Volkstrauertag: Polizeipräsident empfiehlt anwesenden Neonazis Aussteigerprogramme

dzKundgebung zum Volkstrauertag

So aktuell waren die Reden zum Volkstrauertag selten. Bei einer Kundgebung auf dem Hauptfriedhof forderte Polizeipräsident Gregor Lange, die Demokratie gegen Angriffe zu verteidigen.

Dortmund

, 17.11.2019, 16:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Volkstrauertag ist regelmäßig Anlass, der Toten von Krieg und Gewalt zu gedenken. Dieses Gedenken war an diesem Sonntag besonders stark mit akuten Sorgen verbunden. Entwicklungen in unserem Land forderten ein beherztes Engagement von Staat und Gesellschaft, erklärte Polizeipräsident Gregor Lange bei der zentralen Gedenkstude der Stadt auf dem Hauptfriedhof.

Seine Sorge galt vor allem neu aufkeimender Fremdenfeindlichkeit und wachsendem Antisemitismus. „Unsere Verfassung schützt die Würde aller Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe“, sagte Lange.

Und er fragte: „Wie müssen sich Menschen fühlen, die vor Krieg und Terror aus ihren Heimatländern zu uns geflohen sind und dann hier mit Hass, Hetze, Gewalt und Ausgrenzung konfrontiert werden? Welche Gedanken und Gefühle bewegen Menschen jüdischen Glaubens, die heute auf offener Straße antisemitischer Hetze und Gewalt ausgesetzt sind? Was sollen wir denken, wenn rechtspopulistische Parteien selbst nach dem brutalen Anschlag auf eine Synagoge und nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten durch einen Rechtsextremisten immer noch Zuspruch bei Teilen der Bevölkerung bekommen?“

„Hass und Hetze unterbinden“

Die Dortmunder Polizei sei „fest entschlossen, alle rechtlichen Instrumente, auszuschöpfen, um die Bevölkerung vor aggresiv-kämpferischen Verfassungsfeinden zu schützen“. Es gehe darum, „Hass und Hetze, Antisemitismus und Rassismus effektiv zu unterbinden“. Dazu brauche es auch „kluge Staatsanwälte und Richter, die unseren Gesetzen die notwendige Durchschlagskraft geben“, so der Polizeipräsident.

Dass, wie schon in den Vorjahren, Angehörige der rechten Szene bei der Kundgebung aufgetaucht waren, nutzte Lange, um auf Aussteigerprogramme aus der rechten Szene aufmerksam zu machen.

Volkstrauertag: Polizeipräsident empfiehlt anwesenden Neonazis Aussteigerprogramme

Bürgermeisterin Birgt Jörder legte zum Volkstrauertag gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Europaschule Blumen für die Kriegsopfer nieder. © Oliver Schaper

Bürgermeisterin Birgit Jörder stellte bei ihrer Rede die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn in den Mittelpunkt. Der Gedenktag müsse angesichts des neu aufkeimenden Nationalismus in Europa Anlass sein, „die Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn im Geist der Versöhnung und der Partnerschaft wieder neu zu festigen“, erklärte sie. „Der Friede in Europa ist ein Schatz, den es zu pflegen und zu bewahren gilt.“

Volkstrauertag: Polizeipräsident empfiehlt anwesenden Neonazis Aussteigerprogramme

Schülerinnen und Schüler der Europaschule hatten mehrere tausend Bänder mit den Namen sowjetischer Kriegsopfer gestaltet. © Oliver Schaper

Nach der Kundgebung am Mahnmal für die Kriegstoten folgte ein Friedensmarsch zum sowjeischen Mahnmal auf dem Friedhofsteil am Rennweg, wo ebenfalls Kränze niedergelegt und der ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter gedacht wurde.

In einer Aktion der Europaschule, der VHS und des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurden dazu weiße Friedensbänder mit dem Namen und dem Alter aller 5.095 sowjetischen Kriegsopfer beschriftet, die auf dem Hauptfriedhof beigesetzt sind.

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