe Straße Richtung Innenstadt losfahren. Der Plan konnte aber nicht eingehalten werden.

Macarena als Zeitvertreib

Denn knapp 60 Gegen-Demonstranten auf Fahrrädern aus dem Umfeld der Dortmund Antifa-Gruppierungen blockierten die Zufahrten vom Parkplatz an der Ardeystraße, weshalb der Autokorso der Querdenker nicht losfahren konnte.

Die Querdenker wetterten immer wieder gegen die Fahrrad-Demonstranten. Sie forderten die Polizei auf, Wasserwerfer einzusetzen – es sei ja warm genug. Danach tanzten sie zum Zeitvertreib „Macarena“.

Die Polizei versuchte, den Gegenprotest zurückzudrängen und Platz für den Autokorso zu schaffen. Spontan wurde die Fahrradblockade zur Sitzblockade, indem die Gegen-Demonstranten ihre Zweiräder auf die Straße legten und sich daneben setzten.

Das verzögerte den Ablauf des Autokorsos immens. Erst gegen 20 Uhr konnte die Fahrt losgehen: Die Polizei leitete die Querdenker Richtung Süden von der Ardeystraße über die L684 um, an der Sitzblockade vorbei. Der Autokorso fuhr über die entgegengesetzte Fahrbahn in die Innenstadt, die Polizei sperrte dafür den Straßenverkehr ab.

Autokorso mit Fahrrädern blockiert

Auf der Hohen Straße kam es anschließend immer wieder zu Störungsaktionen und Blockaden durch die Fahrradfahrer. Die Polizei sorgte in diesen Momenten mit viel Druck dafür, dass die Straße wieder frei wird. Zum Teil fuhren Polizisten auf Motorrädern sehr nah an Gegendemonstranten, die zum Großteil noch recht jung waren.

Der Autokorso erreichte gegen 21 Uhr schließlich den Südwall – eigentlich sollte die Demonstration zu diesem Zeitpunkt schon vorbei sein.

Die innenliegende Fahrspur des Walls wurde für den Autokorso gesperrt. Schnell voran kamen die Querdenker allerdings nicht. Immer wieder kam es Störungen, weshalb die Demonstration nur im Stop-and-go über den Wall fahren konnte. In der Innenstadt sammelten sich am Straßenrand viele Menschen und schauten der Demonstration zu.

Auseinandersetzung mit Baseballschläger

Zu einer heftigeren Auseinandersetzung kam es am Fußballmuseum: Dort hatte einer der Autokorso-Teilnehmer eine Panne. Vier Gegendemonstranten gingen das Fahrzeug an. Auch ein Baseballschläger sei im Spiel gewesen, von wem er benutzt wurde, ist laut Polizei noch unklar.

In dem liegen gebliebenen Fahrzeug stellte die Polizei eine Machete sicher und fertigte eine entsprechende Strafanzeige.

Weitere Strafanzeigen wegen Verdachts der Urkundenfälschung wurden gegen drei Demonstrations-Teilnehmer ausgestellt, die angebliche Atteste zur Maskenbefreiung vorgelegt hatten. Auch Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung wurden mit der Einleitung von Ordnungswidrigkeitenverfahren geahndet.

Querdenker waren still

Von dem im Vorfeld angekündigten Motto des Autokorsos bekam man übrigens nicht viel mit. Ein paar Fahrzeuge waren mit Anti-Corona-Plakaten geschmückt, aus einer Handvoll Autos waren Beiträge zu hören, die sich gegen das Impfen positionierten. Die Gegendemonstranten machten derweil lautstark auf sich aufmerksam: Sie skandierten gegen Nazis und Corona-Leugner.

An der Kreuzung zur Hansastraße formierte sich der Fahrrad-Protest gegen 21.50 Uhr wieder zur Sitzblockade um. Der Autokorso stand eine Weile still, bis die Polizei erneut Druck machte und Platz für die Fahrzeuge der Querdenker schaffte.

Ab dem Zeitpunkt nahm der Autokorso mehr Fahrt auf. Recht zügig zogen die Fahrzeuge über den Wall. Die Polizei leitete die Querdenker über die Ruhrallee vom Wall ab, wodurch sich der Autokorso gegen 22.20 Uhr relativ schnell auflöste.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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