Wagners „Lohengrin“ sollte an der Oper Dortmund besser „Elsas Traum“ heißen

dzOper Dortmund

Vor zehn Jahren stand Wagners „Lohengrin“ zuletzt im Dortmunder Opernhaus auf dem Spielplan. Jetzt inszeniert Ingo Kerkhof die Oper neu. Und sein Lohengrin ist ein Weltstar.

Dortmund

, 14.11.2019, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Statt der öffentlichen Proben und den Einführungsmatineen bietet die Oper Dortmund zu Premieren des großen romantischen Repertoires „Previews“ an. Premiere feierte das neue Konzept am Mittwochabend im Opernhaus mit einem Vorgeschmack auf Wagners „Lohengrin“, der am 30. November Premiere feiert.

Der Grund für das neue Konzept ist simpel: „Wagner zu singen ist am Vormittag zu anstrengend für die Sänger“, erklärte Intendant Heribert Germeshausen den Besuchern im gut gefüllten Parkett des Opernhauses.

Künstler-Gespräch mit zwei Sängern

Zwischen einer kurzen Einführung von Dramaturgin und Regisseur und einem Künstler-Gespräch mit Stéphanie Müther (Ortrud) und Joachim Goltz (Telramund) bekamen die Besucher mit einem fast kompletten Durchlauf des zweiten Aktes einen schönen Einblick in die Produktion.

Und die wird musikalisch höchstwahrscheinlich ein Fest, denn dieser „Lohengrin“ ist fantastisch besetzt. Der Bayreuth-erfahrene Weltstar Daniel Behle gibt in der Titelpartie sein Rollendebüt. Bei der Probe war er noch nicht dabei; den kurzen Auftritt am Ende der Probe sang Tenor Michael Simon.

Die Elsa ist eine Sensation

Eine Sensation an der Seite von Behle ist die junge schwedische Sopranistin Christina Nilsson. Schon ihr kurzer Auftritt bei der Probe war eindrucksvoll, weil die junge Sängerin ihren schlanken Sopran so wunderbar leicht führte. Das ist mal wirklich eine mädchenhaft, ganz tolle Elsa.

Und die Oper müsste eigentlich sogar „Elsa“ statt „Lohengrin“ heißen, sagt Regisseur Ingo Kerkhof, der in Dortmund bereits „Quartett“ herausgebracht hat. In seiner Inszenierung steht Elsa, die ohnehin fast durchgängig auf der Bühne ist, im Mittelpunkt.

„Letztlich ist das ihre Geschichte. Diese Oper ist Elsas Traum“, sagt der Regisseur, der mit dem „Lohengrin“ seine erste Wagner-Oper inszeniert. Und das tut er durchaus fantasievoll.

Beim 2. Lohengrin-Akt denkt man an ein Bett im Kornfeld

Man denkt an ein Bett im Kornfeld, wenn sich der Vorhang zum zweiten Akt hebt. Ortrud und Telramund liegen im Bett, Ortrud, von Stéphanie Müther stimmgewaltig mit voluminösem Mezzo gesungen, raucht die „Zigarette danach“.

Sie ist bei Kerkhoff die starke Frau, die ihren Telramund in den Kampf gegen Lohengrin schickt. Als Kammerspiel inszeniert Kerkhof die Szene im kleinen Schlaf-Kämmerchen. Später fährt der Kasten mit dem Bett zurück und bringt Weite in die Bühne für die große Szene zwischen Ortrud und Elsa, die zwischen den Kornhalmen stehen.

Sein Regiekonzept hat Ingo Kerkhoff nicht erklärt. Aber dass seine Handschrift modern ist, er aber nicht an Wagners Musik und den Figuren vorbeiinszeniert und eher ruhig als mit viel Aktionismus Regie führt, konnte man sehen.

Termine: 30. 11., 8. / 14. 12., 12. 1., 22. 3., 10. 4., 22. 5.; Karten: Tel. 5027222 oder www.theaterdo.de
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