Volle Hotels vor dem Kirchentag in Dortmund - Suche nach privaten Betten stockt

dzEvangelischer Kirchentag

100.000 Menschen werden zum Evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund erwartet. Hotels sind schon stark ausgelastet. Die Suche nach privaten Betten gestaltet sich schwierig.

Dortmund

, 02.03.2019, 04:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer beim Hotelbuchungsportal Booking.com nach einer Unterkunft in Dortmund für das Fronleichnams-Wochenende Ende Juni sucht, der wird beim Blick auf den Preis kräftig schlucken müssen. Für vier Nächte muss man demnach mindestens 1000 Euro für ein Doppelzimmer bezahlen – und dann wohnt man nicht einmal besonders zentral, sondern am Stadtrand in Bövinghausen oder am Flughafen.

Wer in der City übernachten möchte, zahlt laut Booking.com sogar noch einmal knapp einen Tausender mehr. 85 Prozent der Unterkünfte seien zu diesen Reisedaten ausgebucht, teilt das Portal mit. Auch beim Ferienwohnungs-Anbieter Airbnb ist das Angebot erschöpft. Bezahlbare Unterkünfte mit 35 bis 49 Euro pro Nacht sind zu diesen Daten aktuell nur drei verfügbar.

An jenem Wochenende, vom 19. bis 23. Juni, läuft in Dortmund der Deutsche Evangelische Kirchentag. 100.000 Menschen werden in der Stadt erwartet, Zehntausende kommen von außerhalb und brauchen deshalb eine Unterkunft.

Es werden immer mal wieder Zimmer frei

Gut 7000 Hotelbetten gibt es in Dortmund. „Und die sind schon sehr stark gebucht“, sagt Matthias Rothermund, Geschäftsführer von Dortmund Tourismus. Weil schon seit Langem bekannt ist, dass der Kirchentag an diesem Wochenende läuft, seien die Hotelbetten schnell ausgebucht gewesen. So nutze auch der Kirchentags-Veranstalter selbst etliche Zimmer. Zudem sei der Dortmunder Hotelmarkt zurzeit ohnehin gut gesättigt. Die Kirchentagsgäste kämen zum Tagesgeschäft mit Geschäftsleuten und Freizeittouristen hinzu. Der Kirchentag läuft an einem verlängerten Wochenende, an dem generell viele Menschen gerne verreisen.

Schwarz sieht Matthias Rothermund aber dennoch nicht. Zurzeit würden in Dortmund aufgrund von Stornierungen immer mal wieder Hotelzimmer frei. Die könne man schnell an Kirchentagsbesucher vermitteln – und das auch zu vernünftigen Preisen. Im Schnitt koste auch zum Kirchentag ein Hotelzimmer 80 bis 120 Euro pro Nacht. „Und die meisten Leute haben auch zu diesen Preisen buchen können. Diese Spitzenpreise sind die Ausnahme“, sagt Rothermund.

Hotels in den umliegenden Städten mit guter Anbindung

Auch wer jetzt noch ein Hotelzimmer suche, bekomme ein Zimmer zu einem fairen Preis, sagt Rothermund. Allerdings nicht mehr in ganz zentraler Lage. Kirchentagsbesucher würden jetzt überwiegend in Hotels in den umliegenden Städten vermittelt, die aber eine gute Anbindung nach Dortmund haben. Das reiche von Hamm bis Duisburg.

Unüblich ist das nicht. Auch bei Messen oder anderen Großveranstaltungen komme es immer wieder vor, dass Gäste nicht in Dortmund übernachten, sondern auf die umliegenden Städte ausweichen, sagt Rothermund: „Bislang haben wir alle Anliegen bedienen können.“ Und er gehe davon aus, dass auch für all diejenigen, die noch kurzfristig eine Unterkunft suchen, eine zu finden sei.

8000 Menschen sollen in Privatunterkünften schlafen

Die Hotels sind für den Kirchentag ohnehin nur eine Säule des Übernachtungskonzepts. Etliche Gemeinschaftsquartiere sind in Planung. Gut 40.000 Kirchentagsbesucher sollen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden – vor allem in den 124 Dortmunder Schulen. Die Schüler bekommen dafür frei.

Und 8000 Gäste – vor allem ältere Menschen, Familien mit Kindern und Teilnehmer mit Behinderungen – sollen in kostenlosen privaten Unterkünften schlafen. Von diesem Ziel sind die Kirchentags-Veranstalter allerdings noch weit entfernt. Bislang seien erst gut 1500 Betten von Privatleuten gemeldet worden, sagt Kirchentags-Pressesprecher Stephan von Kolson auf Anfrage der Redaktion.

„Ziemlich wenig“ Betten im Vergleich zu anderen Kirchentagen

Im Vergleich zur Durchschnittssituation bei anderen Kirchentagen in der Vergangenheit sei das „ziemlich wenig“. Dabei sei sein Eindruck, dass der Bedarf bei den Dortmunderinnen und Dortmundern durchaus bekannt sei. Man habe in den vergangenen Tagen beispielsweise Spaziergänger am Phoenix-See informieren wollen, aber „die wissen fast alle Bescheid“.

Seine Vermutung - man könnte es auch Hoffnung nennen: Die Dortmunder hätten sich nur „noch nicht“ gemeldet. Aber es sei wichtig, dass die 8000 Betten nicht erst im Juni, sondern schon vor den Osterfeiertagen Mitte April angeboten worden seien. Dann beginne nämlich für die Organisatoren die eigentliche Arbeit: die Interessenten auf die Betten zu verteilen. Dabei sei viel zu beachten: Haben Interessenten Tierallergien? Ist die Wohnung barrierefrei? Gibt es Frauen, die ihre Wohnung nur Frauen anbieten wollen? Spricht der „Vermieter“ immer auch die Sprache der eingeplanten Gäste?

Die Gäste seien „super interessant“

Stephan von Kolson ermuntert die Dortmunderinnen und Dortmunder und auch die Menschen in den Nachbarorten ausdrücklich, ihre vier Wände zur Verfügung zu stellen. Viele Gäste seien „super interessant“ – und der Beherbungsaufwand halte sich in Grenzen. Ein Bett, ein Sofa oder eine Liege und ein kleines Frühstück reichten völlig aus. Und die meisten Kirchentagsbesucher gingen ohnehin morgens aus dem Haus und seien erst abends nach den Veranstaltungen zurück.

So wird man Gastgeber

  • Wer für den Kirchentag privat ein Bett zur Verfügung stellen möchte, kann sich telefonisch beim Kirchentags-Team melden unter Tel. 0231 99768200 oder ein Formular auf der Website des Kirchentags ausfüllen.
  • Gesucht werden Unterkünfte in Dortmund, Lünen, Kamen, Unna, Schwerte, Hagen, Witten, bochum, Herne, Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel.
  • Voraussetzung ist, dass die Dortmunder Innenstadt innerhalb von 50 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.
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