„Vom Stadionknast in die Westfalenhalle“: Bengalos beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet

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Vor zwei Jahren noch Vorband der Toten Hosen, jetzt war die Punkband Feine Sahne Fischfilet erstmals Hauptact in der Westfalenhalle. Auf der Bühne wurde auch über Dorstfeld und den BVB geredet.

Dortmund

, 20.12.2019, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursprünglich für den Ruhr-Congress in Bochum geplant, wurde das Konzert von Feine Sahne Fischfilet wegen großer Nachfrage schnell in die große Westfalenhalle verlegt. Rund 7500 Fans feierten die sechs Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern, die zusammen eine der angesagtesten Live-Bands Deutschlands bilden.

Schon als die Punkrocker vor eineinhalb Jahren in der Phoenix-Halle auftraten, war das Staunen auf der Bühne groß. Die altehrwürdige Westfalenhalle toppte das Erlebnis aber deutlich: „Donnerstagabend, Mann, Digger, das ist der Wahnsinn“, rief Sänger Jan „Monchi“ Gorkow ins Mikrofon: „Wir danken jeder einzelnen Person, die für uns sechs Trottel ernsthaft eine Karte geholt hat.“

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Der schwere Mann erzählte von seiner ganz persönlichen Dortmund-Erinnerung: Bei einem Auswärtsspiel von Hansa Rostock sei er hier zum ersten Mal in seinem Leben in Gewahrsam genommen worden. „Unschuldig wie immer“, heißt es im passenden Song. „Vom Stadionknast in die Westfalenhalle“, sagte Monchi und legte die Hände staunend auf seinen Kopf.

Bei einem Konzert von Feine Sahne Fischfilet geht es um mehr als Musik. Die Band holte einen jungen Mann auf die Bühne, der sonst zur Seenotrettung auf dem Mittelmeer unterwegs sei: „Für ihn geht‘s grad darum, ob er in Italien für 20 Jahre in den Knast geht“, sagte Monchi. Weil er Menschen vor dem Ertrinken gerettet habe.

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Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle

7500 Besucher sind am Donnerstagabend in die Westfalenhalle gekommen, um die Punkrockband Feine Sahne Fischfilet zu sehen.
20.12.2019
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Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel
Feine Sahne Fischfilet in der Westfalenhalle.© Kevin Kindel

Jeder Mensch müsse sich klarmachen, „was für ein Schweineglück wir haben, wo wir geboren sind“, sagte Gorkow: „Wenn irgendeiner irgendwo am Ersaufen ist - egal ob Hete, Homo, Buddhist, Muslim oder Christ - dann gehören die gerettet.“ Er selbst habe nach einem Selbstmordanschlag an der türkisch-syrischen Grenze erlebt, wie tote Menschen riechen.

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Als die Fans - zahlreiche aus dem linken Spektrum, wie bei Konzerten der Band üblich - den linken Schlachtruf „Alerta Antifascista“ anstimmten, sagte der Sänger: „Ihr braucht bei uns keine Parolen rufen. Aber wenn‘s in Dorstfeld brennt, dann müsst ihr da rausgehen.“ Gemeint war die rechtsextreme Szene in Dortmund. Ein großes Lob sprach Monchi den Ex-BVB-Fanbeauftragten Daniel Lörcher und Jens Volke für ihr Engagement aus und lud sie ein: „Sauft uns den Schnaps leer!“

Nach mehr als zwei Stunden voller Bengalos, Rauchtöpfe, Moshpit und Crowdsurfing sprühten am Ende Funken von der Decke, Tausende Besucher waren klitschnass geschwitzt und hatten ein richtig breites Grinsen im Gesicht.

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