Die Westfalenhalle ist Dortmunds größte Konzerthalle. Woche für Woche stehen große Stars auf der Bühne. Der Weg zu so einem Konzert ist aufwendig. Blicken Sie mit uns hinter die Kulissen.

Dortmund

, 11.10.2018, 04:31 Uhr / Lesedauer: 5 min

Kiss waren hier. Helene Fischer war hier. Udo Lindenberg, Deep Purple, Limp Bizkit. Allein die Liste der Stars, die in den vergangenen zwei Jahren in der Westfalenhalle Dortmund ein Konzert gegeben haben, ist lang und ziemlich prominent.

Wenn in Dortmund die großen Stars auftreten, dann in der altehrwürdigen Westfalenhalle 1. Aber wie kommen diese Konzerte eigentlich zustande? Wie kommen die Stars hierher? Und was läuft hinter den Kulissen, was die Besucher gar nicht sehen?

Von der Terminplanung bis zum Auftritt: So kommen Helene Fischer, Kiss und Co. in die Westfalenhalle

Gaby Staszak ist bei den Westfalenhallen Ansprechpartnerin für Shows und Konzerte. © Stephan Schütze

All das weiß Gaby Staszak (45). Sie ist – mittlerweile seit knapp 20 Jahren –Ansprechpartnerin für Shows und Konzerte bei den Westfalenhallen. Uns hat sie verraten, wie ein Konzert von der ersten Kontaktaufnahme bis zur After-Show-Party abläuft.

Der erste Kontakt

Für Konzerte gibt es in Deutschland nur eine überschaubare Anzahl nationaler Veranstalter – unter anderem Live Nation und DEAG Entertainment. Bei allen gehört die Westfalenhalle zum festen Pool. Gaby Staszak und ihr Team stehen regelmäßig in Kontakt mit den Veranstaltern.

Die Veranstalter holen die Künstler für eine Tournee nach Deutschland und organisieren diese. An den vorhergesehenen Veranstaltungszentren arbeitet der nationale Veranstalter aber meistens noch mit örtlichen Veranstaltern zusammen, die sich vor Ort um den Ablauf kümmern. In NRW sind zum Beispiel Handwerker Promotion oder das Konzertbüro Schoneberg Veranstalter. Und diese nehmen mit der Westfalenhalle Kontakt auf und fragen freie Termine an. Meistens in etwa ein Jahr vor dem Konzerttermin.

Wenn der Termin passt, dann bucht der Veranstalter die Westfalenhallen – und dann geht’s in die Feinplanung.

Die Wochen vor dem Konzert

Meistens geben die Veranstalter die Termine als erstes bekannt. Kurz darauf startet der Kartenverkauf. Die Westfalenhallen bekommen meistens einen Anteil, den sie selbst verkaufen können. Der Großteil geht über die bekannten Ticket-Plattformen weg.

Gaby Staszak und ihr Team stehen am Anfang vor allem per Mail und Telefon mit dem Veranstalter in Kontakt. Noch bevor der Vorverkauf losgehen kann, muss zum Beispiel geklärt werden, wo die Bühne positioniert ist, damit die Besucher sich die Plätze aussuchen können. Je nach Bühnenposition passen in die Westfalenhalle 12.000 bis 15.000 Besucher.

Wenn das Konzert näher rückt, schickt das Management des jeweiligen Künstlers eine Bühnenanweisung. Darin steht alles, was wichtig ist für den perfekten Ablauf des Konzerts von der Anfahrt bis zur Abreise. Gaby Staszak bekommt dann einen Zeitplan, viele technische Details, Cateringanweisungen und Wünsche des Musikers. Zudem steht in der Bühnenanweisung, für was die Westfalenhalle verantwortlich ist und für was der Veranstalter. Gaby Staszak wiederum verteilt dann die anfallenden Aufgaben innerhalb des Hauses.

Auch wenn sie reichlich Erfahrung habe, müsse doch jede Produktion für sich geplant werden. „Jedes Konzert ist individuell“, sagt Staszak. „Eigentlich kann es nie von einer bis zur nächsten Produktion genau so stehen bleiben.“

Der Tag des Konzerts

Für ein „normales“ Konzert beginnt der Aufbau erst am Tag des Konzertes. Gegen 6 Uhr rücken die Arbeiter an, bauen Bühne und Technik auf und sind in der Regel gegen Mittag damit fertig. Am Nachmittag ist dann üblicherweise der Soundcheck. Bis zum Einlass muss alles stehen und stimmen.

Sobald die Besucher die Halle verlassen haben, beginnt der Abbau, der sich dann oft bis in die Nacht zieht. Gibt es am nächsten Tag wieder ein Konzert, wird auch schonmal die Nacht durchgearbeitet. „Da greift ein Rädchen in das andere“, sagt Gaby Staszak.

Fernseh- und DVD-Produktionen sind vom Aufbau meistens deutlich aufwendiger. Für eine Fernsehshow dauern die Aufbauarbeiten fast eine Woche. Für eine DVD-Produktion, wie sie zuletzt Nena gemacht hat, braucht es einen halben bis ganzen Tag mehr.

Aufwendige Konzerte hat die Westfalenhalle in ihrer langen Geschichte schon so einige erlebt. Besonders herausfordernd sei aber im vergangenen Jahr die Helene-Fischer-Show gewesen, die gleich an fünf Tagen lief, sagt Gaby Staszak. „Da sind alle an ihre Grenzen gegangen.“ Vor allem technisch seien die Herausforderungen sehr hoch gewesen.

Für Musiker und Fans ist vor allem wichtig, dass der Sound bei einem Konzert stimmt. Auch wenn sich durch die Digitalisierung technisch so einiges entwickelt hat in den vergangenen Jahren, sagt Gaby Staszak: „Es ist immer noch eine Herausforderung, den perfekten Klang für eine Künstler in einer Halle zu finden.“ Auch das sei bei jedem Musiker ganz individuell.

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Der Blick hinter die Kulissen der Westfalenhallen

Wenn Stars ein Konzert in der Westfalenhalle geben, kommen sie über den Wirtschaftsweg direkt in den Backstagebereich. Wir haben uns einmal hinter den Kulissen der Westfalenhalle umgesehen.
11.10.2018
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So sieht's vor dem Haupteingang zur Westfalenhalle 1 aus. Wenn ein Star ein Konzert gibt, stehen hier die Fans teilweise schon Stunden vorher Schlange, um ganz vorne einen Platz zu ergattern.© Stephan Schütze
Den Haupteingang nehmen die Stars nicht - sie wollen möglichst unerkannt den Weg in die Halle finden. Das tun sie über den Eingang am Wirtschaftshof. © Stephan Schütze
Über ein paar Stufen geht's in den Backstage-Bereich der Halle. Der liegt sozusagen im Keller - etwas unterhalb des Hallenbereichs.© Stephan Schütze
So werden die Stars begrüßt, wenn sie unten angekommen sind. Am Konzerttag ist hier ausgewiesen, wo wer seine Garderobe hat. © Stephan Schütze
Die Garderoben sind nur mit dem nötigsten ausgestattet. Denn jeder Musiker äußert andere Wünsche, wie seine Garderobe eingerichtet sein soll. Eine Firma kümmert sich dann kurz vor dem Konzert um die Gestaltung der Garderobe. © Stephan Schütze
Die könnte dann zum Beispiel so aussehen wie auf diesem Foto: Pflanzen, Sofas, Poster und ein kühler Sekt machen den Garderoben-Bereich direkt gemütlicher. © Stephan Schütze
Jede Garderobe hat eine Dusche und einen großen Waschtisch mit Spiegel. Denn vor dem Auftritt werden die Künstler hier auch zurechtgemacht, erzählt Gaby Staszak.© Stephan Schütze
Das ist der Weg, der zu den jeweiligen Räumen führt. © Stephan Schütze
​In dem Gang hängen seit ein paar Jahren historische Poster von Konzerten in der Westfalenhalle. © Stephan Schütze
Der ein oder andere Künstler bleibe interessiert vor den Postern stehen - und suche sich selbst, erzählt Gaby Staszak. © Stephan Schütze
Wenn die Künstler vor dem Konzert noch ihre Fans treffen oder wenn noch Fotos gemacht werden sollen, dann geschieht das meistens vor dieser Wand, die direkt neben dem Aufgang zur Bühne liegt, sagt Gaby Staszak.© Stephan Schütze
Und über diese Treppen geht es für die Stars dann hoch zur Bühne - und dann kann die Show beginnen.© Stephan Schütze
Diesen Blick haben die Künstler dann auf die Westfalenhalle - nur, dass im Optimalfall alle Ränge und der Stehplatzbereich vollbesetzt sind mit jubelnden Fans. © Stephan Schütze

Der Backstage-Bereich

Die Künstler kommen in der Regel ein paar Stunden vor dem Konzert in die Halle und verlassen sie kurz nach dem Konzert wieder. Meistens sind sie ohnehin mit dem Tourbus unterwegs, manchmal übernachten sie in einem Dortmunder Hotel – aber eher seltener, sagt Staszak.

Die Künstler kommen über den Wirtschaftshof auf der Rückseite der Westfalenhalle unerkannt zur Halle. Von dort gehen sie einen schmalen Weg – und schon sind sie im Backstage-Bereich unter der Halle.

Der ist weniger spektakulär, als sich das manch ein Besucher vorstellen mag. Es gibt sieben Garderoben, die größten sind 100 Quadratmeter groß, dazu ein paar weitere Räume, die für Catering und als Büros genutzt werden. Die Garderoben haben alle eine Grundausstattung mit Toiletten, Duschen, Waschtischen, Spiegeln, Tisch und Stühlen. Die Wände sind weiß, der Boden ist in der Regel mit grauem Teppich ausgelegt.

Die Extra-Wünsche der Stars

Wenn die Künstler kommen, dann bleiben die Garderoben aber nicht so kahl. Fast jeder Künstler habe seine eigenen Vorstellungen und Wünsche davon, wie die Garderobe aussehen soll, erzählt Gaby Staszak. Diese Wünsche stehen auch in der Bühnenanweisung. Die Ausstattung der Garderoben nach den Wünschen der Künstler übernimmt meistens eine Firma, die sich genau darauf spezialisiert hat.

Meistens wünschen die Musiker sich ein Sofa, Sessel, Beistelltische, ein paar Pflanzen und individuelle Beleuchtung, sagt Gaby Staszak. Auch Teppiche und Dekoration für die Wände gehören zu dem, was oft gewünscht wird. Ab und zu werde es auch ein bisschen spezieller und ungewöhnlicher.

Manche möchten bestimmte Blumen oder Handtücher, die mit einem bestimmten Waschmittel gewaschen sind. Andere möchten, dass die Wand komplett gelb ist. All das werde dann möglich gemacht. Eine Garderobe wird auch meistens als Einsing-Raum benutzt und die Wände werden entsprechend abgehängt, damit der Künstler seine Stimme gut hören kann. Bandmitglieder spielen hier ihre Instrumente warm.

Wenn sehr große Produktionen mit vielen Künstlern in der Halle 1 laufen, zum Beispiel die Night of the Proms oder Schlagerboom, dann reichen die Garderoben im Backstagebereich nicht aus. „Dann nutzen wir die kleineren Hallen und bauen dort Garderoben“, erzählt Gaby Staszak.

Ein Essen, das nicht Standard ist

Auch beim Essen gibt’s meistens konkrete Vorgaben und Wünsche. „Die Anforderungen sind gestiegen“, sagt Staszak. Immer mehr Musiker seien Vegetarier oder Veganer. Frisch, bio und abwechslungsreich soll das Essen für fast alle sein. „Die Musiker sind oft lange mit dem Tourbus unterwegs, deshalb wünschen sie sich oft etwas, das nicht Standard ist“, sagt Staszak. Der ein oder andere Musiker wünscht sich einen Rotwein aus einer bestimmten Region, auch das komme vor.

Amerikanischen Künstler sei zudem oft sehr wichtig, dass die Garderoben eine Klimaanlage haben, erzählt Gaby Staszak.

Das Klischee vom wilden Musiker-Leben

Im Gang zu den einzelnen Räumen hängen seit ein paar Jahren historische Poster von Konzerten in der Westfalenhalle. „Es kommt immer wieder vor, dass Künstler hierhergehen und sich suchen“, sagt Gaby Staszak. Die Kelly Family habe sich im vergangenen Jahr wahnsinnig darüber gefreut, ihr Plakat von 1996 an der Wand zu finden. Obwohl die Plakate nur Kopien der Poster sind, würden regelmäßig welche fehlen, sagt Staszak. Sie hat ein leichtes Grinsen im Gesicht.

Im Gang ist auch eine Wand mit einem großen Bild der Westfalenhalle. Hier werden kurz vor dem Auftritt oft Fotos gemacht, manchmal treffen die Stars hier ihre Fans zu einem Meet&Greet. Über eine Treppe direkt links daneben gehen die Künstler hoch zur Bühne – dann kann die Show beginnen.

Ab und an kommt es vor, dass nach dem Konzert noch eine Backstage-Party gefeiert wird, wenn ein Musiker Geburtstag hat oder die Tour endet. Das Klischee vom wilden Musiker-Leben kann Staszak aber nicht bestätigen. „Das hat sich geändert“, sagt sie. „Die Künstler achten sehr auf sich. Diese Konzerte sind Arbeit für sie. Natürlich lassen sie es auch mal krachen, aber nur, wenn sie es sich erlauben können. Sonst sind sie unglaublich diszipliniert.“ Viele würden im Backstagebereich auch noch mit einem Personal Trainer Fitnessübungen oder Yoga machen.

Und wenn das Konzert abgesagt wird?

Es kommt immer mal wieder vor, dass ein Musiker kurzfristig nicht auftreten kann. Weil er krank ist oder weil er anderweitig verhindert ist. „Die Musiker versuchen immer bis zum letzten Moment, ein Konzert möglich zu machen“, sagt Gaby Staszak. Deswegen kämen Absagen gerade bei Krankheit oft sehr kurzfristig. Wenn ein Konzert am Tag selbst abgesagt werden müsse, dann erreiche man – trotz Social Media – nicht mehr alle Fans rechtzeitig. In der Halle müsse also trotzdem Personal bereitstehen und die dann oft enttäuschten Fans informieren.

Danach folgt weiterer großer organisatorischer Aufwand: Es muss ein Termin für ein Nachholkonzert gefunden werden, das Ticketing muss eingerichtet werden, damit Karten zurückgegeben und neue gekauft werden können, die Besucher müssen informiert werden.

Welche Stars und Shows kommen denn in nächster Zeit?

Vor allem im November und Dezember ist das Programm in der Westfalenhalle ziemlich voll. Diese Musiker und Shows stehen in nächster Zeit an:

  • 20. Oktober: Schlagerfestival Schlagerboom
  • 14. November: Slayer
  • 29. November: Santiano
  • 6. Dezember: Scooter
  • 7. Dezember: Pur
  • 22. Dezember: Night of the Proms
  • 23. Dezember: Angelo Kelly und Family
  • 30. Dezember: Ehrlich Brothers
  • 18. bis 20. Januar: Holiday on Ice
  • 6. Februar: Andre Rieu
  • 2. März: Bonez MC und Raf Camora
  • 16. März: Roland Kaiser
  • 27. März: Herbert Grönemeyer
  • 30. März: Manowar
  • 10. Mai: David Garrett
  • 7. Juni: DJ Bobo
  • 12./13. Juli: Udo Lindenberg
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