Vodafone hat Ärger mit einigen Vertriebspartnern in NRW. Jetzt wurde auch der Partneragentur, die den Shop in der Thier-Galerie betreibt, außerordentlich gekündigt. Der Standort ist geschlossen. © dpa
Mobilfunk

Vodafone schließt Shop in der Thier-Galerie: Wurden Kunden abgezockt?

Der Shop des Telekommunikationskonzerns Vodafone in der Thier-Galerie ist geschlossen. Dem Betreiber wurde außerordentlich gekündigt. Vodafone nennt die Gründe.

Vodafone bietet in Dortmund in mehr als 20 Ladenlokalen Produkte für die Telekommunikation an. Eines dieser Geschäfte wurde nun überraschend geschlossen: Der Vodafone-Shop in der Thier-Galerie ist dicht.

Die Schließung reiht sich ein in eine Serie von Fällen in Nordrhein-Westfalen, in denen Vodafone den jeweiligen Betreibern der Shops „Unregelmäßigkeiten“ vorwirft.

Insgesamt hat man sich in NRW in den vergangenen Wochen von sechs Betreibern getrennt. Dabei nahmen Betrugsvorwürfe und der Verdacht auf dubiose Vertragsabschlüsse von Woche zu Woche immer größere Dimensionen an. Es gab unter anderem Schließungen in Witten, Mettmann, Olpe, Siegen, Rösrath, Bergisch-Gladbach – und nun auch Dortmund.

Vodafone spricht von Unregelmäßigkeiten und Verstößen

„Vodafone hat in Nordrhein-Westfalen mehrere Standorte geschlossen, da wir uns von den insgesamt sechs Betreibern, die hinter diesen Standorten standen, getrennt haben. Dies geschah wegen Unregelmäßigkeiten oder Verstößen gegen unsere Vertragsbedingungen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Düsseldorfer Telekommunikationskonzerns.

Vodafone-Sprecher Volker Petendorf bestätigte am Dienstag (14.9.) auf Anfrage, dass auch die Partneragentur in der Thier-Galerie zu diesen Standorten gehört. Der Partneragentur, die nach Informationen unserer Redaktion auch Shops in Witten und Mettmann betreibt, sei außerordentlich gekündigt worden.

Bundesweit arbeitet Vodafone mit rund 1400 Partneragenturen zusammen. Bei den Kündigungen der sechs Agenturen geht es darum, dass den Kunden zusätzliche Mobilfunk-Verträge untergeschoben worden sein sollen. Außerdem sollen auch von Vodafone subventionierte Smartphones, die für Kunden bei Vertragsverlängerungen vorgesehen waren, illegal an Dritte verkauft worden sein.

Vodafone-Partner „will meist unberechtigte Provisionen kassieren“

„Ein Vertriebspartner, der bei uns einen nicht gewünschten Kundenvertrag einreicht“, erklärt Volker Petendorf, „will meist unberechtigte Provisionen von Vodafone kassieren und eventuell zudem in den unberechtigten Besitz eines teuren Smartphones kommen. In diesen Fällen werden sowohl der Kunde als auch Vodafone Opfer einer betrügerischen Handlung, der wir mit aller Härte begegnen.“

Der Vodafone-Sprecher betont, dass es bei allen gekündigten Partneragenturen, so auch bei der in Dortmund tätigen, um Einzelfälle gehe. „Von diesen Einzelfällen abgesehen haben die Agenturen ansonsten ein gutes Geschäft gemacht“, so Volker Petendorf.

Es müssen also nicht alle Kunden des Shops in der Thier-Galerie befürchten, einen gar nicht notwendigen Vertrag untergeschoben bekommen zu haben. „Und mit den von uns identifizierten, betroffenen Kunden hat Vodafone etwaige Unstimmigkeiten bei Verträgen und Produktbestellungen bereits im direkten Dialog geklärt“, sagt Volker Petendorf.

Anwalt hält die Kündigungen für fragwürdig

Die Rechtmäßigkeit der Kündigungen wird von dem Münchener Rechtsanwalt Bernd Schleicher, der mehrere der betroffenen Partneragenturen vertritt, angezweifelt. Er bestätigte gegenüber unserer Redaktion Medienberichte, wonach es seiner Ansicht nach nur vage Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gebe und auch ohne Abmahnung einfach gekündigt worden sei.

Vodafone verweist darauf, dass man jedem Hinweis auf Unregelmäßigkeiten nachgehe und sofort eine Stellungnahme des jeweiligen Vertriebspartners einhole. „Ebenso“, so heißt es, „schauen wir uns bei der Auftragsbearbeitung die eingereichten Verträge besonders intensiv an, bei denen wir zunächst Zweifel an der Plausibilität haben.“

Wenn sich herausstelle, dass ein Vertriebspartner gegen die klaren Vodafone-Richtlinien verstoßen habe und eine Produktbestellung ausgelöst habe, die von dem Kunden nicht gewünscht war, gehe man rigoros vor, sagte Konzernsprecher Petendorf: „Von Abmahnungen über einen befristeten Stopp der weiteren Vermarktung bis hin zur vollständigen Beendigung der Zusammenarbeit und Einleitung von Strafverfahren.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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