Vor 20 Jahren: Neonazi Michael Berger ermordet Dortmunder Polizisten

dzRechte Gewalttat

Bei einer Verkehrskontrolle in Brackel schießt der Neonazi Michael Berger am 14. Juni 2000 auf Polizeibeamte, später tötet er in Waltrop zwei Polizisten. Für Neonazis wird er damit zum Helden.

Dortmund

, 14.06.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mord an drei Polizisten in Dortmund und Waltrop durch den Neonazi Michael Berger jährt sich am Sonntag, 14. Juni, zum 20. Mal.

Am 14. Juni 2000 wird Berger in Dortmund-Brackel von der Polizei angehalten, weil er nicht angeschnallt ist. Der eröffnet aus dem Nichts das Feuer auf die Beamten. Der Polizeikommissar Thomas Goretzky stirbt, seine Kollegin wird am Bein verletzt. Auf der Flucht erschießt Berger später in Waltrop die Polizisten Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz.

Am Nachmittag wird Berger tot in Olfen aufgefunden, er hatte sich selbst erschossen.

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Neonazis feiern den Dreifachmord als Erfolg

Bei der Durchsuchung von seinem Auto und seiner Wohnung wird klar: Berger war ein Neonazi mit einem riesigen Waffenarsenal. Nach und nach kommen auch seine Kontakte zur rechten Szene in Dortmund ans Licht. Nachdem sich der NSU selbst enttarnt hatte, wurden die „Berger-Morde“ vor einigen Jahren auch Thema im NSU-Untersuchungsausschuss in NRW. Viele Fragen zum Hintergrund der Tat blieben jedoch damals offen.

Nach den Morden tauchten zudem Aufkleber und Flyer in Dortmund auf, auf ihnen stand „3:1 für Deutschland – Berger war ein Freund von uns“.

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Rückblick - Die Polizistenmorde am 14. Juni 2000

Vor zehn Jahren, am 14. Juni 2000, tötete ein Amokläufer in Dortmund und Datteln die drei Polizisten Thomas Goretzki, Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz. Der psychisch kranke Täter Michael Berger besaß ein Arsenal an schweren Waffen und Munition. Auf seiner Flucht tötete er sich auf einem Feldweg in Olfen.
12.06.2010
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Der Tatort wenige Minuten nach den tötlichen Schüssen: Rettungsdienst, Notärzte und Polizisten sind im Einsatz. Zu diesem Zeitpunkt - gegen 10 Uhr - war noch völlig unklar, wer und wo der Täter ist.© Foto: Nils Foltynowicz
Die Polizeiwache im Dortmunder Stadtteil Asseln: Hier versah Thomas Goretzki den Dienst.© Foto: Peter Bandermann
Der Untere Graffweg in Dortmund-Brackel ist eine kleine Seitenstraße.© Foto: Peter Bandermann
Der Tatort Unterer Graffweg in Dortmund-Brackel: Der Polizeibeamte Thomas Goretzki starb hier am 14. Juni 2000. Seine Streifenkollegin konnte sich durch einen Sprung aus dem Auto retten. Zwischen den Blumen über der Mauer erinnert eine Gedenktafel an den ermordeten Polizeibeamten von der Wache im Nachbarstadtteil Asseln.© Foto: Peter Bandermann
Sanitäter und Ärzte kämpften auf dem Gehweg am Unteren Graffweg vergeblich um das Leben des in seinem PKW getroffenen Polizisten.© Foto: Nils Foltynowicz
Der Tatort am Unteren Graffweg wenige Minuten nach der Tat. Hier starb am 14. Juni 2000 ein Polizist, eine Kollegin wurde schwer verletzt.© Foto: Nils Foltynowicz
Einsatzfahrzeuge am Tatort. Der Streifenwagen mit der geöffneten Tür ist der Wagen, auch den der Mörder Michael Berger die Schüsse abgegeben hatte.© Foto: Nils Foltynowicz
Der Streifenwagen mit dem Kennzeichen DO - 3369 war dem bewaffneten BMW-Fahrer gefolgt, der auf einer Hauptstraße deshalb aufgefallen war, weil er sich nicht angeschnallt hatte. Ein Routineeinsatz für Polizisten.© Foto: Nils Foltynowicz
In diesem Haus am Körner Hellweg in Körne wohnte der Mörder Michael Berger. In seiner Wohnung entdeckten Polizisten gefährliche Waffen und Dokumente, die auf das rechtsradikale Gedankengut des Schützen schließen ließen.© Foto: Nils Foltynowicz
© Foto: Frank Bock
Der Fluchtwagen von Michael Berger wurde auf einem Feldweg in Olfen entdeckt.© Foto: Frank Bock
© Foto: Frank Bock
Der Feldweg in Olfen: Hier hatte sich der Polizistenmörder Michael Berger selbst getötet.© Foto: Frank Bock
Ein Rettungshubschrauber steht auf einem Feldweg in Olfen - hier richtete sich der Polizistenmörder in seinem Fluchtwagen.© Foto: Frank Bock
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.© Foto: Aloys Reminghorst
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.© Foto: Aloys Reminghorst
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.© Foto: Aloys Reminghorst
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.© Foto: Aloys Reminghorst
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.© Foto: Aloys Reminghorst
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.
Die Trauerfeier in Dortmund am 19. Juni 2000.
Die Gedenkstätte am Unteren Graffweg in Dortmund-Brackel.© Foto: Nils Foltynowicz
Am Tatort in Dortmund-Brackel richteten Polizisten eine Gedenkstätte ein, die später von Neonazis geschändet wurde. Weil der psychisch kranke Mörder Michael Berger Dokumente mit rechtsradikalen Inhalten besaß, vereinnahmte die Neonaziszene ihn für sich.© Foto: Nils Foltynowicz
Blumen am Tatort.© Foto: Nils Foltynowicz
Kerzen am Dortmunder Polizeipräsidium.© Foto: Nils Foltynowicz
Die Gedenktafel erinnert auch heute an den 14. Juni 2000. Auch heute halten noch oft Polizeistreifen an diesem früheren Tatort,© Foto: Peter Bandermann

Am Dortmunder Tatort, dem Unteren Graffweg in Brackel, erinnert heute ein Gedenkstein an Thomas Goretzky. Auch eine Straße im Neubaugebiet im Kaiserstraßenviertel wurde nach dem damals 35-jährigen Beamten benannt.

Polizei gedenkt der Kollegen

Die Polizei Dortmund hielt am Sonntag eine Gedenkfeier zu Ehren ihrer verstorbenen Kollegen ab, dabei enthüllte sie auch eine Gedenktafel, die an die drei, aber auch an alle anderen getöteten Polizisten des Präsidiums erinnert. „Diese schreckliche Tat erschüttert uns auch 20 Jahre nach dem Geschehen und macht tief betroffen“, lässt sich Polizeipräsident Gregor Lange in einer Pressemitteilung zitieren.

Die Tat vergegenwärtige aber auch die Gefahren im Polizeidienst. „Die Verbrechen dieses Rechtsextremisten erscheinen wie ein Symbol für Hass und Gewalt“, so Lange. „Sie mahnen zur Wachsamkeit und bekräftigen uns darin, auch weiterhin unentwegt den Kampf gegen Extremismus jeder Art fortzuführen“.

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