Vier Jahre „Flüchtlingskrise“: So hat sich die Kriminalität in Dortmund entwickelt

dzSerie

Etwa 13.000 Einwohner hat Dortmund innerhalb von vier Jahren dazubekommen. Wie hat sich die Kriminalität mit dem Zuzug vieler Flüchtlinge entwickelt? Die Zahlen der Polizei sind eindeutig.

Dortmund

, 18.09.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seitdem im September 2015 innerhalb kürzester Zeit Tausende Geflüchtete nach Dortmund gekommen sind, war die Sorge groß, ob sich nicht auch viele Kriminelle unter diese Menschen gemischt haben. Vier Jahre später hat die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion alle verfügbaren Daten zur Kriminalität von Flüchtlingen zusammengetragen.

Einige Hinweise sind wichtig, wenn man sich diesem Thema nähern will. „Wir nennen die Zahl der Verdächtigen, haben aber nicht die der angezeigten Straftaten in unserer Statistik“, betont Polizei-Sprecher Peter Bandermann. So kann ein Verdächtiger eine einzige Straftat begangen haben oder Dutzende. Oder gar keine, wenn er im Laufe der Ermittlungen gar nicht für schuldig befunden wurde.

Jetzt lesen

Bandermann erklärt am Beispiel eines fiktiven Asylbewerbers, der in die Bundesrepublik Deutschland einreist und am Hauptbahnhof Dortmund aus dem Zug steigt: „Dort sieht er jemanden von der Bundespolizei und sagt dem, dass er Asyl beantragen möchte. Dann geht er mit zur Wache und bekommt erst mal eine Strafanzeige wegen illegalen Aufenthalts, weil er die Bundesrepublik betreten hat, ohne es zu dürfen.“

Diese Verfahren seien alle eingestellt worden: „Aber das war in der Spitzenzeit eine untere vierstellige Zahl von Verdächtigen“, so Bandermann. Diese Straftaten fließen mit in die unten stehenden Zahlen. Gebürtige Deutsche können diese Straftat hierzulande gar nicht begehen.

Jetzt lesen

Ein Vergleich der Jahreszahlen sei nicht komplett zulässig, weil die Methoden mancher Erhebungen sich über die Jahre verändert haben, heißt es von der Polizei. Außerdem gab es viele Geflüchtete, die mit oben beschriebener „Einwanderungs-Straftat“ in Dortmund registriert wurden, sich aber nur wenige Tage hier aufgehalten haben, bevor sie anderen Städten zugewiesen wurden. Andere, die hier Straftaten begehen, sind aber auch anderswo gemeldet und zählen nicht zur Dortmunder Bevölkerung.

Grundsätzlich ist aber eindeutig festzuhalten: Durch den Zuzug der Flüchtlinge und anderer Migranten ist Dortmunds Bevölkerungszahl seit 2015 durchgängig gestiegen. Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen in der Stadt ist währenddessen in jedem Jahr gesunken. Genau wie die Gesamtzahl aller Straftaten, die jetzt auf dem tiefsten Stand seit mehr als 15 Jahren ist.

Sind in Dortmund im Jahr 2014 noch 14,7 Straftaten pro 100 Einwohner verübt worden, waren es 2018 nur noch 11,0 Straftaten. „Insbesondere bei der Gewalt- und bei der Straßenkriminalität sind die Zahlen gesunken“, stellt der Polizei-Sprecher fest. Gestiegen ist allerdings die Zahl der Kategorie „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“. 2014 waren es noch 538, 2018 dann 789. Vergewaltigungen gab es jedoch weniger als noch vor fünf Jahren.

Die Zahl der tatverdächtigen Flüchtlinge war im Jahr 2016 mit 4487 relativ hoch. Da waren 16,3 Prozent aller Verdächtigen in Dortmund Geflüchtete. Bis zum vergangenen Jahr ist diese Quote auf 10,8 Prozent gesunken.

Jetzt lesen

Auf einen Tatverdächtigen mit Flüchtlingsstatus kommen also neun andere Menschen, die einer Straftat verdächtigt werden. Was übrigens auch noch nicht heißt, dass ihre Schuld bewiesen wurde.

Die Polizei fasst zusammen: „Flüchtlinge begehen Straftaten, genau wie andere Menschen auch. Der verstärkte Zuzug von Geflüchteten nach Dortmund hat aber keinen durchschlagenden negativen Einfluss auf die Kriminalitätsentwicklung insgesamt.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Trotz Rechts-Terror in Halle

Darum können die Nazi-Demos in Dortmund nicht einfach verboten werden

Meistgelesen